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Wie werden Kuh und Kalb nach der Geburt versorgt?
Die kurze Antwort
In den ersten Stunden und Tagen sind eine ruhige Geburt, die frühe Versorgung des Kalbes mit Biestmilch, Hygiene und aufmerksame Beobachtung besonders wichtig. Wie der weitere Kontakt zwischen Kuh und Kalb gestaltet wird, unterscheidet sich je nach Betrieb und Aufzuchtsystem.³ ⁵
Die ersten Stunden & Tage
Nach der Geburt brauchen Kuh und Kalb Ruhe, Beobachtung und eine auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Versorgung. Für das Kalb ist insbesondere die frühe Aufnahme von ausreichend Biestmilch wichtig. Wie lange Kuh und Kalb anschließend Kontakt haben und wie die weitere Aufzucht gestaltet wird, unterscheidet sich je nach Betrieb und Aufzuchtsystem.³ ⁵
Unterschiedliche Wege der Aufzucht
In vielen Milchviehbetrieben werden Kuh und Kalb innerhalb der ersten Stunden nach der Geburt getrennt. Das Kalb wird anschließend in einem eigenen Kälberbereich versorgt. Dort kann das Hofteam beispielsweise kontrollieren, wie viel Biestmilch es erhält, und seine Entwicklung gezielt beobachten.⁴ ⁵
Kuh und Kalb nehmen schon kurz nach der Geburt Kontakt zueinander auf; ihre Bindung entwickelt sich von da an weiter. Eine frühe Trennung beendet diesen unmittelbaren Kontakt.³
Neben der frühen Trennung gibt es Aufzuchtsysteme, in denen Kuh und Kalb über einen längeren Zeitraum Kontakt haben. Dazu gehören mutter- und ammengebundene Formen der Kälberaufzucht. Wie der Kontakt gestaltet wird, kann sehr unterschiedlich sein.³ ⁵
Die Geburt aufmerksam begleiten
Viele Betriebe nutzen für die Geburt einen eigenen Abkalbebereich. Wichtig sind ruhige, saubere Bedingungen und ausreichend Platz für die Kuh. Wie der Geburtsort gestaltet ist, unterscheidet sich zwischen den Betrieben.³ ⁵
Das Hofteam beobachtet den Verlauf und greift ein, wenn Kuh oder Kalb Unterstützung benötigen. Nach der Geburt werden beide Tiere weiter beobachtet. Beim Kalb gehört dazu der Blick darauf, ob es aufsteht und Biestmilch aufnimmt.⁵
Biestmilch: die erste Versorgung des Kalbes
Biestmilch wird auch Kolostrum genannt. Sie ist die erste Milch, die die Kuh rund um die Geburt bildet, und enthält unter anderem Antikörper. Da Kälber über die Plazenta kaum mütterliche Antikörper erhalten, ist die frühe Aufnahme von ausreichend Biestmilch besonders wichtig.⁵
Nach der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung muss einem Kalb spätestens vier Stunden nach der Geburt Biestmilch angeboten werden. Das Hofteam achtet darauf, ob und wie viel das Kalb aufnimmt. Bei Bedarf kann Biestmilch über eine Flasche oder einen Tränkeeimer verabreicht werden.¹ ⁴ ⁵
Anschließend erhält das Kalb je nach Aufzuchtsystem beispielsweise Vollmilch, Milch von einer Ammenkuh oder Milchaustauscher.³⁴ Spätestens ab dem achten Lebenstag muss zusätzlich Raufutter oder anderes rohfaserreiches, strukturiertes Futter zur freien Aufnahme angeboten werden.¹
Vom Kälberbereich in die Gruppe
Junge Kälber können zunächst einzeln oder gemeinsam mit anderen Kälbern untergebracht werden. Die Aufzucht in Einzelbereichen kann die individuelle Beobachtung und Versorgung erleichtern. Auch bei Einzelhaltung müssen die Kälber Sicht- und Berührungskontakt zu anderen Kälbern haben können. Frühe soziale Kontakte sind für ihre Entwicklung wichtig.¹ ⁵
Wann Kälber in eine Gruppe wechseln, unterscheidet sich je nach Betrieb und Aufzuchtsystem. Kälber im Alter von über acht Wochen müssen grundsätzlich in Gruppen gehalten werden. Ausnahmen gelten unter anderem, wenn auf einem Betrieb nicht mehr als drei nach Alter oder Gewicht für eine Gruppe geeignete Kälber vorhanden sind, wenn die Einzelhaltung tierärztlich bescheinigt erforderlich ist oder wenn eine Quarantäne nötig wird.²
Auch in der Gruppenhaltung bleiben ausreichend Platz, geeignete Liegebereiche, Hygiene, Futter, Wasser und die Beobachtung jedes einzelnen Tieres wichtig.¹ ² ⁵
Auch männliche Kälber gehören dazu
Nicht jedes Kalb bleibt dauerhaft auf dem Milchviehbetrieb. Ein Teil der weiblichen Tiere wird für die eigene Nachzucht aufgezogen. Weitere weibliche sowie viele männliche Kälber werden nach einigen Wochen an spezialisierte Aufzucht- oder Mastbetriebe abgegeben.⁴
Welche Wege ein Kalb nimmt, hängt unter anderem von seiner Rasse, seiner Gesundheit und den Möglichkeiten des Betriebs ab. Besonders bei männlichen Kälbern milchbetonter Rassen sind wirtschaftlich tragfähige Wege für Aufzucht und Vermarktung eine Herausforderung.⁴
Besondere Zahlen
Quellen
- [1] Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung, § 11: Überwachung, Fütterung und Pflege von Kälbern — Link
- [2] Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung, § 9: Haltung von Kälbern über acht Wochen — Link
- [3] Thünen-Institut: Kuhgebundene Kälberaufzucht in der Milchviehhaltung – Leitfaden für die Praxis, 2022 — Link
- [4] Bundesinformationszentrum Landwirtschaft: Was passiert mit den Kälbern von Milchkühen?, 2025 — Link
- [5] Forschungsinstitut für Nutztierbiologie: Tiergerechte Aufzucht von Kälbern, Positionspapier, 2026 — Link
- [6] European Union, Verordnung (EG) Nr. 853/2004, Anhang I: Definition von Kolostrum, 2026 — Link