Podcast #7
Unter einem modernen Kuhstall denken viele als erstes an Melkroboter. Wie sieht es wirklich aus und wie positiv beeinflusst die Technik Mensch und Tier? Tech-Visionär Dr. Jakob Vicari und Autorin Vreni Frost diskutieren drüber bei Let’s talk Milch.
Saugroboter, Fitnesstracker, Gesundheits-Apps – klingt wie der Alltag eines Hightech-Freaks? Ist aber tatsächlich Alltag in vielen Kuhställen. Denn nicht nur unser Leben wird immer vernetzter, auch das Leben der Landwirt:innen und ihrer Kühe ist ziemlich digitalisiert. Warum entscheiden sich Milchwirt:innen eigentlich für diesen Technologie-Einsatz? Arbeiten sie dadurch nachhaltiger? Wie wirkt sich das auf das Verhältnis von Mensch und Tier aus und was bedeutet das am Ende für das Produkt, die Milch?
Tarik spricht mit dem Tech-Experten und Wissenschaftsjournalisten Dr. Jakob Vicari und der Autorin und Moderatorin Vreni Frost über die sinnvolle Verbindung von Technologie und Natur, das Internet der Dinge im Stall und Daten aus dem Kuhmagen. Klingt abgefahren? Ist es auch! Was dahinter steckt, erfahrt ihr in der siebten Folge von Let’s talk Milch.
Alle Folgen findet ihr ab sofort auf Apple Music, Spotify und Deezer.
Podcast: Hightech im Kuhstall – Jetzt anhören!
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[00:00] Thema: Intro und die Rolle von KI im Alltag
Jakob: Wir erwarten, dass alle Kühe Namen haben, aber warum haben die eigentlich keine E-Mail-Adresse, kein Social Media Profil, dass ich ihnen folgen kann, wie es ihnen geht und auch mal sehen kann, dass es ihnen vielleicht auch nicht gut geht?
Freni: Ja, wie wir beide schon übereingekommen sind, Transparenz ist das Stichwort, ne?
Jakob: Ställe dürfen keine Blackboxes sein und da glaube ich, kann Technologie die Brücke sein.
Tarik: [Podcast-Musik] Willkommen bei Let's Talk Milch, dem Podcast der Initiative Milch. Wisst ihr, was Sterneköche, Celebrities, Jungbäuerinnen, Food-Startups und Latte-Art-Künstlerinnen vereint? Ich bin Tarik und verrate es euch hier bei Let's Talk Milch. Saugroboter, Fitness-Tracker, Gesundheits-Apps. Klingt wie der Alltag eines Hightech-Freaks, ist aber tatsächlich Alltag im Kuhstall. Und wie genau dieser tierische Alltag ausschaut, darum geht es heute in der siebten Folge von Let's Talk Milch. Ja, ihr merkt schon, nicht nur unser Leben wird immer vernetzter, auch das Leben der Landwirt:innen und ihrer Kühe ist ziemlich digitalisiert. Aber welche Rolle spielt künstliche Intelligenz, also KI, im Kuhstall? Wird die Milch dadurch nachhaltiger? Was macht das mit Mensch und Tier? Und welchen Effekt hat das am Ende auf das Produkt, die Milch? Genau darüber sprechen wir heute mit dem Tech-Experten und Wissenschaftsjournalisten Dr. Jakob Vicari und der Autorin und Moderatorin Freni Frost. Schön, dass ihr da seid.
Freni: Hallo Tarik.
Jakob: Hallo Tarik.
Tarik: Ich freue mich sehr. Ich stelle euch beiden noch mal ein bisschen mehr vor. Freni, ich fange mit dir an und ich frage mich, was kannst du eigentlich nicht? Ich habe es gerade schon kurz erwähnt. Du bist Autorin, Moderatorin, aber on top bist du auch Podcasterin und Synchronsprecherin. Auf Social Media sprichst du auch über politische Themen, wie zum Beispiel Feminismus, aber auch Nachhaltigkeit. Und machen wir uns mal nichts vor, die eigentlichen Social Media Superstars in der Familie Frost sind deine Katzen, Freni.
Freni: Ja, Tarik, ich glaube, da hast du absolut recht. Suri, Willi und Flip könnten einen eigenen Kanal füllen und wir wissen ja, Katzen funktionieren im Internet einfach gut. Aber sie funktionieren auch, um zu unterhalten und nebenbei dann doch die sehr wichtigen Themen zu platzieren.
Tarik: Ob Jakob Katzen hat, das weiß ich gar nicht so genau, aber ich interpretiere dich als einen Mix aus Daniel Düsentrieb und Michel von Lönneberga, weil bei dir trifft Erfindergeist auf eine schelmische Freude an abenteuerlichen Experimenten. Und wie schon erwähnt, du bist Wissenschaftsjournalist und deine Steckenpferde sind künstliche Intelligenz, das Internet der Dinge und die moderne Landwirtschaft. Und du kannst mit Kühen sprechen bzw. dank dir können wir alle mit Kühen sprechen. Wieso, weshalb, warum? Darüber sprechen wir gleich. Hallo Jakob.
Jakob: Ja, ich freue mich auf das Gespräch und euch ein bisschen Einblick in die Werkstatt zu geben und wie die Technologie dahinter funktioniert, hinter unserem Projekt Superkühe.
Tarik: Ich freue mich sehr drauf. Eine Frage noch vorab. Ich habe es versucht zu googeln und ich habe es aber nicht verstanden. Was ist das Internet der Dinge?
Jakob: Das Internet der Dinge ist einfach der nächste Schritt des Internets, dass die normalen Dinge des Alltags eine Vernetzungsfunktion dazu bekommen. Also, wenn deine Kaffeemaschine plötzlich eine App hat, wenn deine Schlagbohrmaschine besser bohren kann, weil du einen Service im Internet dazu buchen kannst. Aber auch Smartphones sind Dinge im Internet der Dinge und viele Leute haben inzwischen smartes Licht zu Hause oder eine smarte Heizung. Und das ist das Internet der Dinge, das sehr unsichtbar ist für uns, aber das unseren Alltag enorm erleichtert. Und das Wichtige ist, das kommt und geht nicht mehr weg. Wir werden uns damit arrangieren müssen.
