Podcast #16
Vom Gras ins Glas: Wie sich der natürliche Nährstoffkreislauf schließt, erzählen vier Expert:innen der modernen Landwirtschaft in unserer Weide-Edition.
Hört ihr auch manchmal das Gras wachsen? Was sprichwörtlich für Feinfühligkeit steht, wird auf dem Staatsgut Grub gelebt. Darum haben wir uns diesen Vorreiter-Milchhof in Bayern für die Podcast-Aufnahme anlässlich des Tags der Milch am 1. Juni ausgesucht. Denn das Staatsgut ist nicht nur ein Vorbild-Bauernhof: Hier wird an der Zukunft der Milch geforscht. Wir spulen aus diesem Grund mal ganz auf Anfang und machen eine Reise zum Ursprung der Milch – zum Gras. Seht selbst:
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„Gras ist die Grundlage. Das ist der Beginn und das ist das Ende”, sagt Anton Dippold, Geschäftsführer vom Staatsgut Grub. Er nimmt uns live mit zum Grasschnitt auf das Gelände des Staatsguts Grub in Bayern. Das Gras, das hierbei regelmäßig gewonnen wird, dient der Kuh als wertvolles Futter – und erreicht Verbraucher:innen letztlich in Form von hochwertiger Milch. Im Podcast vertieft „Toni” gemeinsam mit Agrarökonomin Dr. Doris Läpple, Landwirt Marius Götz und Nachhaltigkeits-Experte Anton Reindl die neuesten Erkenntnisse aus der modernen Landwirtschaft. Im Fokus stehen natürliche Kreisläufe und Klimaneutralität. Dazu zählen Aspekte, die uns allen am Herzen liegen: artgerechte Tierhaltung, nachhaltige Produktion und No Food Waste. Also, auf ins Grüne!
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Podcast: Milch der Zukunft – jetzt anhören!
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[00:00] Thema: Einführung in den Podcast
Doris Leppler: Ich finde es als Agronomin wichtig, dass wir da produzieren, wo es am meisten Sinn macht, ökonomisch und ökologisch.
Marius Götz: Nachhaltig ist für mich in dem Sinne, dass wir so regionale Futtermittel wie möglich bei uns einsetzen, dass wir unseren geschlossenen Kreislauf von regionalen eigenen Futtermitteln bis hin zur Milchproduktion und auch zur Energieproduktion, sprich Strom und Wärme, am Schluss haben.
Anton Reidel: Wir haben heute viel über den Grasschnitt und auch die Grünlandnutzung gesprochen und da sehe ich letzten Endes die Schlüsselrolle der Kuh, in der Zukunft das zu verwerten.
Tony: Gras ist die Grundlage und die Wiesen sind sehr wertvoll für uns, für die Nährstofferzeugung, für die Biodiversität, für den Erosionsschutz. Also das ist der Beginn und das ist das Ende.
[Podcast-Musik]
Tarik: Willkommen bei Let's Talk Milch, dem Podcast der Initiative Milch. Wisst ihr, was Sterneköche, Celebrities, Jungbäuerinnen, Food-Startups und Latte-Art-Künstlerinnen vereint? Ich bin Tarik und verrate es euch hier bei Let's Talk Milch. Mein Name ist Tarik und ich freue mich sehr, wie gewohnt durch den Podcast zu führen. Bei uns dreht sich heute alles um das große Ganze, nämlich um Kreisläufe und Klimaneutralität in der Milchwirtschaft. Und genau deshalb haben wir mal auf Anfang gespult. Wir befinden uns quasi am Ursprung der Milch, nämlich auf der Weide aka der Wiese. Und wer in der Schule aufgepasst hat, weiß, dass Gras als natürliches, regionales und nachhaltiges Futtermittel für Milchkühe genutzt wird. Und wir sind heute nicht auf irgendeiner Weide, sondern wir sind auf einer Weide des Staatsgutes Grub in Bayern, einem Versuchs- und Bildungszentrum für Rinderhaltung. Meine Gästinnen und ich hatten schon die große Ehre, einen Rundgang erleben zu dürfen und ich kann euch sagen, grüne Weide vermischt sich hier perfekt mit Smart-Technologie und Forschung. An dieser Stelle schon mal vielen Dank an unseren Gastgeber und zwar Anton Dippold. Er ist Geschäftsführer des Staatsgutes Grub und hat uns netterweise eingeladen und wir sind hier mit noch ein paar mehr Gästinnen. Und wenn ihr wissen wollt, wie hier an der Milch der Zukunft geforscht wird und welche Rolle dabei Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit spielen, dann seid ihr bei uns sowas von richtig. So, genug von mir. Jetzt erst mal hallo an Marius Götz, Anton Reidel, Anton Dippold und Dr. Doris Leppler.
[02:45] Thema: Vorstellung der Gäste und Definition von Nachhaltigkeit
Tarik: Hallo zusammen. Schön, dass ihr da seid. Ihr hört schon, wir haben zwei Antons. Deswegen haben wir uns überlegt, dass Anton Dippold, unser heutiger Gastgeber, zu Tony wird. Bevor wir loslegen, ich stelle euch noch mal ganz kurz vor. Anton Dippold, aka Tony. Ich habe es ja gerade schon gesagt, du bist hier der Geschäftsführer und vor dieser Tätigkeit hast du das Referat – und Leute, jetzt muss ich ablesen – das Referat hieß „Grundsatzfragen bayerischer Agrarpolitik, Agrarstatistik, internationale Zusammenarbeit und Wirtschaftsbeobachtung im bayerischen Landwirtschaftsministerium“. Das Ganze hast du geleitet? Ganz kurz von dir: Wir sind hier auf einem sehr besonderen Hof. Was macht denn diesen Hof so besonders?
