Zum Inhalt springen

Start / Wie finde ich mich bei all den Kenn­zeichnungen & Labels zurecht?

Wie finde ich mich bei all den Kenn­zeichnungen & Labels zurecht?

Die kurze Antwort

Kennzeichnungen und Labels können beim Einkauf Orientierung geben. Sie zeigen, dass ein Produkt einem bestimmten Programm zugeordnet ist und welche Anforderungen dafür gelten. Entscheidend sind immer das konkrete Programm, die ausgewiesene Stufe und der aktuelle Kriterienstand.

Ein fehlendes freiwilliges Label ist kein Urteil über die Haltung auf einem einzelnen Hof. Es zeigt vor allem: Für dieses Produkt wird kein bestimmtes, auf der Packung ausgewiesenes Programm kommuniziert.

Das Wichtigste zuerst: Die Haltungsform ordnet Programme ein

Die Haltungsform-Kennzeichnung ist kein eigenes Tierwohlprogramm und auch kein zusätzliches Kontrollsystem. Sie ordnet bereits bestehende Programme und Standards anhand festgelegter Mindestanforderungen in fünf Stufen ein. Dadurch sollen sich unterschiedliche Kennzeichnungen im Kühlregal leichter vergleichen lassen.¹

Je höher die Stufe, desto weiter reichen die Mindestanforderungen unter anderem an Bewegungsmöglichkeiten, Platz, Außenklimakontakt, Auslauf oder Weide. Welche konkreten Vorgaben gelten, unterscheidet sich nach Tierart und Stufe.²

Die Zahl allein erzählt jedoch noch nicht die ganze Geschichte. Wer genauer wissen möchte, welche Anforderungen hinter einem Produkt stehen, sollte zusätzlich auf das zugrunde liegende Programm und dessen Kriterien achten.

Labels verstehen

So vergleichst du sinnvoll

  • Welches Programm steht auf dem Produkt?
    Schau auf den Namen des Labels, nicht nur auf einen einzelnen Begriff wie „Weide“ oder „Tierwohl“.
  • Welche Stufe ist ausgewiesen?
    Bei mehrstufigen Programmen macht die genaue Stufe den Unterschied.
  • Welche Kriterien gelten aktuell?
    Programme entwickeln ihre Anforderungen weiter. Die verbindlichen Details stehen auf den Websites der jeweiligen Anbieter.
  • Wie wird kontrolliert?
    Achte darauf, ob Anforderungen und Kontrollverfahren veröffentlicht sind.

 

Worauf kann ich beim Einkauf achten?

Zuerst hilft die Frage, welcher Aspekt dir besonders wichtig ist:

  • Mehr Platz und Bewegungsmöglichkeiten: auf Haltungsform-Stufe und Programmkriterien achten.
  • Kontakt zum Außenklima: nach Stufe 3 oder einem vergleichbaren Programm suchen.
  • Auslauf und Weide: Stufe 4 beziehungsweise die konkreten Weidekriterien prüfen.
  • Ökologische Erzeugung: auf EU-Bio-Logo oder ein anerkanntes Verbandslabel achten.
  • Bestimmte Fütterung: Kennzeichnungen wie Heumilch oder „ohne Gentechnik“ gesondert betrachten.
  • Regionale Herkunft: eine ausdrückliche Herkunftsangabe oder ein nachvollziehbares Regionalprogramm suchen.

So wird aus einem Logo eine informierte Entscheidung: nicht nur auf den Namen schauen, sondern auf Programm, Stufe, Kriterien und Kontrolle.

Was bedeuten die 5 Stufen für Milchkühe?

Stufe 1: Stall

Diese Stufe bildet die Basis der Haltungsform-Kennzeichnung. Für Milchkühe sind Stallhaltung sowie – abhängig vom anerkannten Programm – unterschiedliche Stall- und Kombinationssysteme möglich.²

Stufe 2: Stall + Platz

In dieser Stufe gelten zusätzliche Anforderungen an Platz und Bewegungsmöglichkeiten. Je nach anerkanntem Programm werden Milchkühe im Laufstall gehalten oder erhalten in einer Kombinationshaltung festgelegte Zeiten für Weidegang, Laufhof oder einen anderen Bewegungsbereich.²

Stufe 3: Frischluftstall

Die Kühe werden in einem Laufstall mit Kontakt zum Außenklima gehalten. Das kann beispielsweise ein Offenfrontstall, ein ganzjährig nutzbarer Laufhof oder ein Programm mit festgelegtem Weidegang sein. Anbindehaltung ist in dieser Stufe nicht vorgesehen.²