Tarik: Wir sprechen heute über KI im Kuhstall und für die Kuh ist ja der Kuhstall so etwas wie das Office, das Wohnzimmer oder auch der Treffpunkt mit Freundinnen. Wie schaut es bei euch aus? Welche Rolle spielt KI in eurem Alltag? Freni?
Freni: In meinem Alltag spielt KI eine bisher sehr geringe Rolle bzw. ich nutze seit Ewigkeiten die Diktierfunktion auf meinem Smartphone und meine Freundinnen lachen sich immer tot, wenn sie das noch nicht kennen von mir, weil sie denken, ich nehme eine Sprachnachricht auf. Aber da ich ja Komma und Ausrufezeichen und alles mitdiktiere, funktioniert das sehr gut. Du bist einfach so viel schneller. Ich brauche für eine E-Mail, für die ich sonst 10 Minuten brauche, brauche ich 2 Minuten. Und da bin ich auch wieder bei meinem Thema Feminismus, weil die KI von meinem Smartphone die weibliche Form noch nicht erkennt. Wenn ich "Polizistin" sage, zum Beispiel, macht sie daraus "Polizisten". Und das bin ich lustigerweise gerade auch am Ergründen, warum meine Spracherkennung das nicht kann. Und ich glaube, ich spreche sehr deutlich und dem gehe ich gerade auch auf den Grund. Deswegen, doch ich nutze KI. Ja.
Tarik: Du bist Team KI, Jakob. Du glaube ich sowieso, ist dein Alltag voller KI?
Jakob: Mein Alltag ist auch teilweise noch sehr analog, wenn ich in meiner Werkstatt stehe und bastle oder 3D-drucke. Natürlich ist der Alltag voll mit KI. Viel KI, die ich nicht sehe, und ich habe so ein privates Battle mit der KI, dass ich, wenn ich auf eine Idee komme oder einen Claim suche, dass ich immer gucke, ob die KI vielleicht einen besseren Claim als ich finden könnte. Und das ist ziemlich erschreckend, wie gut die KIs sind. Aber immer noch so das Glücksgefühl als Kreativer, wenn man es ausreizt und denkt, auf die Idee ist eine KI noch nicht gekommen.
Freni: Was ist die KI, die du nicht siehst? Das finde ich jetzt gerade spannend. Du hast gemeint, du hast um dich KI, die du nicht siehst im Alltag.
Jakob: Na, zum Beispiel die Empfehlungsalgorithmen. Was kriege ich angezeigt...
Freni: Das ist ja auch KI. Ja, klar.
Jakob: Oder die KI in meinem Smart Home, die die Temperatur in meinem Haus steuert nach meinem Nutzungsverhalten. Im Idealfall nehme ich das ja gar nicht wahr.
Tarik: Spannend. Ja, ich glaube, wir sind mittlerweile so krass von KI umgeben, dass wir es eben dann gar nicht mehr mitbekommen, in welchen Momenten wir dann doch künstliche Intelligenz in unserem Alltag haben. Freni, ich weiß ja, dass dein Herz für Tiere und auch für Tierwohl schlägt, aber Butter bei die Kühe, wann warst du das letzte Mal in einem Kuhstall?
Freni: Du, das ist gar nicht so lange her.
Tarik: Mhm.
Freni: Und zwar war das, ich denke, so vor fünf Jahren. Da habe ich eine Pressereise gemacht und war in Österreich unterwegs und habe dort eine Landwirtin besucht. Die war 28 Jahre alt, hat den Hof von ihren Eltern übernommen. Und mit ihr bin ich die Kühe einfangen gegangen auf der Weide. Sie hat sie dann gerufen, die kamen dann auch alle. Und mit ihr habe ich auch darüber gesprochen, dass sie ihre Rinder selbst schlachtet und fand das ganz spannend und habe mit ihr dazu ein Interview geführt.
[04:45] Thema: Das WDR-Experiment "Superkühe" und Pansen-Sensoren
Tarik: Super. Jakob, lass uns doch jetzt über dein Projekt sprechen, das WDR-Experiment Superkühe, bei dem du es geschafft hast, dass man mit Kühen sprechen kann. Erzähl mal ein bisschen, worum geht's genau bei diesem Experiment?
Jakob: Na, der Ausgangspunkt war, ich bin, anders als Freni, so überzeugter Großstädter in Berlin aufgewachsen, in Hamburg gewohnt und stand dann im Supermarkt vor dem Milchregal mit den 25 Sorten Milch: Weidemilch, Biomilch, Frischmilch, Milch im Kreidebeutel. Und habe mich gefragt, ich will eigentlich nur die Milch kaufen von den guten Bauern und den glücklichen Kühen und welche ist das wohl? Und da dachten wir, können wir vielleicht die Kühe befragen? Dass die uns sagen, wie geht's ihnen? Und dann habe ich mich mit zwei Kolleginnen zusammengetan und wir haben überlegt, wie könnte das funktionieren, Kühe zu befragen mit Sensoren? Welche Sensoren gibt's da überhaupt? Und dann haben wir angefangen, Sensoren zu basteln. Also selbst Sensoren zusammenzustecken, zu programmieren: Wie viel bewegt sich die Kuh? Was ist die Temperatur im Stall? Wo ist sie im Stall? Und haben das getestet.
Tarik: Und die Sensoren waren wo bei der Kuh dann?