Tony: Also, das sind drei Dinge. Einmal, dass hier seit mehr als 100 Jahren Rinderzucht und Rinderforschung betrieben wird. Zweitens, wir sind kein normaler landwirtschaftlicher Betrieb, der Tiere hält, Acker- und Feldbau betreibt, um hier Geld zu verdienen, sondern unser erster Fokus ist die Erarbeitung von zukunftsfähigen Lösungen in der Rinderhaltung, in der Milchviehhaltung, sprich Forschung zusammen mit unseren Partnerorganisationen. Und der Teil zwei, das ist Wissenstransfer und Bildung.
Tarik: Sehr schön, vielen Dank dafür. Marius Götz, du bist auch Teil des Teams hier beim Staatsgut Grub. Du bist Bereichsleiter Tier. Das heißt, alle Themen, die das Tierwohl im Blick haben, von der Fütterung bis zur Haltung über Gesundheit, das sind Themen, mit denen du dich hier tagtäglich beschäftigst und wo du auch das Hütchen auf hast. Ihr versucht ja auch gesellschaftliche Forderungen in die Praxis zu übersetzen und nachhaltige Lösungen zu finden. Der Begriff Nachhaltigkeit ist ein riesengroßer Begriff. Wir sprechen hier bei Let's Talk Milch oft darüber. Lass uns aber noch mal kurz von dir erklären lassen, wenn es um Milchproduktion geht: Ab wann sprechen wir da von Nachhaltigkeit?
Marius Götz: Nachhaltig ist für mich in dem Sinne, dass wir so regionale Futtermittel wie möglich bei uns einsetzen, dass wir unsere eigenen Futtermittel einsetzen, dass wir die effizient dann zu Milch umsetzen lassen durch die Kuh und dass wir so dann auch noch die Reststoffe der Kuh, sprich Kot und Harn, am Schluss auch noch zur Energiegewinnung nutzen können in unserer Biogasanlage. Ein geschlossener Kreislauf von regionalen, eigenen Futtermitteln bis hin zur Milchproduktion und auch zur Energieproduktion, sprich Strom und Wärme am Schluss haben und noch einen guten Wirtschaftsdünger gewinnen, den wir wieder auf unsere Felder ausbringen können. Das ist für mich eine nachhaltige Landwirtschaft.
[05:30] Thema: CO2-Rechner und internationale Unterschiede
Tarik: Und genau diesen Kreislauf, den durften wir uns ja vorhin anschauen, darüber sprechen wir gleich auch noch. Vorher möchte ich noch Anton Reidel vorstellen. Du teilst dir gemeinsam mit Dr. Monika Zeiner die Arbeitsgruppenleitung Klimawirkung und Nachhaltigkeit am Institut für Agrarökonomie bei der Landesanstalt für Landwirtschaft. Dort setzt ihr euch dafür ein, dass Landwirt:innen in Bayern ihre Arbeit effizienter und nachhaltiger gestalten können. Und ihr habt einen CO2-Rechner für die Milchkuhhaltung entwickelt. Wie genau kann ich mir dieses Tool vorstellen?
Anton Reidel: Wir haben da ein Tool entwickelt, wo der Landwirt seine Daten aus seiner Milchkuhhaltung von der Fütterung über die Wirtschaftsdüngerlagerung bis hin zu seiner Milchmenge eingibt und am Schluss ein wissenschaftlich sauberes Ergebnis bekommt, welche Emissionen er hat pro Liter Milch, aber auch pro Kuh.
Tarik: Doris Leppler, du forschst an der Universität Galway in Irland zum Thema Nachhaltigkeit in der Milchproduktion und du bist gerade als Gastwissenschaftlerin an der TU München im Einsatz. Wenn du die Milchproduktion in Deutschland mit der in Irland vergleichst: Was sind da so die Unterschiede?
Doris Leppler: Also, da gibt's schon relativ viele Unterschiede und zwar einmal ist es eigentlich klimabedingt. In Irland ist es relativ mild und leider auch sehr regnerisch und das hat natürlich den Grund, dass alles grün ist und da ist die Milchhaltung dementsprechend angepasst. Das heißt, dass die Kühe fast neun bis zehn Monate auf dem Gras draußen gehalten werden und es ist sozusagen eine saisonale Vollweidehaltung. Das sind so die Hauptunterschiede, weil hier in Deutschland doch anders produziert wird, weil eben das Klima anders ist und andere Futtermittel zur Verfügung stehen.
[07:15] Thema: Der Grasschnitt und der Nährstoffkreislauf
Tarik: Lasst uns über den Rundgang sprechen, den wir vorhin gemacht haben. Tony, es ist ja so, dass bei der Milchproduktion der sogenannte Grasschnitt eine ganz besondere und zentrale Rolle spielt. Wir durften gerade schon ein bisschen mehr davon erleben, unsere Zuhörer:innen noch nicht. Erklärt doch mal bitte, was ist der Grasschnitt und warum ist der so wichtig für die Milchproduktion?
