Podcast #8
Auch Fitness-Freaks essen mal einen Donut – denn ein fitter Lifestyle lebt von Genuss. Unser Talk mit Donut-König Enes Seker, Stuntfrau Marie Mouroum und Genussforscherin Eva-Maria Endres.
Was haben ein Donut-König, eine Hollywood-Stuntfrau und eine Genussforscherin gemeinsam? Sie schauen ganz genau hin, wenn es ums Essen geht. In diesem Podcast geht es um zwei außergewöhnliche Erfolgsgeschichten und um die Basis für diesen Erfolg: die richtige Balance zwischen Genuss und gesund zu finden. Wir erfahren, wie Enes Seker und Marie Mouroum leben, genießen und wie ihre Berufe ihre Ernährungsstile beeinflussen. Dazu erklärt uns Ernährungsexpertin Eva-Maria Endres, wie viel Genuss gut tut, wie sich Genuss und sportlicher Lifestyle kombinieren lassen und welche Rolle die Milch als Soulfood dabei spielt. Lasst es euch schmecken!
Alle Folgen findet ihr ab sofort auf Apple Music, Spotify und Deezer.
Podcast: Gönn Dir vs. Healthy-Lifestyle? Jetzt anhören!
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[00:00] Thema: Intro und die persönliche Bedeutung von Genuss
Enes: Ich habe mittlerweile einfach mein Leben so getaktet und umgestellt ernährungstechnisch, dass auch die Dinge, die zu 100 % gesund sind, mir hundertprozentigen Genuss geben.
Marie: Macht für niemanden mehr eine [unverständlich]. Entweder bucht man mich so, wie ich bin, oder dann mache ich den Job nicht mehr, weil das war einfach zu krass irgendwann.
Eva Maria: Für mich ist Genuss auf jeden Fall auch was außerhalb der Routine. Das hat für mich auch ganz viel mit Wertschätzung zu tun für die Lebensmittel. Ich möchte wissen, woher die kommen, welche Geschichte dahinter steckt.
[Podcast-Musik]
Tarik: Willkommen bei Let's Talk Milch, dem Podcast der Initiative Milch. Wisst ihr, was Sterneküche, Celebrities, Jungbäuerinnen, Food-Startups und Latte-Art-Künstlerinnen vereint? Ich bin Tarik und verrate es euch. Hier bei Let's Talk Milch. Was haben ein Donutkönig, eine Hollywood-Stuntfrau und eine Genussforscherin gemeinsam? Sie schauen alle ganz genau hin, wenn es ums Essen geht. Heute dreht sich bei uns alles um zwei außergewöhnliche Erfolgsgeschichten und um die Basis für diesen Erfolg, und zwar die richtige Genussbalance. Wir erfahren, wie Enes Seker und Marie Murum leben, genießen und wie ihre Berufe ihre Ernährungsstile beeinflussen. Und on top erklärt uns Ernährungsexpertin Eva Maria Endres, wie viel Genuss guttut und welche Rolle Milchprodukte dabei spielen. Lasst es euch schmecken. Enes, du bist Gründer von Royal Donuts und mit deinen süßen Kreationen extrem erfolgreich. Deine Donuts stehen für „gönn dir“ und gleichzeitig stehen Fitness-Freaks bei dir im Laden Schlange. Wie du den Spagat zwischen Genuss und gesunder Ernährung schaffst, das verrätst du uns gleich. Schön, dass du heute mit dabei bist.
Enes: Dankeschön. Freut mich, hier zu sein.
Tarik: Dann ist mit dabei Marie Murum. Du bist die erste deutsche schwarze Stuntfrau in Hollywood und warst schon in Filmen wie Black Panther, Star Wars und James Bond zu sehen. Du pendelst zwischen Berlin und den USA und bist gefragter denn je, und ich frage mich, wie viel Genuss du dir als Stuntfrau erlauben kannst, und das verrätst du uns dann gleich. Hi.
Marie: Hi. Ja, ich freue mich, hier zu sein [lacht].
Tarik: Und auch mit dabei ist Eva Maria Endres. Du hast – pass auf – Ökotrophologie studiert. Man könnte auch sagen Ernährungswissenschaften, aber ich bin jetzt sehr stolz, diesen Begriff einigermaßen gut ausgesprochen zu haben. Und du bist quasi wissenschaftliche Genussexpertin, denn du hast ein Buch über die Geschichte des Genusses geschrieben und aktuell promovierst du über Ernährung auf Social Media. Was du da genau machst, das verrätst du uns natürlich auch gleich. Schön, dass du da bist.
