Podcast #6
“Plant based” ist der neue Ernährungstrend – auch auf dem Schulhof? Tarik spricht mit den Müttern und Influencerinnen Valeska und Julia sowie Ernährungsexpertin Julia über kindgerechte Ernährung.
Ob für drei oder sieben Kinder, eine ausgewogene Ernährung will gut überlegt und vorbereitet sein. Stadtmutter Valeska und Landmutter Julia sprechen gemeinsam mit Ernährungswissenschaftlerin Julia Elert über die Herausforderung von kindgerechten Mahlzeiten, den Anspruch an eine ausgewogene Ernährung und wie sie mit dem Druck durch Social Media umgehen. Wie unterscheidet sich die Versorgung der Kinder in der Stadt und auf dem Land, was bedeutet der Schulstart für das Frühstücksritual und was halten sie vom “Plant-based”-Trend? Sie erzählen es euch im Podcast.
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Podcast: Stadt, Land Schulstart – Jetzt anhören!
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[00:00] Thema: Intro und Vorstellung der Gäste
Julia Elert: Gesunde Ernährung bedeutet eigentlich nichts anderes als Vielfältigkeit, also vielfältige Ernährung.
Julia Nissen: Wir leben neben einem Milchbetrieb und dann ist es manchmal wirklich der schnelle Gang, noch mal rüberzugehen und direkt da auch die Milch aus dem Tank zu holen.
Valeska: Bei uns gibt es auch mal Montage, an denen kein Vollkornbrot mehr zu Hause ist, und dann hole ich auch einfach aus der Tiefkühltruhe Laugenstangen und back die auf und beschmiere die doch.
Tarik: Die kannst du nur...
Valeska: Die Kinder feiern es.
Tarik: [Podcast-Musik] Willkommen bei Let's Talk Milch, dem Podcast der Initiative Milch. Wisst ihr, was Sterneköche, Celebrities, Jungbäuerinnen, Food-Startups und Latte-Art-Künstlerinnen vereint? Ich bin Tarik und verrate es euch hier bei Let's Talk Milch. Hi und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Let's Talk Milch mit dem tollen Titel "Stadt, Land, Schulstart", denn ihr Lieben, die Schulferien neigen sich dem Ende entgegen. Der Sommer ist fast vorbei und das heißt, die Schule geht wieder los und wir wollen wissen, was landet in den Pausenboxen? Was snacken die Kids in Deutschland und was gibt es zum Abendessen, zum Mittagessen? Was ist überhaupt eine gesunde Ernährung? Welche Rolle spielen dabei Milchprodukte und welche pflanzenbasierte Ernährungsmittel? All das kläre ich heute mit drei tollen Gästinnen und die sind einmal Valeska. Hallo.
Valeska: Hallo.
Tarik: Valeska war lange Zeit Redakteurin bei TV Total. Dann ist sie rüber zu Instagram, eigentlich um ihren Sohn zu kontrollieren, um zu gucken, was macht der da eigentlich so den ganzen Tag, hat sich dann gedacht, hmh, vielleicht mache ich hier auch mal was den ganzen Tag. Und mittlerweile hat sie daraus ihren Job gemacht und hat einen sehr, sehr erfolgreichen Channel auf Instagram und da geht es um Kochen, um Alltagsglück, Fashion und natürlich Food. Schön, dass du heute da bist.
Valeska: Danke für die Einladung.
Tarik: Und auch mit dabei ist Julia Nissen. Julia hat Landwirtschaft studiert, ist dann mit ihrem Mann nach Nordfriesland gezogen, hat dann dort einen Landleben-Blog gestartet, den es heute auch noch so gibt, der heißt Deichdeern, und on top hat sie auch noch ein Printmagazin, das heißt Matsch, und das ist für Kinder und da geht es um Landleben, Natur und Erkunden und alles, worauf Kinder Lust haben. Richtig?
Julia Nissen: Ganz genau.
Tarik: Schön, dass du heute da bist.
Julia Nissen: Danke für die Einladung.
Tarik: Und remote zugeschaltet ist die zweite Julia, und zwar Julia Elert. Und Julia, du bist Ernährungsexpertin und kannst also heute all das, was wir hier besprechen, in einen größeren Kontext bringen und auch mal vielleicht die große Frage klären, was das eigentlich ist, diese gesunde Ernährung. Denn das habe ich ganz vergessen zu sagen, Valeska sowie auch Julia, ihr habt ja selber Kinder, das heißt, das Thema Ernährung und Schulstart und Pausenbox und Abendessen sind für euch wichtige Themen, und über die plaudern wir jetzt.
[03:45] Thema: Kindheitserinnerungen an Lieblingsessen
Tarik: Bevor wir starten, gehen wir mal ein bisschen zurück und ich will von euch allen dreien wissen, was habt ihr denn als Kind am allerliebsten gegessen? Valeska.
Valeska: Am allerliebsten habe ich als Kind tatsächlich Frikassee gegessen.
Tarik: Hühnerfrikassee?
Valeska: Aha.
Tarik: Und ist das heute immer noch so?
Valeska: Ich esse es mittlerweile nicht mehr ganz so gerne, aber steht ganz weit oben auf der Liste der köstlichen Gerichte, die ich für meine Kinder kochen darf.
Tarik: Sehr schön. Auch Omas Rezept?
Valeska: Yummy.
Tarik: Julia, wie ist es bei dir?
Julia Nissen: Bei mir auch ähnlich. Auch Omas Rezept. Eine Buchweizengrütze mit Milch. Und bei Oma gab's immer noch eine Schaufel Zucker.
Tarik: Ah ja, okay. Liebe Julia, was gab es bei dir zu essen? Und natürlich auch die wichtigste Frage, war das dann auch schon immer direkt gesund?