Tony: Also, der Grasschnitt ist erst mal der Aufwuchs, das, was man an Pflanzen sehen kann auf einer Wiese. Das sind die grünen Flächen, die man von weitem sehen kann. Der wird abgemäht als wertvolles Futter für die Rinderhaltung, für die Milchviehhaltung. Und jetzt ist ungefähr die Zeit, wo dieser Grasschnitt beginnt. Und dann wird das Gras entweder direkt zur Kuh gebracht oder es wird eine Silage daraus bereitet. Und das ist das wesentliche Futter für die Milchkuh. Das ist ganz entscheidend. Wir wollen ja gut Milch erzeugen, die Tiere gut ernähren und dann, was übrig bleibt – Wirtschaftsdünger, der daraus entsteht –, kommt wieder zurück auf die Wiese, damit der Nährstoffkreislauf geschlossen ist, quasi vom Gras zum Glas, wo die Milch drin ist. Also Gras ist die Grundlage und die Wiesen sind sehr wertvoll für uns, für die Nährstofferzeugung, für die Biodiversität, für den Erosionsschutz. Also das ist der Beginn und das ist das Ende.
Tarik: Tony, vom Gras ins Glas. Wie schaut denn der Kreislauf dahinter aus?
Tony: Also zunächst einmal haben wir auf dem Grünland einen Aufwuchs an Pflanzen. Die werden jetzt gemäht oder man kann auch Tiere auf die Weide schicken. Da drin sind Nährstoffe, Eiweiß, Rohfaser, das ist Energie. Das braucht die Kuh, das ist die wesentliche Futtergrundlage. Über ihren Pansen mit den Mikroorganismen da drin können diese Nährstoffe im Gras gut aufgeschlossen und genutzt werden. Und die Kuh macht daraus unsere Milch. Und diese Milch, die kommt ins Glas und dann können wir sie jeden Morgen oder Abend oder zum Kaffee entsprechend genießen. Das ist der Punkt. Und das, was hinten rauskommt, die Gülle, die verwerten wir auch wieder. Diese Nährstoffe, die übrig bleiben, kommen wieder auf die Wiese, damit auch der nächste Schnitt wieder optimal wachsen kann. Also, es schließt sich der Kreis.
Tarik: Und es ist ja so, dass Gras, bevor es dann zur Kuh kommt, noch ein paar Runden drehen muss. Marius, wie kann ich mir das vorstellen, wenn jetzt dieser Grasschnitt passiert ist, wie wird das Gras dann weiter verarbeitet?
Marius Götz: Also, als Erstes wird es draußen auf der Wiese gemäht. Je nach Wetterlage wird es dann zusammengerecht oder noch mal gewendet, dass es ein bisschen antrocknen kann. Danach wird es mit Erntewägen zum Silo verbracht. Dort im Silo drin wird es festgefahren, festgewalzt. Da ist nämlich ganz wichtig dabei, dass wir den Sauerstoff aus diesem Erntegut herausbekommen, weil wir das Ganze stabil lagern wollen. Und das Ganze umsetzen tun dann die Milchsäurebakterien, die dann aus dem frischen Gras eine Silage bereiten. Und das Ganze funktioniert eben nur unter Luftabschluss. Das heißt, es wird am Schluss mit einer großen Folie abgedeckt und so haben wir ein konserviertes, gelagertes Futter, das uns das ganze Jahr zur Verfügung steht.
[10:30] Thema: Inhaltsstoffe, Fütterung und Gesundheit der Tiere
Tarik: Anton, wir haben ja vorhin auch gesehen, wie dann diese verschiedenen Sorten von Gräsern zusammengemixt werden und dann quasi als Kuhfutter verfüttert werden. Was genau steckt da alles drin? Was ist quasi wichtig für die Kuh? Was braucht die Kuh, um gute Milch produzieren oder auch genug Milch produzieren zu können?
Anton Reidel: Da geht's um die Inhaltsstoffe des Futters. Gras beispielsweise zeichnet aus, dass es einen hohen Energieanteil hat, je nach Stadium, wo es geschnitten wird, aber auch viel Rohprotein hat, was auch sehr wichtig ist für die Milcherzeugung. Das sind so die grundsätzlichen Eigenschaften beim Gras in der Fütterung.
Tarik: Wie wichtig ist das Futter, damit die Kuh sich a) wohlfühlt, aber eben auch Milch produziert, die auch dann schmeckt?
Tony: Es beginnt alles mit einer guten Futtergrundlage. Nur dann, wenn das Futter gut ist, ist das Tier gesund und kann das Tier letzten Endes auch gesunde Lebensmittel erzeugen und gesunde Milch.
Tarik: Marius, was fressen Kühe eigentlich noch so? Tatsächlich nicht ausschließlich Gras, oder?
Marius Götz: Sie fressen nicht ausschließlich Gras, aber ein Großteil davon ist Gras, wie wir heute gesehen haben. In dem Beispiel über 30 Kilo waren allein Gras, was eine Kuh frisst. Wir haben dann noch verschiedene andere Produkte, zum Beispiel Maissilage, wir haben Heu oder Stroh als Strukturträger und wir haben noch einen kleinen Teil Kraftfutter, der dann praktisch Eiweiß und Energie ausgleicht.
[12:15] Thema: Die junge Generation und der Erhalt von Grünland
Tarik: Was machen denn junge Landwirt:innen, um das Thema Nachhaltigkeit voranzutreiben?
