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Biomilch, Weidemilch oder konventionelle Milch: Was sind die Unterschiede?

Die kurze Antwort

Bio, Weidemilch und konventionell beantworten unterschiedliche Fragen. Bio bezeichnet eine rechtlich geregelte Erzeugungsweise. Weidemilch beschreibt einen Aspekt der Haltung, dessen konkrete Kriterien vom jeweiligen Anbieter oder Programm abhängen. Konventionell bedeutet vor allem, dass die Milch nicht als Bio erzeugt und vermarktet wird. Es ist keine Qualitätsnote und keine einzelne Haltungsform.

3 Begriffe auf unterschiedlichen Ebenen

Die drei Bezeichnungen lassen sich nicht wie drei Stufen einer gemeinsamen Skala vergleichen. Eine Biomilch kann zugleich Weidemilch sein. Auch konventionell erzeugte Milch kann von Kühen mit Weidegang stammen. 

Für eine gute Orientierung hilft deshalb die Frage: Beschreibt die Angabe die gesamte Erzeugungsweise, einen bestimmten Teil der Haltung oder lediglich die Abgrenzung zu Bio? 

Was bedeutet Bio?

Bio und Öko sind rechtlich geschützte Bezeichnungen. Produkte mit einer entsprechenden Kennzeichnung müssen die Vorgaben der EU-Öko-Verordnung erfüllen. Diese betreffen bei Milch unter anderem die ökologische Bewirtschaftung, die Fütterung, die Tierhaltung und die Kontrolle der beteiligten Betriebe. ¹ 

Vorverpackte Bio-Lebensmittel tragen in der Regel das EU-Bio-Logo, die Codenummer der zuständigen Kontrollstelle und eine Angabe zur Herkunft der landwirtschaftlichen Rohstoffe. Verbände wie Bioland oder Demeter arbeiten zusätzlich mit eigenen Richtlinien, die in einzelnen Bereichen über die EU-Mindestanforderungen hinausgehen können. 

Bio sagt damit mehr aus als nur etwas über den Stall oder den Weidegang. Die Kennzeichnung umfasst ein gesamtes Erzeugungs und Kontrollsystem. 

Was ist Weidemilch?

Weidemilch beschreibt, dass die Kühe an einer festgelegten Zahl von Tagen Zugang zur Weide hatten. Der Begriff ist in Deutschland lebensmittelrechtlich nicht einheitlich geschützt. Verschiedene Anbieter und Programme können deshalb weitere Kriterien unterschiedlich ausgestalten. ² 

Als verbreitete Orientierung gelten mindestens 120 Weidetage im Jahr mit jeweils mindestens sechs Stunden Weidegang. Diese Angabe beantwortet jedoch noch nicht, wie die Kühe außerhalb der Weidesaison gehalten werden, wie groß die verfügbaren Flächen sind, welche Fütterungsvorgaben gelten oder wer die Angaben kontrolliert. 

Was ist konventionelle Milch?

Konventionell erzeugte Milch ist Milch, die nicht als Bio-Milch zertifiziert und vermarktet wird. Der Begriff bezeichnet keine einheitliche Haltungsform und enthält keine automatische Aussage darüber, ob die Kühe im Laufstall, mit Laufhof oder zeitweise auf der Weide gehalten werden. 

Auch regionale Programme, Weidemilchprogramme oder zusätzliche Tierwohlstandards können auf konventionell wirtschaftenden Betrieben umgesetzt werden. Konventionell ist deshalb keine Qualitätswertung, sondern eine Abgrenzung zur ökologisch zertifizierten Erzeugung. 

Kennzeichnung der Haltungsform

Die Haltungsform-Kennzeichnung ordnet teilnehmende Programme und Standards nach veröffentlichten Mindestanforderungen ein. Sie beantwortet damit eine andere Frage als die Bezeichnungen Bio, Weidemilch oder konventionell. 

Wer wissen möchte, was die einzelnen Stufen bedeuten, welche Programme dahinterstehen, wie sie kontrolliert werden und auf was ihr beim Einkauf Achten könnt, findet ihr hier: 

Worauf kommt es bei der Haltung von Milchkühen an?

Fakten

EU-WEITE REGELUNG

Bio und Öko sind geschützt. Bio-Lebensmittel müssen nach den Vorgaben der EU-Öko-Verordnung erzeugt und kontrolliert werden. Bei vorverpackten Bio-Lebensmitteln sind unter anderem EU-Bio-Logo und Kontrollstellencode relevant. ¹

120 x 6 Stunden

Verbreitete Orientierung für Weidemilch. Viele Anbieter orientieren sich an mindestens 120 Weidetagen pro Jahr mit jeweils mindestens sechs Stunden Weidegang. Weitere Vorgaben können sich je nach Programm unterscheiden. ²

KEIN QUALITÄTSMERKMAL

Konventionell bedeutet nicht biozertifiziert. Der Begriff konventionell bezeichnet keine einzelne Haltungsform. Auch konventionell erzeugte Milch kann aus Betrieben mit Weidegang oder zusätzlichen Programmen stammen.

Quellen

  1. [01] Ökolandbau: Kennzeichnung von Bio-Lebensmitteln; Grundlage ist die Verordnung (EU) 2018/848, 2018 — Link
  2. [02] Bundeszentrum für Landwirtschaft: Was ist drin, wenn Weidemilch draufsteht, 2026 — Link
  3. [03] Haltungsform: Kriterien und Mindestanforderungen, 2023 — Link