Julia Elert: Also, mein Lieblingsessen aus der Kindheit, woran ich mich noch sehr gut erinnern kann, ist tatsächlich panierter Blumenkohl mit Kartoffeln, einfach nur mit Petersilienkartoffeln. Ob das jetzt so gesund war, kann ich ausschließen, denn das wurde natürlich schön in Butter frittiert. Nein, also auch in meiner Kindheit gab es nicht immer gesundes Essen. Auf gar keinen Fall.
Valeska: Ich habe als Kind immer am liebsten Nudeln ohne Soße gegessen. Ich war so eines von diesen Kindern, die einfach so ganz pur essen wollten, und ich bin jedes Mal ausgeflippt, wenn meine Mutter ein bisschen Soße schon an die Nudeln gemacht hat, damit es eben nicht pappt, und für mich war das der Horror.
Tarik: Also quasi Trennkost?
Valeska: So ungefähr, aber auch quasi sehr, sehr speziell, wenn es um das Thema Essen ging.
[06:15] Thema: Agrar-Influencerin und die Pausenbox für sieben Kinder
Tarik: Da habe ich dann auch direkt gleich noch Fragen an dich, liebe Julia. Bevor wir das aber machen, möchte ich gerne von Julia Nissen, also Julia Nummer 1 würde ich jetzt mal sagen, wissen: Was ist eine Agrarinfluencerin?
Julia Nissen: Also, das ist eine gute Frage erstmal.
Tarik: Denn du bist eine.
Julia Nissen: Ja, genau. Zumindest habe ich mal den Titel verliehen bekommen. Bis dato hätte ich mich jetzt, glaube ich, auch nicht unbedingt so identifiziert, aber ich schreibe ja viel über das Landleben und die Themen, die dahinter stecken, und da gehört halt Landwirtschaft auch mit dazu. Und so beeinflusse ich schon auch Leute in ihrer Kaufentscheidung oder was sie über den Milchbauern um die Ecke denken, und in dem Moment würde ich mich schon auch als Influencerin sehen, ja, im Agrarbereich.
Tarik: Und das Thema Milch ist auch ein zentrales Thema deiner Arbeit, richtig?
Julia Nissen: Ja, genau. Ich habe ja Landwirtschaft studiert und im Studium Milchbauern kennengelernt und dementsprechend bin ich da etwas gefärbt in der Meinung und sehe einfach, was da für eine Arbeit und auch für eine Qualitätsprüfung hintersteckt. Ganz, ganz viele sehen das nicht. Warum auch? Und ich versuche da ein Stück weit Transparenz reinzubringen und nehme die Leute damit in die deutschen Ställe.
Tarik: Wie du das machst, darüber reden wir auch heute noch, aber erstmal an Valeska. Wir haben gerade schon gesagt, es geht auch ein bisschen darum zu gucken, okay, was essen denn Kinder in der Schule, was kommt in die Pausenbox, sofern es eine gibt? Und ich weiß ja, dass du mittlerweile sieben Kinder hast, und ich habe mich gefragt, wird man mit der Zeit, was die Pausenbox anbelangt, kreativer oder denkt man sich hier: 1,50 Euro, kauf dir bitte selber was?
Valeska: Also, ich werde nicht unbedingt kreativer, aber ich fülle jede einzelne Box schon so, dass das jeweilige Schulkind die auch wirklich isst. Und ich meine, jetzt habe ich nur noch fünf Schulkinder. Bei fünf Schulkindern ist es natürlich so, dass jedes einen unterschiedlichen Geschmack hat und das eine Kind hat ein Vollkornbrot mit Fleischwurst, das andere mit Käse, ein Kind nimmt nur Obst mit, eins möchte gerne Milchreis mit Apfelmus, und irgendwie schaue ich schon, dass das jeweilige Kind dann auch so bedient wird.
[09:30] Thema: Was ist eigentlich eine gesunde Ernährung?
Tarik: Also, ich höre da auch schon so etwas heraus wie auch der Wunsch nach ausgewogener Ernährung, auch zu gucken, dass man eine gewisse Vielfalt in dieser Pausenbox hat. Julia, Nummer 2, wir reden heute sehr, sehr viel über das Thema gesunde Ernährung und um da jetzt mal auch so einen guten Start zu haben, was ist denn bitteschön eine gesunde Ernährung, vor allem wenn es um Kinder geht?
Julia Elert: Ja, tatsächlich ist das immer ein Thema, was irgendwie niemand so richtig beantworten kann. Dabei ist es eigentlich gar nicht so schwer. Gesunde Ernährung bedeutet eigentlich nichts anderes als Vielfältigkeit, also vielfältige Ernährung, nämlich besonders in Bezug auf Kinder, dass Kinder einfach ausreichend versorgt werden mit allen Nährstoffen, die sie letztendlich brauchen, um gut aufwachsen zu können, um ihre Muskulatur ordentlich ausbilden zu können, damit die Knochen gut wachsen, damit auch die kognitiven Fähigkeiten ausgebildet werden. Und hier ist es einfach ganz besonders wichtig, dass von jedem etwas dabei ist und dass ein Kind darüber hinaus auch einfach lernt, was gibt es für verschiedene Geschmäcker, was mag ich gerne, was mag ich vielleicht nicht, und so dass ein Kind eben letztendlich alles mal probiert hat und sich dann irgendwann auch sein eigener Geschmack herausbildet.
Tarik: Wenn ihr das so hört, Valeska und Julia, sind es dann auch Themen, die euch beschäftigen? Also informiert ihr euch im Vorfeld, was ist eine gesunde Ernährung? Was braucht mein Kind auch vielleicht gerade in dem speziellen Alter? Also, sind es Themen, die euch super vertraut sind oder vielleicht auch Themen, die einen auch da manchmal ein bisschen stressen können, weil man vielleicht auch dann nichts falsch machen möchte?