Marius Götz: Zum einen, sie sind aufgeschlossen, sie informieren sich, sie sind im Großteil frisch aus der Schule, frisch ausgelernt, haben frisch ihre Meisterausbildung oder haben studiert. Das heißt, sie haben schon mal den aktuellsten Input der Wissenschaft. Wir hier als Staatsgüter spielen da auch eine recht große Rolle, weil wir natürlich ganz viel ausprobieren und wir können auch verschiedene Sachen ausprobieren und können dann eben diese Erfahrungen weitergeben und sagen: Okay, die Art und Weise funktioniert. Diese Möglichkeit, das wissenschaftlich zu überprüfen, hat ja jetzt ein Privatlandwirt nicht. Das heißt, wir probieren das, wir bieten regelmäßig Seminare an, wo wir eben dann unsere gewonnenen Erkenntnisse einfach weitergeben und so jedem hilfreiche Infos geben können, vor allem auch Junglandwirten.
Tony: Ich möchte auf deine Frage eingehen, die jüngere Generation, wie reagiert die? Ich stelle da schon eine gewisse Offenheit fest, es verändert sich was in den Köpfen. Ich sehe es positiv. Natürlich ist es notwendig, dass ein Rechtsrahmen da ist, aber ich will auch Wert darauf legen, dass es möglichst EU-weit vergleichbare Bedingungen sind, weil die Landwirte in einem Wettbewerb drin stehen.
Tarik: Und sag mal, was würde eigentlich passieren, wenn Wiesen und Weiden deutlich weniger oder gar nicht mehr landwirtschaftlich genutzt werden?
Marius Götz: Sie würden alle stillstehen, sie würden weiter wachsen, weiter wuchern bis zu einem gewissen Grad. Man kann sich ja auch vorstellen, wenn man seinen Hausgarten zu Hause nicht mehr mähen würde. Eine Zeit lang hat man Wildnis, irgendwann bilden sich Sträucher, siedeln sich vielleicht auch Schädlinge an, die sich sonst nicht angesiedelt hätten, irgendwann vermoost auch alles. Früher oder später würde das Ganze dann auch wieder absterben und so dann eigentlich wertvolles Gras-Grünland, was wir nutzen können, würde damit dann verschwinden.
Tony: Wenn ich da gleich noch was hinzufügen darf, diese Flächen würden uns dann auch für die Nahrungsmittelproduktion fehlen. So einfach, das wäre die letzte Konsequenz.
Tarik: Und das wäre nicht gut.
Marius Götz: Absolut nicht.
Tarik: Weil wir wollen ja auch so ein bisschen gucken, wie die Zukunft der Milch ausschaut, und da setzen wir heute ganz klar einmal den Fokus auf das Gras, auf das Heu, was Teil des Kreislaufes ist. Wenn ihr noch mal den Zuhörer:innen erklären könntet, wie helfen denn Wiesen und Weiden dabei, die Milch auch zukunftsfähig zu machen oder weiterhin zukunftsfähig sein zu lassen, Tony?
Tony: Also zunächst einmal ist ja die Wiese selbst mit sehr vielen Umweltvorteilen verbunden und Wiesen zu erhalten hat Gründe: die natürlichen Ressourcen zu schützen, die Biodiversität zu fördern, das ist schon mal gut, den Bodenabtrag zu verhindern und deshalb muss Grünland erhalten bleiben. Und Grünland, das sind 3,5 Milliarden Hektar. Ein Hektar ist 100 mal 100 Meter. Das ist eine wichtige Ressource, die wir erschließen müssen. Und mit Gras können wir sonst sehr wenig machen. Ich selber mag kein Gras, kann auch Gras nicht verwerten. Der Wiederkäuer – das Rind gehört zu den Wiederkäuern – kann das verwerten. Deshalb ist das ein ganz zentraler Punkt, möglichst viele Nährstoffe aus dem Grünland rauszuholen. Das ist eine Win-win-Situation absolut, und deshalb müssen wir diese Situation nutzen. Das muss die Basis sein. Da müssen wir vielleicht wieder stärker drauf schauen, dass möglichst viel aus der Wiese rauskommt an Nährstoffen, dass man aber auch Koppelprodukte aus der Landwirtschaft oder aus der Ernährungsindustrie nutzt für diesen Zweck. Wir haben nichts mehr, was übrig ist, was wir verschwenden können. Wir müssen alles möglichst optimal einsetzen.
Tarik: Habt ihr drei noch Punkte, wo ihr sagt, Wiesen und Weiden sind super wichtig für die Zukunft der Milch, weil ... ?
Doris Leppler: Also ich würde noch sagen, wegen der gesellschaftlichen Akzeptanz ist es natürlich wichtig, weil das der Konsument gerne sieht, dass die Kuh draußen ist.
Anton Reidel: Dann hätte ich auch noch einen Punkt zu Tony, weil wir müssen mehr aus der Wiese rausholen. Ich glaube, da muss man wieder ein bisschen vorsichtig sein. Ich sehe es ähnlich, also es ist ein Spagat letzten Endes aus Nutzungsintensität, Erhalt der Biodiversität, dass wir da auch viele Arten drauf haben im Grünland. Und der Punkt ist auch, Grünland ist ein natürlicher Kohlenstoffspeicher, der sehr, sehr viel Kohlenstoff bindet jetzt schon und das ist letzten Endes in der Zukunft von immenser Wichtigkeit.
Marius Götz: Rein aus arbeitswirtschaftlicher Sicht: alles, was ich natürlich nicht über große Umwege mir zukaufen oder hertransportieren lassen muss und das eigene Grünland für jeden Betrieb nahezu vor der Haustür nutzen kann oder auch Gebiete nutzen kann wie zum Beispiel Almgebiete, die sonst anders nicht nutzbar wären wie mit Tieren oder für Futternutzung, ist eigentlich ein ganz wichtiger Punkt da.
