Start / Worauf kommt es bei der Haltung von Milchkühen an?
Worauf kommt es bei der Haltung von Milchkühen an?
Die kurze Antwort
Ob im Stall, auf der Weide oder mit Zugang zum Auslauf: Für Kühe zählt, wie ihr Alltag gestaltet ist. Dazu gehören Platz zum Bewegen, geeignete Liegeflächen, Zugang zu Futter und Wasser, passende klimatische Bedingungen und Kontakt zur Herde. Stallhaltung, Weidegang und Auslauf können sich dabei ergänzen. Entscheidend ist, wie die Bedingungen vor Ort umgesetzt und regelmäßig überprüft werden.² ⁷
Eine Frage der passenden Kombination
Stall, Weidegang und Auslauf schließen sich nicht aus. Die Bedingungen auf einem Milchviehbetrieb unterscheiden sich je nach Region, verfügbaren Flächen, Herdengröße, Stallkonzept und Arbeitsabläufen. Deshalb sieht Milchkuhhaltung nicht auf jedem Hof gleich aus.² ³
Gemeinsam ist allen Haltungsformen: Kühe brauchen gut erreichbares Futter und Wasser, geeignete Liegeflächen, sichere Bewegungsbereiche, ein passendes Stallklima und eine aufmerksame Betreuung. Wie diese Bereiche gestaltet und im Alltag überprüft werden, ist wichtiger als ein einzelnes Wort auf der Verpackung.² ⁷
Fakten & Belege
Der Boxenlaufstall
In vielen Milchviehbetrieben leben Kühe im Boxenlaufstall. Dort sind die Bereiche für Fressen, Liegen und Bewegung voneinander getrennt. Die Tiere können sich zwischen Fressplatz, Tränke, Liegeboxen und Melkbereich bewegen.²
Liegeboxen und Laufgänge müssen zu den Tieren und zur Herde passen. Auch die Reinigung der Flächen, die Luft im Stall, Licht, Tränken und ausreichend Raum gehören zur täglichen Organisation. In manchen Betrieben ergänzen automatische Melksysteme die Arbeit. Sie liefern Daten, die die Beobachtung der Herde unterstützen können – sie ersetzen die Betreuung durch Menschen jedoch nicht.² ⁴
Weidegang & Laufhof
Weidegang und Laufhöfe können den Stall um zusätzliche Außen- und Bewegungsbereiche ergänzen. Ob und wie oft Kühe auf die Weide gehen, hängt unter anderem von hofnahen Flächen, der Lage des Betriebs, der Herdengröße, den Wegen zur Weide und der jeweiligen Jahreszeit ab.²
Viele Betriebe kombinieren deshalb Stallhaltung mit Weidegang oder einem Laufhof. Eine Weide ist dabei nicht automatisch ein eigenes, einheitliches Haltungssystem: Entscheidend ist immer, wie sie in den Alltag des einzelnen Betriebs eingebunden ist.²
Weitere Stallkonzepte
Neben dem Boxenlaufstall gibt es weitere, seltener vorkommende Haltungsformen. Dazu zählen Tiefstreu-, Tretmist- und Kompostierungsställe. Sie unterscheiden sich vor allem in der Gestaltung und Pflege der Liegeflächen sowie in den Arbeitsabläufen auf dem Hof.²
Auch bestehende Stallgebäude können auf unterschiedliche Weise weiterentwickelt werden. Welche Lösung sinnvoll ist, hängt von den baulichen Möglichkeiten, dem Betriebskonzept und den Bedürfnissen der Herde ab.²
Anbindehaltung & Weiterentwicklung
Auch Anbindehaltung kommt noch vor, vor allem in älteren und kleineren Betriebsstrukturen. Sie begrenzt die freie Bewegung der Tiere. Die Weiterentwicklung von Haltungsformen ist deshalb eine gemeinsame Aufgabe von Höfen, Beratung, Wissenschaft, Molkereien, Handel und Politik.²
Die Umstellung auf andere Haltungsformen oder der Umbau eines Stalls sind anspruchsvolle Entscheidungen. Sie brauchen Planung, Investitionen, Beratung und eine langfristige wirtschaftliche Perspektive. Manche Betriebe bauen um, andere entwickeln ihr Betriebskonzept auf andere Weise weiter.¹²
Ein konkretes Beispiel ist Niedersachsen: Das Land hat 2026 mit einem Runderlass den Ausstieg aus der Anbindehaltung von Rindern eingeleitet. Die Übergangsfristen unterscheiden sich nach Haltungsform und beginnen mit der Bekanntgabe der jeweiligen kommunalen Allgemeinverfügung.¹
Gut zu wissen
Was bedeutet der ovale D-Stempel?
Das ovale Identitätskennzeichen nennt das Land, das Bundesland und die Kennnummer des Betriebs, in dem das Produkt zuletzt verarbeitet oder abgefüllt wurde – bei Milch ist das in der Regel eine Molkerei. Es dient der Rückverfolgbarkeit. Woher die Rohmilch stammt oder wie die Kühe gehalten wurden, lässt sich daraus nicht ablesen.⁸
Und „Massentierhaltung“?
Der Begriff „Massentierhaltung“ taucht in Diskussionen häufig auf, beschreibt aber keine rechtlich definierte Haltungsform. Die Zahl der Kühe auf einem Hof allein sagt nicht aus, wie es den Tieren geht. Dafür müssen mehrere Merkmale zusammen betrachtet werden – etwa Haltung, Gesundheit und die tägliche Betreuung.⁷
Eine Untersuchung von Milchviehbetrieben zeigt: Die Herdengröße hatte für sich genommen nur einen geringen Zusammenhang mit dem untersuchten Tierwohlindex. Weiterbildung, Beratung, Zeit für die Tiere und die Organisation des Betriebs spielten ebenfalls eine Rolle.⁷
Quellen
- [1] Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Ausstieg aus der Anbindehaltung & Fördermöglichkeiten, 2026 — Link · abgerufen 09/2026
- [2] Bundeszentrum für Landwirtschaft, Wie werden Milchkühe gehalten?, 2026 — Link · abgerufen 09/2026
- [3] Tergast H, Hansen H, Gidalova D, Steckbriefe zur Tierhaltung in Deutschland: Milchkühe, 2025 — Link · abgerufen 09/2026
- [4] DLG, Digitale Anwendungen für das Herdenmanagement in der Milchviehhaltung, 2021 — Link · abgerufen 09/2026
- [5] Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 204, 2024 · abgerufen 09/2026
- [6] Rohleder B, Krüsken B, Reinhardt H, Digitalisierung in der Landwirtschaft, 2020 — Link · abgerufen 09/2026
- [7] Lindena T, Hess S, Ist das Tierwohl auf kleinen Milchviehbetrieben besser?, 2022 — Link · abgerufen 09/2026
- [8] Bundeszentrum für Ernährung (BZfE), „Milch: Vom Einkauf in die Küche“, 2026 — Link · abgerufen 09/2026