Valeska: Also, mein ältestes Kind wird ja jetzt schon 20 und ich glaube, da ist man relativ erfahren, was solche Dinge angeht. Und bei uns in der Schule ist es zum Beispiel von Anfang an so gewesen, dass die Kinder überhaupt keine Süßigkeiten mitnehmen dürfen. Also, es wird auch von den Lehrern nicht gewünscht. Und die essen halt in der Klasse zusammen in den unteren Klassen und nee, mich stresst das nicht, weil ich ja selber weiß, was gesund ist und was nicht gesund ist. Und ich habe aber auch kein Problem damit, wenn mein Kind zwischendurch mal einen Schokoriegel isst, aber nicht in der Schule.
Tarik: Okay. Wie ist es bei dir, Julia?
Julia Nissen: Ja, ähnlich wie bei Valeska. Also, man hat das ja mal selber gelernt und dann auch irgendwann mal studiert, was eine ausgewogene Ernährung ist, und wir bieten einfach ganz viel an und gucken dann, dass sich da der eigene Geschmack draus bildet.
[12:15] Thema: Stadt vs. Land und der Konsum von Milchprodukten
Tarik: Wir wollen ja heute auch so ein bisschen wissen, wird auf dem Land anders gegessen als in der Stadt? Denn Valeska, du bist hier Team City.
Valeska: Oh ja.
Tarik: Und Julia, du bist Team Land. Und wenn ich daran denke, dass wenn man mittlerweile ja in den Supermarkt geht, hast du ja einfach neben Milchprodukten auch mittlerweile sehr, sehr viele Nicht-Milchprodukte, pflanzenbasierte Geschichten, vegane Möglichkeiten et cetera. Ist es ein Thema bei dir und damit halt auch so ein bisschen in der Stadt, also achtest du darauf, oder denkst du dir, hey, eigentlich sind Milchprodukte super wichtig und ich möchte, dass auch meine Kinder das essen?
Valeska: Also bei uns zu Hause wird wirklich Kuhmilch getrunken und Käse gegessen und keine Ersatzprodukte. Aber wenn jetzt eins meiner Kinder sagen würde, "Du Mama, ich möchte keine Kuhmilch mehr, kannst du bitte Hafermilch kaufen?", dann wäre ich die Letzte, die sagen würde, du musst jetzt aber Kuhmilch trinken. Und wir haben zu Hause Vegetarier und Fleischesser und da achten wir natürlich drauf, dass beide Seiten auch bedient und bekocht werden. Nee, ich glaube, das ist auch kein großer Unterschied zum Landleben. Also entweder entscheidet man sich dafür oder dagegen oder halt für die Mischgeschichte.
Tarik: Julia, wie ist es bei dir im Privaten? Ich meine, du kannst jetzt nicht für das Landleben im Allgemeinen sprechen, aber du lebst auf dem Land, du hast Freundinnen dort, du bist in dem sozialen Gefüge, da kriegt man ja schon was mit. Wie groß ist da das Thema pflanzenbasierte Ernährung, vor allem auch, wenn es um die Ernährung von den eigenen Kindern geht?
Julia Nissen: Wir haben eine Ferienwohnung und kriegen sehr viele Urlauber aus den Metropolregionen und die sind immer sehr erstaunt, wie viel Hafermilchangebot zum Beispiel bei uns noch ist. Dass es bei denen überall ausverkauft ist. Die gibt's aber noch bei uns. Also, die Nachfrage ist jetzt nicht so groß, wobei – also meine Kinder sind jetzt eins und sechs. Sicherlich wird sich da auch noch viel bewegen und bei dem Ältesten geht es jetzt schön langsam los, dass er auch fragt, welches Tier ist jetzt eigentlich für welche Wurst und so. Also das ist schon ein Thema.
Tarik: Ich höre ein bisschen raus, dann bei euch auf dem Küchentisch landet beim Mittag und auch beim Abendessen und beim Frühstück auf jeden Fall auch Milchprodukte?
Julia Nissen: Ja, ja, sehr viel sogar. Aber wir zelebrieren das natürlich auch. Wir leben neben einem Milchbetrieb und dann ist es manchmal wirklich der schnelle Gang, noch mal rüberzugehen und direkt da auch die Milch aus dem Tank zu holen.
Tarik: Manchmal fast auch ein bisschen ein Erlebnis für die Kinder auch, ne?
Julia Nissen: Doch, das schon.
Tarik: Julia, du als Ernährungsexpertin, wie wichtig sind denn Milchprodukte für Kinder?
Julia Elert: Also grundsätzlich muss man natürlich sagen, dass Milch und auch Milchprodukte wirklich ein gutes Lebensmittel und eine gute Quelle für bestimmte Nährstoffe sind, also Eiweiß, auch gesunde Fette, keine Frage. Von daher wird es schon auch empfohlen, dass Kinder zwei bis drei Portionen Milchprodukte am Tag zu sich nehmen. Wir reden hier natürlich nicht von der Bananenmilch oder von dem Fruchtjoghurt, wo einfach viel Zucker dazugesetzt ist, sondern da geht's dann wirklich um das naturbelassene Produkt. Ich für meinen Teil sehe diese Diskussion auch immer ein bisschen kontrovers. Ich mag immer gar nicht die beiden Lebensmittel, also quasi Milchprodukte und pflanzenbasierte Milchersatzprodukte zu vergleichen, weil es für mich einfach zwei unterschiedliche Lebensmittel sind. Und ich finde es einfach sehr wichtig, dass gerade Kinder wissen, wo kommt ein Produkt her, was muss passieren, damit eine Kuh Milch gibt, und wenn das gegeben ist und das Kind quasi auch ein Verhältnis zu dem Lebensmittel aufbauen kann, dann finde ich es tatsächlich auch völlig in Ordnung, wenn das auch zu Hause gegessen wird.