[18:00] Thema: CO2-Ausstoß, Betriebsgröße und Klimaneutralität
Tarik: Anton und Doris, was würdet ihr sagen? Haben größere Betriebe einen größeren CO2-Ausstoß?
Anton Reidel: Das kommt ein bisschen auf die Betrachtungsebene an. Schauen wir uns den Betrieb an mit vielen Kühen und schauen uns nur den Betrieb an, dann hat er auch höhere Emissionen, weil er mehr Tiere hat. Aber wenn der Betrieb effizient wirtschaftet und wir schauen uns das Produkt an, das er erzeugt, also die Milch, dann kann der einen niedrigen CO2-Fußabdruck pro Liter Milch haben oder einfach einen guten haben. Also da ist Größe definitiv kein Indikator für.
Doris Leppler: Der CO2-Fußabdruck ist wichtig, dass er einfach so niedrig wie möglich ist für die Treibhausgase. Wenn man dann natürlich mehr Kühe hat, dann erhöht sich der natürlich zwangsläufig. Und wenn man jetzt zwei Betriebe vergleicht mit dem gleichen CO2-Fußabdruck, der eine hat 50 Kühe und der andere hat 100, dann hat der natürlich mit 100 Kühen logischerweise höhere absolute Emissionen. Ist aber nicht schlechter.
Tarik: Tony, ich habe gelesen, dass ihr bis 2028 klimaneutral sein wollt. Wie schafft ihr das?
Tony: Ich weiß noch nicht, ob wir es wirklich schaffen. Es muss man sich zunächst einmal als Ziel betrachten und wir machen uns auf den Weg. Der wichtigste Ansatzpunkt ist erst mal erneuerbare Energien einzusetzen, auch bei den Traktoren, dass wir, wo es geht, eigenen Strom und Energie erzeugen. Wir haben über die Biogasanlage gesprochen, die den Wirtschaftsdünger energetisch nutzt. Wir haben eine Hackschnitzelanlage hier. Wir werden so Zug um Zug an diesem Standort und an anderen PV-Anlagen errichten. Und ich wünsche mir auch mal ein Windrad auf unseren Standorten. Es wird uns gelingen, das ist der energetische Bereich. Dann müssen wir natürlich schauen, dass man heimische Futtermittel entsprechend nutzt, dass man den Wirtschaftsdünger optimal ausbringt, auch keine Emissionen auf dem Gebiet erzeugt. Da gibt's viel. Ein großer Brocken, da traue ich mich noch nicht hin, der ist auch schwierig, das ist der komplette Gebäudebereich und die Fragen der Beschaffung in jedem Gut, das wir da haben. Da ist CO2, sind Emissionen drin, sind CO2-Äquivalente. Also, da gibt's noch einen Forschungsbedarf, gibt's noch einen Entwicklungsbedarf, aber wir machen uns auf den Weg.
Tarik: Marius, Tony hat ja gerade schon die Biogasanlage kurz erwähnt. Wir waren ja auch vorhin davor. Magst du einmal kurz erklären für alle, die nicht wissen, was eine Biogasanlage ist, was das denn ist?
Marius Götz: Wir nutzen hier in großen Teilen Mist und Gülle, also bei unserem Standort alles, was anfällt und noch ein paar Reststoffe, die sonst nicht verwertbar sind, und lassen das eben in der Biogasanlage nochmals nachvergären. Ich sage immer, vom Grundsatz her ähnlich wie eine Kuh, eine große Kuh. Und dementsprechend entsteht dann dort ein Methangas. Dieses Methangas wird dann über einen Motor verstromt. Der Motor erzeugt Strom. Bei dieser Erzeugung fällt auch noch Wärme an. Diese Wärme greifen wir auch noch ab und heizen damit unsere Betriebsgebäude hier und haben somit eigentlich am Schluss von einem, ja, vermeintlich wertlosen Produkt für einen Betrachter, sprich Gülle, haben wir noch Strom und Wärme genutzt und produziert. Und nicht zu vergessen, als allerletztes: Wenn wir dann Strom und Wärme daraus noch produziert haben, haben wir noch einen hochqualifizierten Wirtschaftsdünger, den wir dann noch auf den Feldern ausbringen können und der so wieder als Düngung für die Wiese oder andere Kulturen zur Verfügung steht. Auch wieder ein Dünger, der nicht extra produziert oder zugekauft werden muss, sondern es ist ein eigener Dünger, der somit den Kreislauf dann wieder komplett macht, wieder schließt. Ich dünge wieder meine Wiese, meine Wiese wächst und alles geht wieder von vorne los.
Tarik: Genau. Da schließt sich dann wieder der Kreis und das ist ja auch ein Hilfsmittel, um eben nachhaltig zu produzieren. Wie realistisch ist es denn, dass die Milchbranche klimaneutral wird? Klappt das überhaupt in der Zukunft?
Anton Reidel: Also, wir können uns auf den Weg machen, dass wir immer besser werden, dass wir versuchen, so effizient wie möglich mit unseren Produktionsgrundlagen zu wirtschaften, die Milch so top wie möglich zu erzeugen. Aber wir haben immer eine gewisse Emission, wenn wir etwas produzieren, und da müssen wir dann schauen letzten Endes, wie wir diese Restemission am Schluss kompensiert bekommen, um dann wirklich von klimaneutraler Milch zu sprechen.