Jakob: Ursprünglich war die Idee, die in so eine Art Kuhglocke einzubauen mit einer Kamera. Das haben wir aber getestet und Kühe sind sehr robust. Also, unsere Technik ist immer wieder kaputt gegangen. Und dann haben wir uns entschieden, dass wir Sensoren nutzen, die schon eingesetzt werden und wo wir auch sicher sein können, dass wir den Kühen keinen Schaden zufügen. Und da war unser Traum praktisch aus dem Inneren der Kuh zu berichten. Wenn man sich ein bisschen mit Kühen auskennt, weiß man, dass es Kühen vor allem gut geht, wenn die Verdauung gut funktioniert. Da sitzt so das Kuhglück und deshalb haben wir dann Pansen-Sensoren entdeckt, also Sensoren, die aus der Kuh heraus berichten.
Tarik: Und dann war quasi ein Sensor im Pansen. Und wie groß war dieser Sensor? Und hat das dem Tier da nicht doch auch ein bisschen geschadet, wenn da so ein Sensor im Pansen rumwubbelt, panzt? [lacht hörbar]
Jakob: Das war natürlich die ganz entscheidende Frage, etwas zu finden, was den Kühen nicht schadet. Und wir haben dann den Weltmarktführer für Pansen-Innensensorik aufgetan in Graz und haben die überredet, dass wir deren Sensorik benutzen dürfen, weil die schon in 100.000 Kühen steckte und da ist nie was passiert. Und der Sensor, das ist ein Bolus, der ist ungefähr so groß wie ein Kugelschreiber, ein bisschen dicker. Und das ist für die Kuh wie so eine Art Medikamentengabe, wie wenn wir ein Aspirin schlucken. Und der wird der Kuh in Anwesenheit eines Tierarztes oder einer Tierärztin verabreicht und ist dann relativ schwer und bleibt dadurch im Pansen liegen. Ich war dabei und die Kühe haben den ganz ohne Probleme vertragen.
Tarik: Was ich mich jetzt aber gerade frage, wenn ihr so ein Experiment macht, kann ich mir vorstellen, also ihr braucht ja da Partnerhöfe, die das machen und ich kann mir vorstellen, dass da nicht jeder Bauer Juhu schreit, wenn ihr sagt: "Hallo, wir würden gerne eure Kühe untersuchen." Wie war da der Prozess bei euch?
Jakob: Na, erstmal brauchten wir ja Testhöfe und ich habe meine Milch immer auf einem Bauernhof in Schleswig-Holstein gekauft und habe gefragt, ach, kann ich das mal bei euch im Stall testen? Und da gingen sofort die Alarmglocken an und die haben gesagt: "Internet, Sensoren, Technik bei uns im Stall? Auf gar keinen Fall." Und dann haben wir uns durchtelefoniert und versucht Landwirt:innen zu finden, die bereit sind mitzumachen. Und das war wirklich schwierig. Also, wir sind auf Höfe gefahren und man wusste dann, wenn man nach einer halben Stunde ein Glas Wasser angeboten kriegt, dass man irgendwie so das Interesse geweckt hat.
Tarik: Man hat den Fuß im Kuhstall.
Jakob: Genau. Und das Schwierigste war tatsächlich gar nicht so sehr die Technologie, sondern tatsächlich, dass wir aus unserem journalistischen Ansatz heraus wollten, dass sie uns den Stall öffnen.
Freni: Na klar. Transparent macht. Ja, sicher.
Jakob: 30 Tage lang, 24 Stunden, und auch anliegen... wir haben ja mit Livedaten gearbeitet, all das zeigen, was da passiert. Also Livedaten kann man halt dann auch nicht nachträglich autorisieren oder so. Die gehen halt raus in die Welt und wenn die Kuh krank ist, dann sieht das Publikum, dass die Kuh krank ist und auch leidet.
[09:20] Thema: Was macht eine Kuh glücklich? Individualität vs. Haltungsform
Tarik: Mhm. Ich glaube, wir fassen das vielleicht noch mal ein bisschen zusammen, damit alle Zuhörer:innen auch verstehen, was das Superkühe-Experiment ist. Es gab ja drei Kühe und diese drei Kühe sind in unterschiedlichen Arten der Tierhaltung und über diese Sensoren konntet ihr quasi Daten sammeln, um zu gucken, wie glücklich sind diese drei Kühe. Jetzt frage ich mich natürlich, was heißt denn, dass eine Kuh glücklich ist? Was macht die Kuh glücklich und was waren das für Daten, die ihr quasi über die Sensoren gesammelt habt bei diesem Experiment?
Jakob: Wir haben uns drei Höfe gesucht, die möglichst unterschiedliche Haltungsformen haben. Wir hatten einen kleinen Einfamilienbetrieb in der Nähe von Köln. Wir hatten einen Biohof mit einem sehr technologisch orientierten Landwirt in der Nähe von Paderborn und wir hatten einen Großbetrieb mit richtig vielen Kühen in der Nähe von Kleve am Niederrhein. Und das sind so ganz unterschiedliche Haltungsformen, die möglichst repräsentativ sein sollten für verschiedene Arten von Höfen. Und auf denen haben wir drei Kühe gesucht, die möglichst zur gleichen Zeit kalben, weil wir wollten das wirklich parallel zeigen. Was erleben diese Milchkühe unterschiedlich und was ist vielleicht eine Gemeinsamkeit? Und diese drei Milchkühe, Uschi, Emma und Connie, haben...
Freni: Ich bin Team Uschi.
Tarik: Ich find's schon mal gut, dass alle drei Namen haben. Das finde ich schon mal ein gutes Zeichen.
Jakob: Und denen haben wir diesen Innensensor verabreicht und der misst tatsächlich die Innentemperatur, was ja ganz wichtig ist für die Kuhgesundheit, für viele Kuhkrankheiten und auch für die Kalbung, dass er die anzeigt. Und die Bewegung, wie viel bewegt sich die. Und auch den Pansen-pH-Wert. Also der Pansen-pH-Wert gibt an, wie sauer ist eigentlich der Magensaft bei der Kuh und daran kann man halt auch ablesen, klappt die Verdauung oder gibt's da Probleme.