Tarik: Und was würdest du Eltern sagen, wenn sie sich dazu entscheiden, ihr Kind ausschließlich vegan zu ernähren?
Julia Elert: Tatsächlich war ich bislang immer sehr skeptisch gegenüber einer veganen Ernährung bei Kindern aus den offensichtlichen Gründen, nämlich, dass einfach Nährstoffe fehlen und dem Kind damit Nährstoffe fehlen, um sich gut zu entwickeln. Allerdings gibt es auch mittlerweile Studien, die zeigen, dass es durchaus geht. Also, dass durchaus eine vegane Ernährung bei Kindern nicht dazu führen muss, dass eine Unterversorgung stattfindet. Aber man muss immer dazu sagen, ich finde, Eltern sollten sich einfach immer fragen: Möchte ich das für mein Kind, möchte ich meinem Kind erklären, dass es eben nicht den Schokokuchen mit essen darf auf dem Geburtstag? Möchte ich regelmäßig zum Arzt rennen, um zu gucken, dass die Blutwerte in Ordnung sind? Habe ich die Zeit, auch trotz veganer Ernährung vielfältig zu kochen, und verschließe ich meinem Kind vielleicht auch einfach Geschmackserlebnisse, die es selber erstmal probieren sollte, und dann kann es ja immer noch entscheiden, möchte ich das oder möchte ich das nicht? Aber aus der rein wissenschaftlichen Perspektive kann es durchaus funktionieren, ein Kind auch vegan zu ernähren.
[16:45] Thema: Vegetarismus, Flexitarier und Druck durch Social Media
Tarik: Julia, du hast gerade erzählt, dass dein Sohn mittlerweile auch nachfragt, also welche Wurst gehört zu welchem Tier. Jetzt wird mich interessieren, im nächsten Schritt, sind denn dann bei euren Kindern, auch bei dir Valeska, so Themen wie: "Hey, ich möchte vielleicht auch auf Fleisch verzichten, ich bin jetzt Flexitarierin oder Flexitarier"? Sind es Themen, die eure Kinder dann auch an den Essenstisch quasi bringen?
Julia Nissen: Also bei uns kam das aus dem Kindergarten mit, also dass die Erzieherin sich vegetarisch ernährt, und so war das Gespräch halt da, und dann wurde zu Hause auch mal kritisch nachgefragt. Im ersten Moment ist man überrascht und dann aber auch irgendwie ein bisschen stolz, dass man sich tatsächlich auch damit auseinandersetzt. Es gehört ja alles irgendwie zur eigenen Persönlichkeitsentwicklung dazu. Also nachher soll er essen, was er möchte, ne? Ja, das ist schon spannend einfach.
Tarik: Valeska, wie ist es bei euch?
Valeska: Also bei uns gab es zum Beispiel ein Kind, der hat gesagt, er wird jetzt Vegetarier und hat mit meinem Mann eine Wette abgeschlossen, und ich glaube, das Kind hat eine Woche durchgehalten. Mein Mann ist jetzt seit zwei Jahren Vegetarier.
Tarik: Ja.
Valeska: Aber der bereitet tatsächlich bei uns in der Familie immer noch am besten das Fleisch zu. Also er kocht auch nach wie vor für die Kinder das Fleisch, aber isst es nicht mehr. Und ja, so Begrifflichkeiten wie Flexitarier, die fallen selbst bei der Siebenjährigen, weil einfach die Freundinnen in der Schule teilweise Vegetarier sind. Es gibt sogar auch vegane Kinder und ich glaube schon, dass sich die Jugend heutzutage ganz anders damit auseinandersetzt, als wir das damals gemacht haben.
Tarik: Und das hat dann natürlich auch einen Einfluss darauf, was vielleicht auch in der Pausenbox landet. Valeska, ich weiß von dir, dass Eltern auch manchmal ganz schön unter Druck gesetzt werden, wie denn jetzt so eine perfekte Pausenbox ausschaut und dass da Instagram auch eine Rolle spielen kann. Erzähl mal.
Valeska: Ja, definitiv spielt das eine Rolle. Also, ich meine, wenn du immer so perfekt geschnitzte Gurkenrosen siehst, dann bekommst du vielleicht als Mutter Minderwertigkeitskomplexe, wenn du nur so ein Dinkel-Haferbrot mit Butter beschmierst und ein bisschen Kräutersalz drauf machst. Und bei uns gibt es auch mal Montage, an denen kein Vollkornbrot mehr zu Hause ist. Und dann hole ich auch einfach aus der Tiefkühltruhe Laugenstangen und back die auf und beschmiere die doch.
Tarik: Wie kannst du nur? How?
Valeska: Die Kinder feiern es.
Tarik: Valeska, du hast mal einen Shitstorm abbekommen, weil du darüber gesprochen hast, dass deine Kinder eben auch Milchprodukte essen. Wie hast du damals da drauf reagiert?
Valeska: Ja, es war sogar ein bisschen anders. Ich habe in einer Story eine große braune Milchflasche geöffnet und den Deckel sehr bewusst gezeigt, "Zeit zu zweit für Kuh und Kalb", und da hatte ich noch nicht ganz so viele Follower. Und dann war es wirklich so, dass hier stündlich Nachrichten reinkamen, wie ich denn jetzt mit meiner Verantwortung, die ich tragen würde, zeigen könnte, dass ich Kuhmilch trinke. Und da hatte ich mir vorher überhaupt keine Gedanken drüber gemacht, weil das für mich ja wirklich einfach total normal ist, und habe dann daraus ja auch einen Post gemacht. Ja, ich finde das schon verrückt. Das ist so wie so eine Hipsterblase, dass alle irgendwie keine Kuhmilch mehr trinken, sondern eher Hafermilch. Das kann ja auch jeder so für sich entscheiden. Aber ich finde auch, dass man uns das überlassen sollte, wenn wir uns anders entscheiden. Und ich verfasse ja auch keine bösen Nachrichten, wenn jemand sich gegen Kuhmilch entscheidet.