Tarik: Und euer CO2-Rechner, ist der quasi auch ein Hilfsmittel, um klimaneutraler zu produzieren? Und sag mal, gilt der nur für Bayern oder kann Doris den auch in Irland benutzen?
Anton Reidel: Um sich überhaupt zu verbessern, muss ich wissen, wo stehe ich, und dafür ist dieser CO2-Rechner gedacht. Zu zeigen: Ich als Betrieb habe die und die Emission und habe möglicherweise auch in den und den Bereichen noch Optimierungspotenzial. Das soll er aufzeigen und das soll dem Landwirt ein Werkzeug sein, dass er das selbst findet bzw. auch gemeinsam mit seinem Berater findet. Das ist der eine Punkt. Und ansonsten halt, wenn es um die Nutzungsmöglichkeit in verschiedenen Ländern geht: Wir halten uns an die Standards des Weltklimarats, also da spricht nichts dagegen, den dann auch in Irland zu nutzen. Der Vorteil von unserem Rechner ist jetzt für die bayerischen Betriebe, wir haben überall Standardwerte hinterlegt, die für Bayern repräsentativ sind. Also, wenn ein Betrieb irgendeinen Wert nicht hat, dann nimmt er den, der da drin steht. Und damit ist er eigentlich schon mal ganz gut geraten. Ich denke, der irische Landwirt müsste da erst mal gucken, wie es denn bei ihm zu Hause wirklich so aussieht. Den Vorteil hat er da nicht.
[24:10] Thema: No Food Waste und Verwertung von Reststoffen
Tarik: Wenn wir über das Thema Nachhaltigkeit sprechen, dann geht es auch viel um das Thema No Food Waste. Und viele denken da wahrscheinlich daran, dass sie zu Hause keine Lebensmittel wegschmeißen sollen, aber No Food Waste ist auch ein großes Thema, wenn es um die Produktion von Lebensmitteln geht. Wie kann ich mir das vorstellen, Marius? Welche pflanzlichen Reste aus der Lebensmittelproduktion werden denn an Kühe verfüttert?
Marius Götz: Also ganz klassisch, was schon seit vielen Jahren betrieben wird, ist der sogenannte Biertreber. Bei der Herstellung von Bier entsteht praktisch der Biertreber, der am Schluss noch übrig bleibt. Ist ein klassisches Eiweiß- und auch Energiefuttermittel, das dann in der Tierhaltung ganz oft noch angewendet wird.
Tarik: Also trinken Kühe Bier dann?
Marius Götz: Jain, weil sie fressen es ja, aber sie sind maßgeblich an der Bierproduktion beteiligt. Es ist eine sinnvolle Verwertung von einem Reststoff, der beim Bierbrauen übrig bleibt. Anders, wir kennen zum Beispiel aus der Küche das klassische Rapsöl. Bei dem Vorgang entsteht auch das sogenannte Rapsschrot. Das muss nur ein bisschen weiter verarbeitet werden, aber auch damit haben wir einen sehr guten Eiweißträger, der die Milchviehrationen unterstützen und mit aufwerten kann. An neueren Sachen, wo wir auch immer wieder forschen, ist zum Beispiel, wir haben es vorher gesehen in der Fütterung, die Maissilage. Maissilage ist dahingehend die ganze Pflanze mit den Körnern und im Kolben komplett klein gehäckselt. Es gibt aber auch die Sache, dass man nur die Körner erntet, klassisch Richtung Popcorn oder so, und es bleibt die Pflanze übrig und bisher war die Pflanze einfach nur ein Reststoff, ein Abfallstoff. Aber es gibt jetzt Versuche, haben wir bei uns auch schon durchgeführt, dass ich eben diesen Abfallstoff, das Maisstroh, was da übrig bleibt, auch noch in der Fütterung einsetzen kann als Rohfaserträger. Und so strecken wir natürlich unsere Fühler in jede Richtung aus und versuchen alles, was es irgendwo in einer Art und Weise gibt, zu untersuchen. Das waren jetzt exemplarisch mal ein paar Beispiele dazu.
Tarik: Tony, hast du noch mehr Beispiele?
Tony: Also es gibt ein großes Potenzial. Manche Dinge werden auch energetisch genutzt, kommen dann auch in eine Biogasanlage rein. Ganz entscheidend ist es für mich, möglichst nichts wegzuwerfen. Entweder Futtermittel- und Energienutzung parallel nebeneinander oder nacheinander, erst als Futtermittel und dann als energetische Verwertung, wie wir es hier exemplarisch umsetzen. Also, das muss der Plan sein, muss aber auch dafür gelten, dass jeder Mensch auch seine Lebensmittel bitte wertschätzt, nutzt und optimal einsetzt. Das gehört auch zur Nachhaltigkeit.
[26:45] Thema: Tipps gegen Lebensmittelverschwendung für Zuhause
Tarik: Das ist ein sehr, sehr guter Stichpunkt, denn wir als Gesellschaft sind natürlich auch gefragt, wenn es um das Thema Lebensmittelverschwendung geht. Habt ihr Tipps parat für unsere Zuhörer:innen, also was sie tun können, damit weniger verschwendet wird?