Stufe 4: Auslauf/Weide

Für Milchkühe gehören ein Laufstall, Zugang zu einem Laufhof und Weidegang zu den Mindestanforderungen. Die veröffentlichten Kriterien der Haltungsform sehen unter anderem mindestens 120 Weidetage mit jeweils sechs Stunden vor. Anbindehaltung ist ausgeschlossen.²

Stufe 5: Bio

In dieser Stufe werden Programme eingeordnet, die die Anforderungen der EU-Öko-Verordnung oder anerkannter ökologischer Anbauverbände erfüllen. Diese Vorgaben betreffen nicht nur die Haltung, sondern beispielsweise auch Fütterung, Flächenbindung und ökologische Landbewirtschaftung.²¹⁰

Bio-Programme wie das EU-Bio-Programm, Bioland oder Demeter arbeiten jeweils mit veröffentlichten Kriterien. Die Vorgaben der Anbauverbände können in einzelnen Bereichen über die EU-Mindestanforderungen hinausgehen.¹⁰

Wer kontrolliert die Angaben?

Die Haltungsform führt die Kontrollen der landwirtschaftlichen Betriebe nicht selbst durch. Dafür sind die jeweiligen Programme und Standardgeber verantwortlich. Sie legen ihre Kriterien, Nachweise und Kontrollabläufe fest und beauftragen entsprechende Zertifizierungsstellen.¹

Die Trägergesellschaft der Haltungsform prüft unter anderem, welche Programme einer Stufe zugeordnet werden können. Außerdem wird kontrolliert, ob die Kennzeichnung im teilnehmenden Handel korrekt verwendet und die erforderliche Warentrennung eingehalten wird.¹

Was verrät das ovale D-Identitätskennzeichen?

Auf vielen Milchprodukten befindet sich ein ovales Zeichen mit einer Kombination aus Buchstaben und Zahlen. Beginnt es mit „DE“, wurde das Produkt zuletzt in einem entsprechend zugelassenen Betrieb in Deutschland bearbeitet oder verpackt.⁹

Das Zeichen dient vor allem der Lebensmittelüberwachung und Rückverfolgbarkeit. Es zeigt nicht, wo die Kühe gehalten wurden oder woher die Rohmilch stammt. Auch eine regionale Herkunft der Milch lässt sich daraus nicht ableiten.⁹

Für Aussagen zur Herkunft sind deshalb ausdrücklich angegebene Herkunftskennzeichnungen oder nachvollziehbare Regionalprogramme entscheidend.

Und was bedeutet es, wenn kein Label auf der Packung steht?

Für alle in Deutschland angebotenen Milchprodukte gelten unabhängig von freiwilligen Labeln die gesetzlichen Anforderungen an Lebensmittelsicherheit und Kennzeichnung.

Auch Milch ohne freiwilliges Tierwohl- oder Weidelabel kann aus einem sorgfältig geführten Betrieb stammen. Ein fehlendes Logo zeigt zunächst nur, dass auf der Verpackung kein bestimmtes freiwilliges Programm ausgewiesen wird.

Umgekehrt beschreibt ein Label die nachprüfbaren Anforderungen eines Programms. Es ist jedoch keine vollständige Bewertung jeder einzelnen Kuh zu jedem Zeitpunkt. Haltung, Tiergesundheit und Betreuung müssen deshalb immer im Zusammenspiel betrachtet werden.

Fakten

3 ZUSATZMODULE

Die drei QMilch-Module sind den Haltungsform-Stufen 2, 3 und 4 zugeordnet. Mit jedem Modul gelten zusätzliche Anforderungen an die Milchviehhaltung.³

120 TAGE WEIDEGANG BEI PRO WEIDELAND

Laktierende Kühe müssen im PRO-WEIDELAND-Programm an mindestens 120 Tagen pro Jahr jeweils mindestens sechs Stunden weiden.⁴

4 AUSZEICHNUNGEN IM DLG-PROGRAMM MILCHVIEHHALTUNG

Basis, Bronze, Silber und Gold stehen im DLG-Programm für unterschiedliche Anforderungen. Deshalb zählt beim Vergleich immer die konkrete Auszeichnungsstufe.⁵

Wichtige Programme im Überblick

Die folgenden Programme setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Ihre Kriterien können überarbeitet werden. Maßgeblich ist deshalb immer die aktuell veröffentlichte Fassung des jeweiligen Programms.