Tarik: Aber hatte das dann auch eine Konsequenz für dich? Hast du dann für dich entschieden, "Okay, das Thema Kuhmilch lasse ich jetzt erstmal aus meinem Insta-Feed raus"?
Valeska: Nein, das nicht. Gar nicht. Also, dann habe ich bewusst jeden Tag meine Kuhmilch gezeigt. Ich lass mir doch nicht von irgendjemandem sagen, was ich zu zeigen habe.
Tarik: Richtig so.
[20:30] Thema: Essensrituale zum Schulstart
Tarik: Julia, wie ist es denn bei dir? Eines deiner Kinder wird jetzt bald in die Schule gehen, richtig? Ähm, das erste quasi. Und machst du dir Gedanken darüber, wie sich eure Essensrituale aufgrund dessen verändern werden?
Julia Nissen: Mhm. Also, es kommt erstmal das frühe Aufstehen dazu und das wird für uns alle ein starker Einschnitt werden. Und abgesprochen ist es so die Theorie, mal gucken, wie wir es nachher umsetzen, dass ich morgens mit meinem Sohn früher aufstehe, weil er ja auch zum Bus muss und wir in Ruhe frühstücken. Meine Mutter hat das selber mit mir fast Jahrzehnte gemacht und das hat mir immer total einen ruhigen, vernünftigen Start in den Tag gegeben und das würde ich gerne fortführen. Momentan ist es so, dass wir nur am Wochenende sehr lange und ausführlich frühstücken und in der Woche gar nicht, weil das im Kindergarten so zelebriert wird. Da kommen dann alle an einen Tisch und wir bringen die halt um 8:30 Uhr und um 8:30 Uhr ist Frühstück. Deswegen haben wir das morgens nicht, aber das wird sich durch den Schulstart jetzt alles ändern und dann ist das auf jeden Fall geplant. Ja, freue ich mich auch drauf.
Tarik: Ja. Und Julia 2, wie wichtig sind denn so Essensrituale für Kinder und welche Rolle sollten sie in der Erziehung auch spielen?
Julia Elert: Also, ich finde es tatsächlich sehr wichtig, dass Kinder regelmäßige Mahlzeiten einnehmen und letztendlich ist es natürlich auch eine Möglichkeit, als Familie gemeinsam Zeit zu verbringen und am Tisch auch über den Tag zu sprechen. Die Kinder auch mit einzubeziehen. Ich finde es total toll, dass du deine Kinder auch fragst, was sie gerne in ihre Schulbox reinhaben möchten und ein Kind dort einfach auch genau in den Ernährungsteil direkt mit einzubeziehen. Und letztendlich gibt es natürlich auch so ein bisschen Tagesstruktur, wenn regelmäßige Mahlzeiten eingenommen werden und ja, am Ende die Nährstoffe beziehungsweise die Energie, die da aufgenommen wird in den regelmäßigen Mahlzeiten, die sind natürlich gerade für so ein Schulkind unfassbar wichtig. Denn man muss dazu sagen, so ein Kind kommt in die Schule, es ist erstmal was ganz Neues. Es wird auf jeden Fall einen Haufen Energie benötigen, um dort das alles Erlebte zu verarbeiten. Und da ist natürlich besonders wichtig, dass es einfach gut versorgt ist, und ja, da spreche ich nicht nur vom Essen übrigens, sondern eben auch vom Trinken. Das ist auch ganz wichtig.
Tarik: Wie ist denn das dann eigentlich vor allen Dingen bei dir, Valeska, welche Rolle hat denn dann die Pausenbox in so einem Essensthema, wenn es um die Schule geht? Denn ganz viele Schulen sind ja mittlerweile auch so, dass es Ganztagsschulen sind. Es gibt dann vielleicht auch eine Kantine. Wie ist es bei deinen Kindern? Bekommen dann wirklich alle noch die Pausenbox oder ist das Essen dann nicht eh schon vielleicht über die Schule geregelt?
Valeska: Nee, bei uns ist das so, dass die Kinder in der ersten Pause in der Schule das essen, was sie von zu Hause mitbringen, und im Zweifelsfall in der zweiten Pause auch. Also, wenn sie lange Schule haben. Und die Großen, also auf der weiterführenden Schule, die haben richtig Mittagessen in der Schule, und die Kleinen kommen allerdings schon um 12 Uhr nach Hause, also die Grundschüler, und die essen mittags immer zu Hause.
Tarik: Und dann bei den Großen, haben Eltern denn Einfluss darauf eigentlich, was dann so in der Schulkantine auf dem Teller landet, und gibt es dann auch wie so klassisch, wie man sich aus so Filmen kennt, so Streitereien zwischen den Eltern, die halt wollen, dass es nur vegan gibt, die Eltern, die halt sagen: "Hey, wir wollen aber auch tierische Produkte", oder ist es einfach ein friedliches Miteinander, wie man es sich wünschen würde?
Valeska: Also, ich weiß gar nicht, ob es da wirklich mal zu Streit gekommen ist bei unserer Schulkantine. Auf jeden Fall ist es größtenteils vegetarisch und bio und bisher sind die immer gut gesättigt nach Hause gekommen.
Tarik: Das heißt, es gibt dann einfach wirklich alles und das Thema Nachhaltigkeit oder auch vegane Ernährung spielt zumindest in deinem Kontext gar keine große Rolle?