Tarik: Und kann man auch sagen, desto mehr die Kuh frisst, umso glücklicher ist sie? Ist das eine Formel, die man aus dem Experiment ziehen kann?
Jakob: Also die Menge des Fressens auf gar keinen Fall, sondern es ist einfach ganz unterschiedlich. Eine Kuh in dem Großbetrieb, die in dem Laufstall war, die hat halt das Futter und das Wasser immer vor der Nase und da sind dann die Verdauungskurven ganz gerade und gleichmäßig. Während die Kuh Emma, die war auf einer Weide, die lag so am Hang und da war die Tränke oben und die Kühe standen aber immer unten am Waldrand. Die hat halt nur zweimal am Tag getrunken, wenn sie an der Tränke vorbeigegangen ist und da hat man dann gesehen, dass diese Kurven schon ganz schöne Ausschläge gemacht haben in der Verdauung.
Tarik: Und welcher ging es am besten?
Freni: Das wollte ich auch gerade fragen. Ist die Uschi die glücklichste Kuh? Weil Biohof, kann man das so sagen?
Jakob: Das auf gar keinen Fall. Das war uns auch ganz wichtig, das Experiment so anzulegen, dass wir halt kein Werturteil vorher treffen. Wir sind ja Journalisten und wollen den Menschen ermöglichen, sich selbst ein Bild zu machen und sich selbst zu entscheiden, welche Milch sie kaufen wollen und welche Kuh am glücklichsten ist. Und ich denke, man kann das so auf Menschen übertragen. Also, man kann ja Glück finden, dass man den ganzen Tag auf dem Sofa sitzt und nichts erlebt und die Adrenalinkurve so im Gleichgewicht ganz gerade verläuft, oder man liebt Bungee-Jumping, dann macht die Kurve ganz schöne Ausschläge und empfindet das als Glück.
Tarik: Wem geht's denn da jetzt am besten? Wir als Konsument:innen können ja mit den Kühen sprechen. Das heißt, es gab quasi Chats, richtig? Und über die konnte man quasi erfahren: Wie geht's der Kuh? Hängt die gerade nur rum? Ist sie gerade wieder irgendwie am Joggen draußen oder ist sie gerade am Fressen? Wie ist eigentlich gerade dein Leben so? Und da würd mich ja natürlich dann interessieren, was erzählen die mir denn dann?
Freni: Oder sagen die vielleicht auch: "Ich habe hier nicht genug Platz und ich habe kein geiles Futter."
Jakob: Also Kühe sind ja auch unterschiedlich. Von daher haben wir kein wissenschaftliches Experiment gemacht, sondern ein journalistisches mit nur drei Kühen. Deswegen ist es so schwierig zu sagen, der Bio-Kuh ging es am besten oder der im Großbetrieb. Weil das natürlich auch sehr individuell abhängig ist. Und ich fand es sehr erhellend, dass die Welt eben nicht so schwarz-weiß ist. Also dass es eben nicht die Biohof-Idylle ist und der Kuh in der alten Haltungsform es viel schlechter geht, sondern dass es viel entscheidender ist: Wer ist eigentlich da der Landwirt? Wie geht der mit seinen Tieren um? Wie genau hat er die im Blick, wie engagiert ist der? Und dass das viel entscheidender ist als jetzt irgendwelche Raster oder Muster, die man da von außen drüberlegt.
Freni: Vor allem, wie sehr wird die Kuh auch als Tier, als Lebewesen angesehen und nicht nur als Produkt. Ich glaube, das ist das, was mich auch als Verbraucherin am meisten interessiert.
Jakob: Und da muss man sagen, dass die drei Landwirt:innen, die wir ausgewählt haben, die haben ja freiwillig mitgemacht und sich geöffnet. Das heißt, wir haben jetzt auch eine Verzerrung da, weil wir tatsächlich Vorzeigebetriebe dann auch erwischt haben. So, und das waren auch alles drei Landwirt:innen, die sehr überzeugt davon waren, was sie tun und dass, wie sie ihre Tiere halten, die richtige Art ist, Kühe zu halten, obwohl die ganz unterschiedlich gehalten wurden.
Freni: Der Hof, den ich damals besucht habe, ich habe sie dann auch gefragt, warum sie kein Biohof ist, das ist ja doch alles tipptopp. Und dann hat sie zu mir gesagt: "Freni, das ist unfassbar teuer. Wenn ich jetzt ein Biohof werde, habe ich ganz andere Auflagen und guck mal, ich habe hier meine 30 Kühe, die durften auf eine Weide." Also die wirkten auch einfach echt alle super gesund. Und dann habe ich auch gemerkt, okay, Bio muss nicht unbedingt besser sein, weil wenn ich so einen Hof sehe wie bei ihr, da kam natürlich auch der ganze Ort hin und hat da eingekauft im Hofladen, sowas liebe ich ja auch. Aber wir Großstädter hier in Berlin, ich meine, wo soll ich denn einen Bauernhof mir angucken können? Meine Mutter hat in Brandenburg einen Hof und einen Metzger, den sie auch persönlich anschauen kann und kennt, aber sowas habe ich hier nicht.
Jakob: Und da glaube ich, kann Technologie die Brücke sein. Also, wenn wir das Leben der Milchkühe zeigen können, Transparenz herstellen können, dann ist das ganz großartig und dann verringert es diesen Abstand zwischen uns Großstadtbewohnern womöglich und den Landwirt:innen, aber auch den Milchkühen.
[16:45] Thema: Negative Assoziationen mit Technologie im Kuhstall
Tarik: Bevor ich jetzt mit Uschi chatte, liebe Freni, von Jakob wissen wir jetzt, dass er sich bestens mit Kühen auskennt. So ein bisschen ist es wirklich ein Talent und das liebt deine Community an dir. Und deine Community beschäftigt aber auch das große Thema der Nachhaltigkeit. Wenn es so um das Thema Ernährung geht, um "möchte ich gerne tierische oder nicht-tierische Produkte essen", was bekommst du da für ein Feedback und wie gehst du damit um?