Eva Maria: Ja, hallo. Ich freue mich drauf.
Tarik: So, ihr drei, ich habe eine Frage an euch alle, und zwar: Wir reden heute über Genuss, und ich möchte gerne wissen, was ist denn Genuss für euch? Marie, magst du anfangen?
Marie: Ja, gerne. Okay. Ähm, für mich ist Genuss, jetzt aufs Essen bezogen, ähm, dass man auf nichts verzichtet, sondern dem nachgeht, was man craved und was man unbedingt in diesem Moment essen möchte. Und ja, es könnten Getränke sein, es können Nahrungsmittel sein, einfach, dass man isst, ohne ein schlechtes Gewissen dabei zu haben.
Tarik: Okay. Enes, wie schaut's bei dir aus?
Enes: Genuss ist für mich etwas Erstrebenswertes, etwas, was ich quasi mir verdienen muss, damit ich es, wie der Begriff es schon sagt, genießen kann. Denn wenn ich täglich Lasagne esse, dann genieße ich es auf gar keinen Fall mehr. Aber dadurch, dass ich beispielsweise den Rest der Woche auf meine Ernährung achte, Fettiges weglasse, übermäßig Junkfood weglasse und dann eben doch an einem Samstag oder Freitag mal richtig in eine Lasagne reinhaue, dann kann ich es wirklich genießen. Das – ja, also Genuss, diese Freude an Empfindungen und das gute Gefühl, das sich dabei einstellt, während ich es tue. Und das geht eben nur, wenn ich weiß, ich habe es verdient.
Tarik: Das klingt sehr, sehr sportlich und engagiert. Was sagst du, Eva? Was heißt Genuss für dich?
Eva Maria: Für mich ist Genuss auf jeden Fall auch was außerhalb der Routine, was auch mit Vorbereitung zu tun hat. Es hat für mich auch ganz viel mit Wertschätzung zu tun für die Lebensmittel. Ich möchte wissen, woher die kommen, welche Geschichte dahinter steckt. Ähm, ich möchte selbst meine Sachen zubereiten und mich dann darauf freuen, und auch der Zeitaspekt ist ganz wichtig. Also sich dafür Zeit nehmen, Ruhe zu haben, das ist für mich auch Genuss.
[08:15] Thema: Donut-Konsum im Alltag und Hollywood-Stunts
Tarik: Sehr schön. Wir werden immer mal wieder jetzt über das große Thema Genuss sprechen und was das für euch bedeutet und auch in eurem beruflichen Kontext. Deswegen lasst uns starten mit Enes. Ich habe dich ja vorhin schon als Donutkönig hier vorgestellt. Jetzt mal Hand aufs Herz: Wie viele Donuts isst du denn am Tag? Ja, das ist eine falsche Frageformulierung. Einfach: Wie viele Donuts isst du denn so?
Enes: Wäre okay die Frage, aber nicht am Tag, denn am Tag esse ich gar keine Donuts. Wenn, dann esse ich pro Woche mal drei, vier Donuts, um sie zu genießen, ne? Und den Rest der Woche, an den anderen Tagen, esse ich eben keine Donuts. Wenn ich jetzt jeden Tag mich mit Donuts vollstopfen würde, dann würde ich weder meine Donuts noch voranbringen können, noch würde ich funktionieren, wie ich aktuell funktioniere, und noch könnte ich all das gerade stemmen, was ich gerade am Stemmen bin.
Tarik: Ich hatte meine Phase, da habe ich wirklich fast täglich Donuts gegessen, und da ist das passiert, wovor du dir wahrscheinlich auch Gedanken machst. Also, mein Körper hat sich, sagen wir mal, verändert, und ich musste danach sehr engagiert Sport machen, damit die kleinen Donuts sich so langsam wieder von meinem Körper verschwinden [lacht hörbar]. Marie, du bist die erfolgreichste deutsche Stuntfrau. Welche Stars hast du denn schon gedoubelt?