Marius Götz: Vielleicht so der klassische Satz, was ich dazu immer sage, es nennt sich „Mindesthaltbar bis“ und nicht „Absolut tödlich ab“. Klingt jetzt ein bisschen krass, aber viele Leute sagen halt: Der Joghurt ist gestern abgelaufen, der muss jetzt sofort in die Mülltonne, weil an dem sterbe ich jetzt. Auf gut Deutsch gesagt, nein, einfach seine Sinne einzusetzen, zu prüfen und zu schauen, okay, ist der Joghurt noch gut oder ist da Schimmel drauf? Klar, dann isst man ihn nicht mehr. Also alles mit Maß und Ziel. Aber ich denke, wie gesagt, wenn man seine Sinne ein bisschen einsetzt und nicht nur nach dem Datum geht und das vielleicht ein bisschen beherzigt, kann man schon mal einen guten Schritt in die richtige Richtung machen.
Tarik: Das heißt, dran riechen, gucken, ob es irgendwie komisch riecht, vielleicht einfach mal ein kleines Stückchen probieren, bevor man das Ganze wegwirft. Geschmacksprobe und wenn der Joghurt schmeckt wie immer, obwohl er fünf Tage über der Zeit ist, dann...
Marius Götz: Ja, wenn die Kühlkette richtig eingehalten wird. Ich habe auch schon einen Joghurt nach einem Monat hinten im Kühlschrank noch gefunden. Der war einwandfrei, wie wenn ich ihn gerade eben gekauft hätte. Also da vielleicht einfach ein bisschen Mut dazu. Ja, weil der Mensch erkennt, glaube ich, recht schnell, vor allem bei solchen Sachen wie Milchprodukten, ob noch was genießbar ist oder nicht. Und ich denke, das ist schon mal ein Anfang.
Tarik: Was haben wir noch für Tipps parat für Konsument:innen, wenn es um das Thema Lebensmittelverschwendung geht?
Tony: Ich würde jetzt mal sagen, der Landwirt ernährt seine Milchkühe bedarfsgerecht. Der Konsument kann auch bedarfsgerecht einkaufen, nicht zu viel. Auch ein bisschen drauf achten, woher es kommt. Auf die Regionalität achten. Ich glaube, das gehört zu einem bewussten Konsum dazu.
Tarik: Aber gutes Stichwort, weil bewusst einkaufen, man sollte ja nicht mit Hunger einkaufen gehen im Supermarkt, weil man dann dazu neigt – ich kenne das –, dass man einfach hungrig ist und alles einfach haben will und dann einfach viel zu viel kauft und am Ende wie nach so einem Rausch sich denkt, was habe ich denn da alles gekauft und es dann im schlimmsten Fall wegschmeißen muss. Deswegen ein vielleicht banaler, aber auch sehr, sehr cleverer Trick: Einfach bevor man einkaufen geht, ein bisschen was im Magen haben und dann eben, wie Anton schon gesagt hat, bewusst einkaufen. Doris, hast du noch einen?
Doris Leppler: Gut, es gibt ja so die Standardtipps. Man soll ja immer eine Liste schreiben, dass man genau weiß, was man kaufen soll. Dann kommt doch der Heißhunger nicht so durch. Man soll ja genau planen, was man jeden Tag in der Woche kochen soll und das dann schon mal genau gezielt einkaufen. Und was auch noch ganz wichtig ist, wenn die Supermärkte zum Beispiel jetzt drei für zwei anbieten, da soll man eigentlich wegbleiben, weil das ist wirklich das, wo oft sehr viel Lebensmittelverschwendung entsteht, dass die Leute einfach denken: „Wow, super, ich kaufe jetzt drei Pakete mit Weintrauben“, aber die kann man gar nicht essen und dann kommt ein Paket weg.
Tarik: Ja, auf jeden Fall gute Tipps zum Thema bewusstes Einkaufen, dass man dann eben nicht so viel wegschmeißt.
Doris Leppler: Also das, was mir auch noch dazu einfällt, ist, ich finde es als Agronomin wichtig, dass wir da produzieren, wo es am meisten Sinn macht, ökonomisch und ökologisch. Als Beispiel: Da ist einfach nur Grasland und dann bietet sich nicht viel anderes an außer Milch- oder auch Rinderhaltung. Und ich meine, dann macht es auch Sinn, das zu produzieren, weil vielleicht an anderen Standorten dann doch eher sich Ackerbau anbieten würde.
Tony: Wenn wir uns anschauen, wie viel Land verloren geht durch Infrastrukturmaßnahmen, durch Gebäude, wie großzügig wir mit Parkplätzen umgehen und so, dann ist das ein zusätzlicher Faktor, den wir berücksichtigen müssen bei der Landnutzung, bei dem Umgang mit Natur, bei der Aufteilung der Fläche in dem Bereich. Und da müssen wir uns alle fast ein bisschen an die Nase fassen. Täglich werden in Bayern, nur dieses kleine Bayern, 11, 12 Hektar zugebaut oder der Landwirtschaft entzogen. Das ist auch ein ziemlich großer Faktor, der eine Rolle spielt, und selbstverständlich gilt es da: Wo was am besten wächst, sollte man aus Effizienzgründen, aus Gründen der Nachhaltigkeit natürlich dann auch eine effiziente Nutzung vornehmen.
[31:15] Thema: Die Zukunft der Milch und Verabschiedung
Tarik: Lasst uns zum Schluss gerne in die Zukunft blicken und deswegen ist die letzte Frage an euch: Warum sind Milchkühe für eine grüne Zukunft unerlässlich?
Marius Götz: Die Kombination, wo wir gerade schon waren: an der richtigen Stelle eingespart, an der richtigen Stelle regionaler gedacht, haben wir da ein heimisches Produkt, wo wir sowohl dann so gut wie möglich ein klimaschonendes Gewissen haben müssen, ein gewisses Produkt zu verzehren, weil es eben regional erzeugt wurde, weil das Futter dafür regional gewachsen ist und das Ganze in einem vernünftigen Kreislauf alles entstanden ist.