Freni: Ich finde es total schön, dass die Community, die ich habe, sehr aufgeschlossen und tolerant ist. Also, dass mir selten etwas vorgeworfen wird, sondern dass ich eher angebrachte Kritik bekomme, wenn ich etwas tue oder sage, was jemandem nicht gefällt. Also, ich schätze sehr den Austausch, den wir haben. Und ich sage ja schon immer, ich bin alles andere als ein Nachhaltigkeitsengel. Ich bin auf dem Weg und gehe diesen Weg leider zu oft noch auf eine sehr bequeme Art und Weise für mich und muss mir dann oft auch an die eigene Nase fassen, wenn ich in meinem Kopf vermeintlich andere dafür verurteile, dass sie irgendwas tun, was ich aber schon gelernt habe. Und das ist auch ein Learning, zu begreifen, dass wir alle unsere Schritte gehen, aber in unserem eigenen Tempo. Und vielleicht machen die einen große Schritte, die anderen machen kleine Schritte, die einen rennen, die anderen gehen erstmal nur spazieren und gucken. Und das macht meine Community auch. Und das Schöne ist aber, dass ich sie mitnehmen kann und auch von der Community ganz viel lerne und auch Inspiration bekomme, weil ich ja tatsächlich auch Fragen stelle.
Tarik: Das heißt, zuhören und lernen voneinander und einem aber auch Zeit lassen, gerade wenn es um so ein großes Thema wie Nachhaltigkeit und Nachhaltigkeit bei Ernährung und dem allgemeinen Leben geht.
Freni: Absolut. Genau.
Tarik: Freni, wir sind mal rausgegangen, wir haben eine Straßenumfrage gemacht und haben die Leute gefragt, woran sie denken, wenn sie an KI im Kuhstall denken. Und die Assoziationen waren eher negativ. Ich lese mal euch beiden ein bisschen was davon vor: "Bei Technologie im Kuhstall denke ich als Erstes an Melkmaschinen, an so Bänder, wo dann die Kühe so fahren und automatisch an die Melkmaschinen dran genoppt werden."
Freni: Mm.
Tarik: Eine andere Person meinte: "Automatisierte Essensausgaben, Milchzapfanlagen, das ist alles technologisch, dass vielleicht nur noch eine Person das überwacht, aber sonst ist alles Technik." Und eine andere Person hat sogar Technologie im Kuhstall mit Massentierhaltung gleichgesetzt. Jetzt die Frage an euch beide. Überraschen euch diese doch auch negativen Assoziationen?
Freni: Überhaupt nicht.
Tarik: Warum?
Freni: Hättest du mir die Frage gestellt, ohne dass ich mich jetzt mit Jakobs Projekt auch beschäftigt hätte, dann wäre mir als Erstes der Gedanke gekommen an einen tristen, betongrauen Kuhstall, das Tier als Produkt, das Tier nicht mehr als Lebewesen. Ich hätte auch so eine Assoziation gehabt.
Tarik: Jakob, bei dir? Überrascht dich, dass Konsument:innen so über die Milchindustrie denken, wenn es um Tech geht?
Jakob: Es überrascht mich nicht, aber ich glaube, dass es falsche Bilder sind, die da entstehen. Also ich glaube, dass wer sich da näher mit beschäftigt, wird schnell feststellen, dass Tech Landwirt:innen dabei hilft, mehr Zeit für die Tiere zu haben. Dass auch das Bild des kleinen Hofes, wo eine Bäuerin, ein Bauer die Kühe melkt, dass das nur möglich ist, wenn man Melkroboter hat. Dass das auch eine Verbesserung sein kann im Kuhstall für die Kühe, dass man das erreicht, dass man Kühe besser in den Blick bekommt, dass keine Kuh verloren geht. Dass Melkroboter sicher die angenehmere Art sind für die Kühe, gemolken zu werden. Insbesondere, wenn die eine KI haben und das individuelle Euter der Kuh erkennen und besonders schonend melken können. Also die Technologie ist da, es hängt halt davon ab, wie man die einsetzt. Und wenn man sie richtig einsetzt, kann die ein großer Gewinn für das Tierwohl sein.
Freni: Aber weißt du, Jakob, was mein Problem an der Sache ist? So eine KI einzusetzen und Technologie einzusetzen, ist wahnsinnig teuer. Und ich glaube, so viele Landwirt:innen da draußen sind schon so in diesem kapitalistischen Wirtschaftssystem drin, in dem sie kaum überleben können, weil Milch zu Schleuderpreisen da raus muss. Wie könnte man das denn lösen? Das ist ja das große Problem, weshalb die Kühe ein Produkt werden und kein Lebewesen mehr sind.
Jakob: Genau. Die Technologie muss so verfügbar sein, dass sich auch die Kleinbetriebe Technologie leisten können und dass man sich die Technologie leisten kann, um das Tierwohl zu verbessern. Eine Möglichkeit ist natürlich, andere Landwirtschaftsformen zu fördern und auch den Technologieeinsatz in die Richtung zu fördern. Das andere ist, ein Bewusstsein bei den Verbraucher:innen zu schaffen. Das haben wir, glaube ich, alle versäumt. Das haben die Landwirt:innen versäumt. Das haben auch wir Journalist:innen versäumt. Also, wenn wir lernen, dass Technologie auch das Tierwohl verbessern kann, die Digitalisierung den Kuhstall erreicht hat, dann ist das auch für die Landwirt:in attraktiv, die in dem Sinne einzusetzen und nicht nur zur Optimierung der Wirtschaftlichkeit.
[22:15] Thema: KI in der Praxis und die smarte Waschmaschine als Vorbild
Tarik: Ja, aber was wären denn so drei Punkte, Jakob, wo du sagst, das sind drei Sachen, da wird das Tierwohl aufgrund von Technologie, aufgrund von KI verbessert?