Valeska: Ja, gut. In der Schule essen die ja größtenteils vegetarisch und wir haben auch so ein Kind, was nur Nudeln ohne Soße isst, und der lässt sich dann...
Tarik: Das sind die besten Kinder, Leute.
Valeska: ...und der lässt sich dann auch wirklich nur quasi die Nudeln oder den Reis ohne Soße geben, aber auch der wird satt und zu Hause essen die dann Currywurst und Pommes. Nein, natürlich nicht, obwohl es auch sehr köstlich ist.
Tarik: Ja, zwischendurch definitiv. Gerade in Nordrhein-Westfalen, gerade in Köln, ich komme aus dem Ruhrgebiet und da gibt's ja die beste Pommes-Currywurst, wie man weiß, aber in Köln gibt es auch sehr, sehr gute Stellen, wo man köstlich Pommes-Currywurst essen kann. Ist auch, glaube ich, sehr, sehr gesund, oder Julia 2? Pommes-Currywurst sollte doch auf jeden ausgewogenen Speiseplan kommen.
Julia Elert: Tatsächlich habe ich auch am Wochenende erst eine Currywurst mit Pommes gegessen, nämlich im Strandbad. Da gehört das irgendwie dazu.
Tarik: So, und wenn du die isst, dann ist das doch quasi abgesegnet aus dem Food-Himmel von ganz, ganz oben.
Julia Elert: Nein, aber ich finde wirklich, wenn man generell darauf achtet, dass die Kinder sich einigermaßen gesund ernähren, dann spricht doch auch definitiv nichts dagegen, wenn man zwischendurch mal beim Burgeressen ist oder wirklich Pommes rot-weiß. Mache ich auch zwischendurch gerne.
[25:30] Thema: Picky Eaters und die Kosten gesunder Ernährung
Tarik: Ja, definitiv. Hey ihr beiden, wir haben jetzt hier eine ziemlich spezielle oder interessante Mischung, denn wir haben zwei Mütter und wir haben aber auch eine Ernährungsexpertin. Ich kann jetzt hier noch 1000 Fragen stellen, aber ich könnte mir denken, dass ihr beiden vielleicht auch Fragen oder eine Frage an Julia habt, wenn es so um das große Thema Ernährung, Kinder, Schulstart, Pausenbox, Abendessen, Abendritual, Milchprodukte, vegane Produkte geht. Habt ihr denn da was?
Valeska: Ich habe wirklich eine Frage und zwar, was würdest du denn mit einem Kind machen, was einfach nur die Nudeln pur ohne Soße oder einfach nur den Reis ohne irgendwelche Beilagen essen möchte oder aber – das Kind haben wir ja auch – gar kein Gemüse isst?
Julia Elert: Ja, das ist natürlich immer mal wieder Thema und ich kann dir versichern, du bist auf jeden Fall nicht die Einzige, die damit zu struggeln hat. Also, das habe ich schon oft gehört, selbst in meinem eigenen Familienkreis gibt es Kinder, die einfach sagen: "Ja, die Nudeln reichen mir ohne Soße oder ich mag einfach kein Gemüse". Es ist wichtig, Kinder nicht zu etwas zu zwingen. Also es macht überhaupt keinen Sinn zu sagen, ja, wenn du das jetzt nicht isst, dann weiß ich nicht, gibt's auch kein Nachtischeis oder du musst auf dein Zimmer gehen, darfst nicht Fernsehen gucken. Das funktioniert nicht. Damit kriegt man Kinder auf gar keinen Fall rum. Wichtig ist immer, dass man es immer wieder anbietet, dass man vielleicht auch einfach verschiedene Varianten anbietet, zum Beispiel vielleicht mag dein Kind keine Tomaten oder keine Gurke oder keine Paprika in roher Form, aber wenn du zum Beispiel alles in eine Tomatensoße machst und die pürierst und der sieht gar nicht mehr, was da eigentlich alles drin war, dann geht es vielleicht plötzlich. Oder vielleicht mag jemand überhaupt kein Obst essen, aber wenn du es pürierst und in den Joghurt untermischt und vielleicht auch noch ein klein bisschen Honig dazu machst, dann geht es plötzlich. Also da vielleicht auch einfach ein bisschen gucken, mal Varianten auszuprobieren, vielleicht auch die Kinder wirklich mit einzubeziehen. Hey, auf was habt ihr Lust? Was wollen wir vielleicht zusammen kochen? Auf was können wir uns einigen? Bei sieben Kindern ist es natürlich wahrscheinlich nicht ganz so einfach. Vielleicht kriegt dann einfach jeder so seinen Tag, an dem er sich dann aussuchen kann, was gekocht wird. Und ja, nicht aufgeben, also nicht aufgeben, nicht zwingen, gutes Vorbild sein und immer wieder anbieten und vielleicht einfach Variationen schaffen.
Valeska: Mhm. Wir kochen tatsächlich oft zusammen.
Julia Elert: Ja.
Valeska: Das gehört auch so mit dazu. Ich finde das wirklich total wichtig. Also zum einen, dass sie es auch können, wenn sie irgendwann mal ausziehen, und einfach, dass sie auch sehen, was im Essen drin ist.
Tarik: Ja, aber ich finde das super Tipps von dir, Julia. Vor allem halt auch wirklich darauf zu achten, auf das Bedürfnis des jeweiligen Kindes einzugehen. Und ich glaube, meine liebe Mutter, die eine tolle Mutter ist, hätte sich mal mit dir früher unterhalten sollen, weil dann hätten wir uns auch sehr, sehr viel Drama ersparen können, aber sehr gut. Auf jeden Fall darauf zu achten, hey, wenn das Kind keinen Bock auf die rohe Tomate hat, dann doch vielleicht mal als Püree oder eben schon voll gegart. Julia, was ist deine Frage an Julia?