Marie: Oh, ich habe schon sehr, sehr viele Schauspieler gedoubelt in meiner Karriere. Also, ich habe angefangen mit – ich habe Halle Berry gedoubelt, relativ am Anfang meiner Karriere. Dann habe ich bei dem neuen James Bond die neue 007, Lashana Lynch, gedoubelt. Dann double ich momentan seit zwei Jahren Queen Latifah in Amerika und ja, auch viele britische Schauspieler gedoubelt, die jetzt vielleicht auch noch nicht so berühmt sind. Ja, ich mache den Job seit zehn Jahren. Aber was ich auch mache, ist, ich spiele halt teilweise auch meine eigenen Stuntrollen, wo ich dann niemanden double, sondern einfach selbst die Rolle verkörpere und die Action.
Tarik: Und sag mal, triffst du dann auch die Schauspieler:innen am Set? Also, plaudert man auch mal ein bisschen mit Halle Berry?
Marie: Ja, klar. Also die Zusammenarbeit ist sehr, sehr eng, sobald man am Set zusammen ist. Ich habe jetzt z. B. auch einen Film gedreht im Sommer mit Zoë Kravitz, wo sie zum ersten Mal Regie geführt hat, und das ist sehr eng. Also man geht die Choreografien durch, man trainiert mit den Schauspielerinnen, man ist am Set. Da ich bei Queen Latifah bin, ich bin auch einfach ihr Supportsystem. Ich gucke mir die Bildschirm-Playbacks an, sag ihr, was sie besser machen kann, worauf sie achten soll, sag manchmal auch den Kameraleuten, wie sie die Action verbessern können mittlerweile, wie sie da helfen können. Und ja, man hat da eine sehr, sehr enge Beziehung, sehr engen Draht beim Film, weil man ja quasi diese Person verkörpert. Das heißt, sie kann auch sagen: „Marie, ich will das lieber so und so, kannst du das so und so machen? Kannst du mich so aussehen lassen?“ und so weiter.
Tarik: Nice. Und sag mal, was war so der gefährlichste Stunt, den du jemals gemacht hast?
Marie: Es gab einen Stunt, da habe ich mich ganz doll verletzt. Da bin ich in New York auch aus dem zweiten Stock gesprungen und sollte aber auf den Füßen landen. Und das war eine total dumme Idee und irgendwie dachte ich so: „Na ja, vielleicht klappt's ja.“ Und dann habe ich mir auf jeden Fall das Fußgelenk gebrochen und das Band gerissen, und das sind dann so Sachen, wo ich sage: „Okay, eigentlich hatte ich schon von Anfang an ein schlechtes Gefühl, aber hab es dann irgendwie doch gemacht.“ Aber aus was lernt man immer? Ich achte sehr doll auf meinen Körper, auf meine Gesundheit, ich sag viele Sachen auch ab, wenn ich denke, ich kann es nicht performen oder ich will mich nicht verletzen. Also, ich bin da ja super, super vorsichtig.
[14:30] Thema: Körperbild, Diäten-Druck und Selbstakzeptanz im Showgeschäft
Tarik: Und ich glaube, man muss nicht nur vorsichtig sein, sondern muss natürlich auch fit sein für diesen Job. Ich weiß, dass du früher auch schon ziemlich früh mit Kampfsport angefangen hast. Gab es damals schon Sachen, die du deswegen nicht gegessen hast, oder hast du auf bestimmte Lebensmittel verzichtet damals und auch heute?
Marie: Ja, also man muss auf jeden Fall fit sein und fit bleiben, dauerhaft fit sein. Also, es ist wichtig in dem Beruf einfach auch einen hohen Muskeltonus zu haben, weil das ist letztendlich das, was dich beschützt, was dein Skelett beschützt und deine Gelenke, wenn du irgendwohin fällst und hinknallst und eine starke Muskulatur hast, hält halt alles zusammen und ja, du bist nicht so verletzungsanfällig. Ich habe mit acht Jahren angefangen mit dem Kampfsport oder neun Jahren, also ganz jung, und der Kampfsport hat mich in diesen Beruf gebracht. Die haben da damals Kids gesucht, die im Hintergrund ein bisschen kämpfen, und damals habe ich gar nicht auf meine Ernährung geachtet. Ich war immer ein sehr dünnes Kind, sehr muskulös von Natur aus, und habe alles gegessen, was ich wollte. Meine Mutter war zwar sehr strikt, es gab immer nur Wasser zu Hause und auch sehr selten Süßigkeiten, um ehrlich zu sein. Das gab's immer nur bei Freunden, und in dem Sinne gab's dann schon eine Art von erzwungener Disziplin. Aber die kam nicht von mir aus, sondern das war einfach so zu Hause.