Jakob: Na ja, wenn die Landwirt:in nachts geweckt wird von dem Alarm auf ihrem Smartphone und Bescheid kriegt, dass Kuh Emma ein Problem hat und dann in den Stall gehen kann und das Problem beheben kann, was sollte denn dagegen sprechen? Da ist der Kuh geholfen, da ist der Landwirt:in geholfen. Sie hat weniger Probleme. Wenn man viele Tiere hat, kann natürlich so eine Gesundheitssensorik helfen, dass man die Tiere nicht aus dem Blick verliert. Die Technologie kann auch dabei helfen, uns Informationen zu geben. Wenn wir wissen, Kuh Emma hat zu dieser Milchpackung beigetragen, die ich hier vor mir habe, dann gibt es eine ganz andere Verbindung zu dem Tier, die im Moment ja gar nicht da ist. Also, die Informationen sind im Prinzip da. Jeder kann sagen, von welchen Höfen kommt die Milch in dieser Milchpackung, aber sie erreicht uns am Supermarktregal einfach noch nicht.
Freni: Und das ist eigentlich ein ganz schöner Gedanke, denn wenn ich mir ein nachhaltiges Fair-Fashion-Teil kaufe, ist da ganz oft noch ein Zettel dabei, manchmal auch mit Foto: Wer hat das gemacht? Wie ist das entstanden? Das finde ich total schön. Und der andere Gedanke ist, was mir jetzt gerade so gekommen ist, weil man immer denkt, der Mensch, der muss das doch selber machen und selber melken. Dass du gesagt hast, dass diese Sensoren auch auf das individuelle Euter eingehen können. Da muss ich direkt an meine Waschmaschine denken. [lacht hörbar]
Tarik: Okay.
Freni: Ich sehe eure Blicke, denn ich habe gelernt, dass mein Handwäscheprogramm in der Waschmaschine viel besser ist für meine Wäsche, als wenn ich es wirklich von Hand wasche. Und das ist so ein bisschen ähnlich. Also, da ist die Maschine auch besser als der Mensch. Wusstest du nicht, Tarik?
Tarik: Ne, das wusste ich nicht. Nein.
Freni: Hast du wieder gelernt, nicht Handwäsche machen. Wenn deine Waschmaschine dieses Programm hat, schont das die Fasern viel mehr, als wenn wir es wirklich von Hand waschen.
Tarik: Also, wenn ich mit der Hand zu waschende Dinge habe, die ich nicht in die Wäscherei gebe, dann nutze ich auch immer das Waschmaschinen-Dingsbums da.
Freni: Genau.
Tarik: Aber ich traue dem nicht so richtig, du. Und ich glaube, die Maschine weiß auch, was sie macht, ne? Also lass sie mal machen hier.
Freni: Hältst du deine Waschmaschine für intelligent oder eher dumm?
Tarik: Ich finde die sehr, sehr schlau.
Freni: Siehst du? Dann lass doch mal machen. Red ihr doch nicht in ihren Job rein. [lacht hörbar]
Tarik: Ernsthaft?
Jakob: Wobei ich glaube, dass Melkmaschinen noch, oder Melkautomaten, Melkroboter, noch viel intelligenter sind als jede Waschmaschine inzwischen. Also es sind ja hochtechnologische Teile und ich würde mir auch einfach wünschen, meinen Melkroboter auf einer Milchpackung zu sehen. Also statt dieser idyllischen Bilder, die da überall drauf sind, die es eigentlich nicht unterscheidbar machen. Warum wird eigentlich die Technologie auf der Milchpackung, auf der Butterpackung versteckt?
[26:00] Thema: Technologietrends, Transparenz und die Zukunft der Milch
Tarik: Ich finde es voll cool, das gerade von dir alles zu lernen. Finde ich super spannend. Und sag mal, Jakob, was sind denn so die spannendsten Entwicklungen, wenn es um Technik im Kuhstall geht? Was beobachtest du da gerade? Was sind da vielleicht auch die Trends und wohin geht es vielleicht dann in der Zukunft?
Jakob: Kuh-Innensensorik ist natürlich total fancy und eine Revolution, weil man da einen Einblick in die Tiere kriegt, den man von außen gar nicht kriegen kann. Also eine Kuh ist ja von außen für einen Menschen relativ schwierig zu lesen erstmal. Und wenn man da erfassen kann, was in der Kuh vorgeht durch Sensorik, ist das natürlich großartig. Aber natürlich auch so Dinge, dass man versucht, Kühe mit Sensorik auszustatten. Wo sind sie eigentlich im Stall? Wo halten sie sich gerne auf? Und daraus versucht zu lernen, bessere Ställe zu bauen, die mehr auf die Kuhgewohnheiten Rücksicht nehmen. Für die Landwirt:innen ist natürlich die ganz große Technologie diese ganzen Automatisierungen. Das fängt an beim Futterschieber und beim Melkroboter...
Freni: Hätte ich zu Hause auch gerne mal, so einen Futterschieber. [lacht hörbar]
Jakob: ...und das hört ja auf bei den Robotern, die sich um das kümmern, was aus der Kuh wieder rauskommt und die Gülle wegmachen. Das erleichtert einfach den Landwirt:innen total die Arbeit.
Tarik: Jakob, kann man denn dann sagen, dass am Ende die Verbindung zwischen Mensch und Tier entscheidend ist, wenn es um Technologien geht im Kuhstall?
Jakob: Die Verbindung zwischen den Landwirt:innen und ihren Tieren ist, glaube ich, sehr durch Technologie geprägt und kann dadurch verbessert werden, weil den Landwirt:innen einfach mehr Zeit bleibt, um die Tiere zu beobachten, wenn sie technologische Unterstützung haben und die Sensoren ihnen natürlich auch wichtige Informationen geben.