Julia Nissen: Meine Frage, die mich sehr bewegt hat jetzt so immer mal wieder in den letzten Jahren und jetzt ist sie wieder akut, ist die Frage des Preises. Also, wenn wir im Kindergarten diskutieren über das Kantinenangebot, dann geht es nicht darum, ob das jetzt gesund ist oder was damit drin ist oder wie reichhaltig das Angebot ist, sondern was es kostet. Gerade jetzt wird alles teurer aktuell, dementsprechend steigen da auch die Kosten. Hast du da einen Tipp? Was gehört in eine gute Brotdose oder Pausenbox mit rein und ist auch noch in Anführungsstrichen bezahlbar?
Julia Elert: Mhm. Ja, das ist natürlich auch immer eine Aussage, die schnell getroffen wird: Gesundes Essen ist teuer. Ich meine, im Moment wird natürlich alles sehr viel teurer, was aber nicht unbedingt bedeutet, dass eine gesunde Ernährung auch teuer ist. Man sollte auf jeden Fall darauf achten, dass man regionale Produkte verwendet, ne? Die haben natürlich einen viel kürzeren Transportweg, andere Lagerbedingungen. Selbstverständlich sind Lebensmittel, die aus Übersee eingeflogen werden oder eingeschifft werden, um einiges teurer und haben am Ende auch viel, viel weniger Nährstoffe als regionale Produkte. Dementsprechend an der Stelle gerne gucken, dass man hier einfach regionale Produkte einkauft. Für die Stadtmenschen unter uns, die kennen es vielleicht. Es gibt auch einige Supermärkte, die tatsächlich auch so Lebensmittel vorm Wegschmeißen retten, nämlich welche, die kurz vorm Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums stehen. Da kann man dann hingehen und kann tatsächlich auch Produkte einkaufen, die noch total gut sind und die dann vielleicht um die Hälfte reduziert sind. Und ansonsten: Es muss ja auch nicht immer Fleisch sein. Ja, Fleisch ist natürlich auch teuer, Fisch ist teuer, aber pflanzenbasierte Ernährung, wenn man das mal runterbricht, ist definitiv nicht teurer, als wenn man zum Beispiel nur Tiefkühlkost kauft. Und hier muss ich mich vielleicht auch noch berichtigen beziehungsweise noch einen kleinen Tipp geben. Ich bin ein sehr großer Fan von Tiefkühlgemüse, was nicht behandelt ist, also wo kein "Blubb" dabei ist, wenn man die Verona Pooth zitieren möchte. Also Gemüse, was tiefgefroren ist, was schockgefrostet ist, wo keine Soße, keine Zusatzstoffe oder sowas dabei sind. Und die halten sich auch lange, ne? Man muss nichts wegschmeißen, was ja auch irgendwie noch mal Geld spart, und man hat dann auch immer mal was auf die Schnelle, was man vielleicht noch kurz zubereiten kann und was dann auch einfach schnell geht. Und es ist, glaube ich, langfristig gesehen auch kostengünstiger, als wenn man vielleicht immer nur frisches Gemüse und frisches Obst kauft.
[30:00] Thema: Nachhaltigkeit und Slogans für gesunde Ernährung
Tarik: Julia, du hast es gerade schon gesagt, richtig gute Tipps. Auch einfach mal auf Fleisch vielleicht zu verzichten, zu gucken, dass man regional einkauft oder eben dann auch mal ins Tiefkühlregal packt. Das sind ja alles schon auch Themen, wo man sagen kann, hey, da geht's auch schon um Nachhaltigkeit, um so einen bewussten Umgang mit Essen. Valeska, deine Kinder sind ja mittlerweile auch schon ein bisschen älter. Und da würde mich interessieren, sind denn so Themen wie Nachhaltigkeit, wenn es ums Essen geht, auch Themen für deine Kids?
Valeska: Auch ich glaube, dass sie da schon relativ bewusst mit groß geworden sind. Also die müssen ja auch ab einem gewissen Alter einkaufen gehen und wir kaufen total viel regional und saisonal und tatsächlich auch viel auf dem Markt, also gar nicht im Supermarkt, und die achten da schon drauf, ne, dass das Gemüse und Obst nicht in Plastik eingepackt ist. Also ist ja auf dem Markt einfach nicht. Und ich glaube, wenn du darauf achtest, dass das Gemüse und das Obst Saison hat, ist ja sowieso schon mal sehr nachhaltig. Also Erdbeeren gibt's bei uns halt einfach im Winter nicht. Findest du dann auch nicht bei uns auf dem Feld. Und so kleine Dinge machen schon echt viel aus.
Tarik: Und bei dir, Julia, das Thema Nachhaltigkeit? Ich kann mir vorstellen, gerade auf dem Land, weil man dann eben doch vielleicht auch die Bäuerinnen und Bauern kennt, die Wege einfach zu den Produzenten viel, viel kürzer sind, hat es, glaube ich, manchmal vielleicht auch schon so eine ganz automatische Nachhaltigkeit, oder?
Julia Nissen: Mhm. Und wir haben ja große Gärten. Also es wird ja vieles auch selber angebaut. Natürlich jetzt nicht, dass man sich da das ganze Jahr von selbst verpflegen kann, aber ich find es schon spannend, auch mit den Kindern da gemeinsam zu ackern und so Kartoffeln und so ein paar Sachen gehen ja super einfach. Aber wenn dann jetzt mit einmal irgendwie eine Schnecke sich den Salat vorher geschnappt hat, dann finde ich gehört das auch dazu und dann kann man halt so spielerisch erklären, ja, wie ist das denn jetzt gekommen und was machen wir denn da jetzt, ne? Und wie ist das denn im Großen zum Beispiel? Also das macht unheimlich Spaß und da sind die auch wirklich sehr, sehr lange beschäftigt. Aber ansonsten bei uns ist samstags der Wochenmarkt in der nächstgrößeren Stadt und da versuchen wir schon viel einzukaufen. Wir haben ein ganz gutes Hofladennetz, wo man direkt vom Markt einkaufen kann. Das funktioniert auch sehr gut und wir haben einen sehr coolen Unverpacktladen. Aus dem Ernährungsbereich nennt man das glaube ich Nudging, ne? Also die haben das so richtig drauf, die Sachen so geil zu präsentieren, dass die Kinder halt gar keinen Bock auf einen Schokoriegel haben, weil die Äpfel so cool präsentiert wurden, dass sie dann sagen, dann nehme ich lieber einen Apfel.