QMilch

Das QMilch-Programm ergänzt den QM-Standard um die Module QM+, QM++ und QM+++. Die Anforderungen werden nach Angaben von QM-Milch durch unabhängige Zertifizierungsstellen auf den Betrieben kontrolliert und durch unangekündigte Besuche überprüft.³

  • QM+ ist der Haltungsform-Stufe 2 „Stall + Platz“ zugeordnet.
  • QM++ ist der Haltungsform-Stufe 3 „Frischluftstall“ zugeordnet.
  • QM+++ ist der Haltungsform-Stufe 4 „Auslauf/Weide“ zugeordnet.

Mit den Modulen steigen unter anderem die Anforderungen an Platz, Bewegungsmöglichkeiten und Außenklimakontakt. Je nach Modul kommen weitere Vorgaben beispielsweise zu Liegeflächen, Beschäftigung, Tiergesundheitsmonitoring, Fütterung, Laufhof oder Weide hinzu.³

PRO WEIDELAND

PRO WEIDELAND ist ein Programm mit einem besonderen Schwerpunkt auf Weidehaltung. Für laktierende Kühe gelten unter anderem:

  • mindestens 120 Weidetage im Jahr,
  • mindestens sechs Stunden Weidegang je Weidetag,
  • mindestens 2.000 Quadratmeter Grünland pro Milchkuh, davon mindestens 1.000 Quadratmeter als nutzbare Weidefläche,
  • keine Anbindehaltung,
  • gentechnikfreie Fütterung.⁴

Diese Vorgaben gehen damit über die bloße Bezeichnung „Weidemilch“ hinaus.⁴

DLG-Tierwohl-Label

Das DLG-Programm Milchviehhaltung umfasst vier Auszeichnungen:

  • Basis
  • Bronze
  • Silber
  • Gold

Die Stufen enthalten unterschiedliche Anforderungen. Das Programm kann zur Absicherung der Haltungsform-Stufen 2, 3 und 4 eingesetzt werden. Deshalb ist beim Einkauf nicht allein das DLG-Logo entscheidend, sondern die konkrete Auszeichnung und die zusätzlich angegebene Haltungsform-Stufe.⁵

„Für Mehr Tierschutz“

Das Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbundes unterscheidet zwischen einer Einstiegs- und einer Premiumstufe. Die Stufen werden durch einen beziehungsweise zwei Sterne sichtbar gemacht.⁶

In der Premiumstufe für Milchkühe sieht die Richtlinie 2026 unter anderem Weidezugang während der Vegetationsperiode und einen ganzjährig nutzbaren Laufhof vor. Darüber hinaus enthält das Programm Anforderungen beispielsweise an Platz, Liegebereiche, Tiergesundheit und Kontrollen.⁶

Auch hier gilt: Entscheidend ist, ob die Einstiegs- oder die Premiumstufe ausgewiesen wird.

Bio-Programme

Das EU-Bio-Logo zeigt, dass ein Produkt nach den Vorgaben der EU-Öko-Verordnung erzeugt wurde. Diese regelt unter anderem ökologische Fütterung, Stall- und Auslaufflächen sowie den Zugang zu Weide oder Auslauf.¹⁰

Verbandslabel wie Bioland und Demeter arbeiten mit eigenen Richtlinien, die in einzelnen Bereichen zusätzliche Anforderungen enthalten können. Bio-Programme werden innerhalb der Haltungsform-Kennzeichnung der Stufe 5 zugeordnet.²¹⁰

Quellen

  1. [01] Haltungsform: Häufige Fragen für Verbraucherinnen und Verbraucher (o. J.) — Mehr dazu
  2. [2] Haltungsform: Kriterien und Mindestanforderungen, 2023 — Link
  3. [3] QM-Milch: Das QMilch-Programm und seine Zusatzmodule, 2026 — Link
  4. [4] PRO WEIDELAND: Kriterien, (o. J.) — Link
  5. [5] DLG: DLG-Tierwohl-Label und Programm Milchviehhaltung (o. J.) — Link
  6. [6] Deutscher Tierschutzbund: Richtlinie Milchkühe, 2026 — Link
  7. [7] Bundesinformationszentrum Landwirtschaft: Was ist drin, wenn Weidemilch draufsteht?, 2026 — Link
  8. [8] EUR-Lex: Heumilch als garantiert traditionelle Spezialität, 2016 — Link
  9. [9] Lebensmittelklarheit: Was das Identitätskennzeichen bedeutet, 2023 — Link
  10. [10] Ökolandbau.de: Regelungen für die ökologische Rinderhaltung, 2026 — Link
Nach der Antwort

Das könnte dich auch interessieren