Tarik: Freni, Jakob ist auf jeden Fall Team Tech. Wenn ich an deine Community denke, dann denke ich an junge politische Menschen, die sich bewusst und auch nachhaltig ernähren wollen. Und dann frage ich mich, welchen Stellenwert hat dann überhaupt Tech und Milchproduktion bei deinen Follower:innen und sind dann nicht viele, wenn sie hören "Milchproduktion", eh schon auf Alarm, weil sie gar keine tierische Milch trinken wollen?
Freni: Absolut. Ich versuche mich da ja selber auch einzuschränken, obwohl ich keine Veganerin bin und wie gesagt Käse und Joghurt und sowas auch gerne esse und versuche bewusst zu essen. Und ich glaube, dieses Bewusstsein ist bei vielen da und so wie ich jetzt über Technologie gelernt habe im Kuhstall, wird das viele da draußen auch sehr interessieren und auch vielleicht nicht mehr dieses dystopische Bild im Kopf hervorrufen, sondern eher ein Bild, was das Tierwohl unterstützen kann. Und das finde ich schon sehr spannend, muss ich sagen.
Tarik: Definitiv, weil ich habe mir halt auch gedacht, wir alle sind selten bis gar nicht auf einem Bauernhof, haben aber ganz, ganz viele Ideen, oft negative Ideen, wie es dort auszuschauen hat. Das heißt, unser Bild oder das Bild der Konsument:innen von uns allen ist in Teilen auch sehr verzerrt, habe ich das Gefühl. Und jetzt frage ich mich natürlich, wie können wir das ändern? Also, was muss denn passieren, damit Konsument:innen ein realistischeres Bild davon haben, wo die Produkte herkommen, die dann am Ende im Supermarkt landen, um dann auch wirklich sagen zu können: "Hey, ich entscheide mich jetzt trotzdem für die vegane Milch" oder "Ich nehme jetzt doch dann einfach die tierische, weil ich weiß, A wo es herkommt, ich weiß B wie es der Uschi geht und C stehe ich jetzt auf Tech."?
Freni: Was ich mir generell wünsche, und zwar nicht nur jetzt in der Milchindustrie, sondern in sämtlichen Bereichen unserer Wirtschaft und unseres Systems, ist ein regeneratives Wirtschaften. Ein Wirtschaften, das darauf ausgelegt ist, eine transparente und faire Wertschöpfungskette für alle zu schaffen.
Tarik: Jakob, was denkst du?
Jakob: Aus journalistischer Perspektive würde ich immer sagen, Ställe dürfen keine Blackboxes sein. Transparenz hilft erstmal, dass man zeigt, was man tut. Vor allem, wenn man so überzeugt ist wie die vielen Landwirt:innen von dem, was sie tun, dann zeigt das doch auch. Wir erwarten, dass alle Kühe Namen haben, aber warum haben die eigentlich keine E-Mail-Adresse, kein Social Media Profil, dass ich ihnen folgen kann, wie es ihnen geht und auch mal sehen kann, dass es ihnen vielleicht auch nicht gut geht? Also dass sie ehrlich kommunizieren, das gehört ja auch zum Vertrauen dazu, dass es eben nicht nur Idylle ist, sondern dass es einfach auch ein hartes Geschäft ist, Milch zu produzieren, aus Kuhsicht und auch aus Landwirt:innensicht. Diese Kommunikation. Ich glaube, da kann man auch viel von den Milchkonkurrenzprodukten lernen. Also auf den Hafermilchprodukten ist der CEO beim Abwasch zu sehen und es ist Humor, es ist Transparenz. Ich kann gucken, von welchem Haferfeld kommt der Hafer. Davon kann auch einfach die Milchwirtschaft lernen. Warum soll das nicht auf einer Milchpackung stehen?
Tarik: Jetzt frage ich mich natürlich, Jakob, wird denn die Milch am Ende besser, wenn mehr Technologie eingesetzt wird und wird sie vielleicht auch nachhaltiger?
Jakob: Dass Milch durch Technologie besser wird, das steht, glaube ich, außer Frage. Wenn die Kühe besser ernährt werden, wenn die Qualität besser überwacht wird. So ein Melkautomat kann ja praktisch in Echtzeit die Keimzahl messen von der Milch der einzelnen Kühe. Also dadurch wird die Milch als Produkt, glaube ich, besser. Und Nachhaltigkeit ist ja sehr vielfältig. Ich glaube, Technologie kann auf jeden Fall dazu beitragen, die Landwirtschaft viel nachhaltiger zu machen. Zum Beispiel auch, indem sie die Kaufentscheidung der Verbraucher:innen und Verbraucher erleichtert. Also, wenn ich einfach weiß, wo kommt die Milch her, die ich da kaufe, welchen Fußabdruck hat die Milch, die ich da kaufe, dann greife ich vielleicht doch zur regionalen Milch.
Tarik: Freni, ergibt das Sinn für dich, nachhaltiger durch Technologie, oder ist das für dich auch ein minimaler Widerspruch vielleicht?
Freni: Es ergibt für mich auf jeden Fall Sinn. Ich werde mich in nächster Zeit garantiert noch mehr damit beschäftigen. Ich finde das wahnsinnig spannend. Ich werde darauf weiter rumdenken. Es klingt für mich total logisch und generell den Ansatz der Transparenz finde ich immer großartig und das mit KI zu erreichen klingt für mich sehr gesund und, ja, zielführend.
[32:45] Thema: Persönliche Learnings und die Millionen-Euro-Frage
Tarik: Freni, ich weiß ja, dass dein wunderschöner Kopf nur so voller Ideen sprudelt. Du hast jetzt die Möglichkeit, einen Kuhexperten all das zu fragen, was du schon immer mal fragen wolltest. Was wäre das jetzt nach diesem Gespräch?
Freni: Was war dein krassestes Learning aus diesem ganzen Experiment für dich persönlich?