Tarik: Gucke mal. So kann man also auch Kindern quasi so über das Forschen und Erkunden und auch über so ja auch doch da mal vielleicht sehr komplexe Themen über das Tun – und das ist ja auch Teil eures Magazins, wenn ich richtig verstanden habe –, quasi übers Tun und Erkunden so große und wichtige Themen wie Nachhaltigkeit einfach näher bringen, oder?
Julia Nissen: Mhm, genau. Das versuchen wir.
Tarik: Und das macht ihr und das macht ihr alle ganz, ganz großartig. Und ich möchte jetzt gerne noch einmal zum Schluss, denn du bist ja, Julia, du bist ja auch digitale Bürgermeisterin, ja?
Julia Nissen: Das heißt...
Tarik: Du hast politischen Einfluss und den haben wir jetzt alle einfach mal, wenn wir Bürgermeisterin unserer eigenen Stadt wären und uns auch für das Thema gesunde Ernährung, reichhaltige Ernährung für Kinder stark machen wollen würden. Was wäre unser Slogan für alle Eltern? Aka der eine Tipp: Julia, du bist schon digitale Bürgermeisterin, das heißt, du fängst jetzt vielleicht mal an.
Julia Nissen: Ich dachte, der Kelch geht jetzt einmal vorbei.
Tarik: Nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein. Du sag ja, also...
Julia Nissen: Der abgedroschenste ist ja: Wissen, wo es herkommt, oder? Regional, genial.
Tarik: Oh, das gefällt mir. Ja, ich glaube, dafür würde ich mich entscheiden. Regional, genial, liebe ich, wähle dich. Valeska?
Valeska: Milchreismontag für alle.
Tarik: Toll, bin ich dabei. Nicht schlecht. Und jetzt natürlich zum Schluss von der Ernährungsexpertin.
Julia Elert: Mir ist tatsächlich ein kleiner Reim in den Sinn gekommen. Der da lautet: Ausgewogen und gesund, Lebensmittel sind kunterbunt.
Tarik: Toll. Schön. Du hast dich vorbereitet. Das klingt toll.
Julia Elert: Nein.
Tarik: Und dann kann man gleich noch das Thema Diversität mit reinbringen, denn wir sind ja alle vielfältig und toll, dass wir jetzt vielleicht so einloggen. Hey, vielen Dank an Valeska, vielen Dank an Julia, die hier in Berlin ist, und vielen Dank an Julia. Vielen, vielen Dank fürs Zuhören. Das war die sechste Folge von Let's Talk Milch. Schön, dass ihr zugehört habt und wenn ihr Lust habt, checkt gerne unsere anderen Folgen aus, zum Beispiel Folge 3 mit Jimi Blue Ochsenknecht. Viel Spaß damit, euer Tarik.
“Gesunde Ernährung bedeutet eigentlich nichts anderes als Vielfältigkeit, also vielfältige Ernährung.”
Julia Elert, Ernährungswissenschaftlerin im BerufsVerband Oecotrophologie e. V.
Sie gehört zu Deutschlands coolsten Vielfach-Müttern. Die @motherofsixdragons meistert ihren Alltag mit sieben Kindern unglaublich lässig und zeigt das auf ihrem Instagram-Kanal ihren knapp 60.000 Follower:innen. Dabei geht es nicht nur um Alltagstipps und Mami-Hacks, sondern um Ruhe, Gelassenheit und Zuversicht – der außergewöhnliche Lebensentwurf einer außergewöhnlichen Power-Mum.
Die Vielfalt und Faszination des Landlebens vermitteln, das ist die Herzensangelegenheit von Julia Nissen. Die dreifache Mutter ist Nordfrieslands erfolgreichste Agrar-Influencerin mit 25.500 Follower:innen – und das nicht nur auf Social Media: Julia verantwortet das Matsch!-Magazin über Natur- und Umweltthemen für Kinder, schreibt in ihrem preisgekrönten Blog Deichdeern über das Leben und Genießen auf dem Land, ist Dozentin an der Universität Kiel, Gründerin der Landerlebnis-Plattform „App aufs Land“ und Bürgermeisterin des digitalen Klönstedt.
Julia Nissen auf Instagram
Die Oecotrophologin ist beim BerufsVerband Oecotrophologie e. V. für die Öffentlichkeitsarbeit zu ständig. Sie kennt sich also nicht nur mit Ernährung bestens aus, sondern weiß genau, was in den sozialen Medien abgeht. Sie hat viel mit Kindern gearbeitet und weiß, was die Kleinen gerne essen und wie man sie dazu kriegt, auch das Gemüse vom Teller zu essen.
Julia Elert auf LinkedIn
Der Moderator und Podcaster ist bekannt aus dem Online-Format „Jäger & Sammler“ im ZDF und der Talkshow „deep und deutlich“ im NDR. Im Podcast „Tratsch & Tacheles“ spricht er mit der Moderatorin Hadnet Tesfai offen und ehrlich über die latest news aus der Popkultur. Mit seinen glamourösen Fashion-Statements auf seinen Social-Media-Kanälen gilt Tarik als der deutsche Billy Porter.