Doris Leppler: Also ich würde es vielleicht ein bisschen anders sehen. Ich würde sagen, um Klimaziele zu erreichen, brauchen wir eine Ernährungsumstellung und wir müssen noch weniger Tierprodukte produzieren in Deutschland, in der EU insgesamt. Und die, die wir produzieren, dann nachhaltiger produzieren und wo natürlich dann Gras eine wichtige Rolle spielt.
Tarik: Anton?
Anton Reidel: Wir haben heute viel über den Grasschnitt und auch die Grünlandnutzung gesprochen und da sehe ich letzten Endes die Schlüsselrolle der Kuh in der Zukunft, das zu verwerten und das letzten Endes, all das Grasland, das wir haben, den Menschen als Nahrungsmittel überhaupt zur Verfügung zu stellen. Das ist, glaube ich, eine der Kernkompetenzen der Milch der Zukunft.
Tarik: Tony?
Tony: Vorhin war ich schon mal dran an dem Thema. Weltweit sind zwei Drittel Grünland und ein Drittel Ackerland. Bei uns ist ein Drittel Grünland und zwei Drittel Ackerland. Also hier geht's um die Nutzung der vorhandenen Ressourcen. Das wird auf jeden Fall gemacht, dass wir insgesamt die Nutztierhaltung noch tierwohlgerechter machen, noch angepasster. Da sind wir unterwegs mit Forschung, mit Bildungsmaßnahmen. Wir stehen nicht am Anfang, wir sind aber noch nicht ganz am Ziel.
Tarik: Vielen Dank an euch. Das war wie immer toll. Ich danke auch noch mal für den tollen Rundgang. Ich fühle mich ja auch schon fast wie ein Landwirt, ne? Wir haben jetzt so viele Folgen schon Let's Talk Milch und vielleicht mache ich dann auch einfach mal bald so einen grünen Zukunftshof auf, weil die Tools und das Wissen dank der ganzen Folgen habe ich mittlerweile.
Marius Götz: Also ihr habt euch hier eine Konkurrenz ins Haus geholt. Also da könnt ihr alle mal gespannt sein.
Tarik: Vielen Dank fürs Zuhören und hört gerne auch die anderen Folgen. Wie gesagt, es gibt schon eine ganze Menge, es werden mehr kommen. Und dann hören wir uns beim nächsten Mal. Ciao.
Marius Götz / Anton Reidel / Doris Leppler: Ciao. / Ciao. / Danke.
[Podcast-Musik]
Tarik: Das war Let's Talk Milch. Schön, dass ihr zugehört habt. Und jetzt seid ihr gefragt. Real Talk Milch. Sagt uns eure Meinung und werdet Teil des Podcasts. Wie das geht? Einfach per Sprachnachricht und alle Infos dazu findet ihr auf www.initiative-milch.de/talkmilch. Ob unterhaltsam oder kontrovers, verratet uns, was ihr über das Thema Milch denkt und was ihr noch wissen möchtet. Eine Auswahl eurer Nachrichten und Fragen bauen wir dann in die nächste Folge ein und den Link findet ihr in den Shownotes. Viel Spaß, euer Tarik.
Die Agrarökonomin doziert seit 2017 an der University of Galway in Irland. Momentan arbeitet sie als Gastwissenschaftlerin an der Technischen Universität München. Ihr Forschungsgebiet: Produktivität, Tierschutz und Nachhaltigkeit, hauptsächlich im Milchsektor.
Zum Lehrstuhl in Göttingen
Der Agarwissenschaftler hat die Co-Arbeitsgruppenleitung Klimawirkung und Nachhaltigkeit am Institut für Agrarökonomie bei der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft inne. Dort setzt er sich dafür ein, dass Landwirt:innen in Bayern ihre Arbeit effizienter und nachhaltiger gestalten können und hat einen CO2-Rechner für die Milchkuhhaltung entwickelt.
Anton Reindl auf LinkedIn
Der Geschäftsführer der Bayerischen Staatsgüter leitet unter anderem das Staatsgut Grub. Zuvor führte er das Referat „Grundsatzfragen bayerischer Agrarpolitik, Agrarstatistik, internationale Zusammenarbeit und Wirtschaftsbeobachtung” im Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.
Website Bayerische Staatsgüter
Der Bereichsleiter Tier am Staatsgut Grub beschäftigt er sich dort mit Themen wie Fütterung, Haltung und Gesundheit der Tiere. Sein Ziel ist es, gesellschaftliche Forderungen in die Praxis zu übersetzen und nachhaltige Lösungen zu finden.
Interview mit Marius Götz
„Wir haben heute viel über den Grasschnitt und auch die Grünlandnutzung gesprochen und da sehe ich letzten Endes die Schlüsselrolle der Kuh in der Zukunft, das zu verwerten.”
Anton Reindl
Tarik
Der Moderator und Podcaster ist bekannt aus dem Online-Format „Jäger & Sammler“ im ZDF und der Talkshow „deep und deutlich“ im NDR. Im Podcast „Tratsch & Tacheles“ spricht er mit der Moderatorin Hadnet Tesfai offen und ehrlich über die latest news aus der Popkultur. Mit seinen glamourösen Fashion-Statements auf seinen Social-Media-Kanälen gilt Tarik als der deutsche Billy Porter.