Jakob: Mein krassestes Learning war, glaube ich, wie unterschiedlich die einzelnen Kühe sind. Also, dass es da wirklich Riesenunterschiede gibt zwischen den Charakteren der Kühe und dass es gar nicht so ist, dass es die eine Biokuh gibt oder die Kuh im Großbetrieb, sondern dass die wirklich alle individuell sind und auch individuell gemolken werden müssen, andere Euterformen haben, andere Vorlieben haben... und das ganz schön schwierig ist.
Freni: Das glaube ich.
Jakob: Und die krasse Arbeitsbelastung der Landwirt:innen. Also tatsächlich was die leisten, um für ihre Tiere da zu sein, quasi rund um die Uhr, das war schon sehr beeindruckend in dieser Phase.
Freni: Und wie kaufst du mittlerweile deine Milchprodukte? Hat sich da was dran geändert?
Jakob: Es hat sich dran geändert, dass ich viel länger vor diesem Milchregal stehe und mir überlege, welche kaufe ich denn? Tatsächlich stelle ich fest, dass sich das jedes Mal ändert. Also dass ich jedes Mal diese Abwägung treffe, welche kaufe ich denn und jedes Mal zu einer anderen greife. Das ist witzig.
Freni: Aber warum?
Jakob: Weil es eben nicht diese Schwarz-Weiß-Antwort gibt. Es gibt nicht die eine gute Milch, sondern es gibt halt viele verschiedene gute Milchsorten und dann kaufe ich halt manchmal die Biomilch und manchmal greife ich halt zu der Nicht-Biomilch, die aber direkt regional vom Hof kommt, den ich kenne.
Freni: Ja. Ja, so würde ich es glaube ich auch machen. Nur dass ich den Hof hier halt nicht kenne. Ich wünschte mir, ich würde ihn kennen und da kann natürlich deine KI und das Experiment sehr weiterhelfen.
Jakob: Genau. Wir erwarten ja gar keine Idylle, glaube ich. Also, das ist so die falsche Annahme, dass wir da irgendeine idyllische Lösung erwarten, sondern einfach wissen wollen, was ist, und dann kann ich mich selbst entscheiden.
Freni: Ja, wie wir beide schon übereingekommen sind, Transparenz ist das Stichwort, ne?
Tarik: Ihr Lieben, die Zeit ist schon leider rum. Wir haben viel, viel gelernt und jetzt meine Schlussfrage an euch beide: Wenn ihr eine Million Euro in ein Nachhaltigkeitsprojekt investieren könntet, wofür und wie würde das aussehen?
Jakob: Ich glaube, ich würde eine Million Kühe mit Sensoren ausstatten, dass sie kommunizieren können und zeigen können, wie ihr Leben ist.
Freni: Das habe ich mir fast gedacht. Ich würde Städte begrünen, ich würde vertikale Gärten anlegen. Ich weiß nicht, ob ihr mal in Singapur wart, da gibt es diese riesigen Bäume, die zum einen natürlich sind, die zum anderen aber Photovoltaikanlagen sind und Energie erzeugen. Das finde ich wahnsinnig spannend und gerade hier in der Großstadt sehe ich immer mehr Neubauten, die schon Vorrichtungen haben für Pflanzen, die sich daran hochranken können, was natürlich auch zu einem verbesserten Klima beiträgt.
Tarik: Also, ich feiere eure beiden Projekte. Falls ihr noch Investor:innen sucht, ruft mich gerne an. Falls die Million nicht ausreichen sollte, ne, und ihr noch ein paar Dollar braucht. Ich kümmere mich. Vielen Dank, vielen Dank. Schön, dass ihr heute dabei wart. Das war's mit Let's Talk Milch. Schön, dass ihr auch zugehört habt und wenn ihr Lust habt, dann checkt gerne auch unsere anderen Folgen aus. Viel Spaß dabei. Ciao ciao, euer Tarik. Falls ihr noch tiefer in das Thema einsteigen wollt, in unserem Panel Talk haben wir mit Jakob Vicari und Hennes Ostermann, einem jungen Milchwirt, über Innovation im Kuhstall gesprochen und welchen Effekt das Ganze auf eine nachhaltige Landwirtschaft hat. Den Talk gibt's online auf initiative-milch.de. Schaut gerne rein.
Auf Social Media wird sie für ihre freche, aufgeweckte Art und ihren frischen Blick auf nachhaltige Lifestyle-Themen gefeiert. Kein Wunder: Vreni ist super unterhaltsam, extrem vielseitig und sie liebt kreatives Chaos – das sieht man schon ihren verrückt-bunten Kunstwerken an. Außerdem hat Vreni Finanzen zur Frauensache erklärt und vor Kurzem ihr Buch „Coin Stress – Ein Plädoyer für einen entspannteren Umgang mit Geld“ rausgebracht. Last but not least hat sie ein gigantisch großes Herz für Tiere – vor allem für Katzen, wie man in ihrem Feed unschwer erkennen kann.
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Unseren zweiten Gast könnte man als einen Mix aus Daniel Düsentrieb und Michel Lönneberga beschreiben. Jakob Vicari ist ein großer Erfinder- und Forschergeist, mit einer schelmischen Freude an abenteuerlichen Experimenten. Er ist einer, der sich immer wieder in neue und fantastische Themenwelten reinfuchst. Als Wissenschaftsjournalist steht er total auf Themen wie Künstliche Intelligenz, das Internet der Dinge und auch moderne Landwirtschaft. Bekannt wurde Jakob vor allem durch sein Superkuh-Experiment, bei dem er Kühe ‘zum Sprechen’ gebracht hat.
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"Kuhställe dürfen keine Black Boxes sein!"
Dr. Jakob Vicari
Der Moderator und Podcaster ist bekannt aus dem Online-Format „Jäger & Sammler“ im ZDF und der Talkshow „deep und deutlich“ im NDR. Im Podcast „Tratsch & Tacheles“ spricht er mit der Moderatorin Hadnet Tesfai offen und ehrlich über die latest news aus der Popkultur. Mit seinen glamourösen Fashion-Statements auf seinen Social-Media-Kanälen gilt Tarik als der deutsche Billy Porter.