Tarik: Und wie ist das heute? Also, würdest du sagen, dass du eigentlich alles isst, worauf du Lust hast, oder musst du dann auch manchmal quasi deinen eigenen Genuss ähm limitieren, ähm, weil du weißt, dass das eventuell von der Fitness dann nicht mehr ganz so clever sein könnte?
Marie: Ja, ich habe schon so viele Sachen mitgemacht. Das Showbusiness ist ja dafür bekannt, ganz schwierig zu sein, gerade was den Körper angeht und was die Ernährung angeht und so. Das ist – das ist echt kein leichtes Feld. Und gerade als junge Frau musst du da auch dir teilweise Sachen anhören. Wenn du breiter bist als eine bestimmte Schauspielerin, dann sagen dir alle von allen Seiten: „Du musst abnehmen, abnehmen, abnehmen, oder du verlierst hier den Job.“ Das heißt, ich habe auch schon ganz viele super ungesunde Diäten gemacht, die teilweise einfach nur eine Essstörung waren, um es jetzt mal so von außen zu sehen. Und ich das damals aber gar nicht wusste, weil ich einfach nur wusste: „Ich muss jetzt abnehmen, das ist jetzt der Job, oder ich muss so und so jetzt aussehen.“ Und ja, habe mich sehr, sehr viel mit dem Thema dann beschäftigt, zu dem Ausmaß, dass mein Körper nicht mehr richtig ähm diesen Stoffwechsel natürlich hatte, sondern ich habe den total zerstört. Ähm, dabei habe ich eigentlich von Natur aus einen guten Stoffwechsel, aber durch diese ganzen Diäten habe ich das komplett zerstört und habe dann irgendwann gesagt: „Okay, ich mache für niemanden mehr eine Diät.“ Habe ich gesagt: „Ich mache das nicht mehr. Entweder bucht man mich so, wie ich bin, oder dann mache ich den Job nicht mehr“, weil das war einfach zu krass irgendwann. Ich habe natürlich meine Regeln, ich esse kein Fleisch, ich bin jetzt nicht vegan, ich esse Eier und Käse, ich liebe Brot und Butter und esse auch Süßigkeiten. Also ich liebe Schokolade, und wenn ich Schokolade essen will, dann esse ich sie. Und das ist kein Problem, weil ich bewege mich den ganzen Tag, ich trainiere jeden Tag so viel, dass mein Körper das mir verzeiht. Ich kenne meinen Körper 100 %. Ich weiß genau, was er braucht. Ich genieße alles jetzt vorsichtiger und ich – ich stürze mich jetzt nicht mehr in irgendwelche Extrem-Sachen.
[20:50] Thema: Wissenschaftlicher Genussbegriff und Ernährung auf Social Media
Tarik: Das ist schön, dir zuzuhören und so zu merken, wie du dir dann auch so deine eigenen Grenzen gesteckt hast und auch einen Empowerment-Moment hattest, wo du selbst mit deinem Körper hin möchtest und was für dich das Richtige ist. Eva Maria, wir haben ja vorhin zu Beginn über den Begriff Genuss gesprochen. Jetzt würde ich mal gerne wissen, ähm, so aus der wissenschaftlichen Perspektive heraus: Wie entsteht denn unsere Vorstellung von Genuss und gibt es so etwas wie ein kollektives Genussgefühl?
Eva Maria: Also, die Frage ist ehrlich gesagt total schwierig zu beantworten, weil der Begriff Genuss wahnsinnig schwer zu fassen ist. Ich habe das auch gemerkt, als ich dieses Buch geschrieben habe, wo ich auf der Suche nach einer eindeutigen Definition war und sie wirklich nicht gefunden habe, weil es tatsächlich oft so ein ganz flüchtiger Moment ist und auch wahnsinnig individuell. Also, wir haben das gerade schon am Anfang bei den Genussdefinitionen gehört. Das muss jeder irgendwie für sich selbst entscheiden. Was ich interessant finde bei dem Genussbegriff ist, dass es zumindest, wenn man sich die Literatur dazu anschaut, immer auch was mit Verzicht auch zu tun hat, ne? Also da grenzt sich der Genuss auch z. B. vom Exzess oder vom Hedonismus ab, wo es einfach diese Totale gibt, ne? Wir sind dann z. B. auf dem Oktoberfest, ne, und da lassen wir dann mal richtig einen krachen. Das findet aber natürlich auch nicht 365 Tage im Jahr statt, sondern halt nur zu dieser Zeit, ne? Also, das ist dann vielleicht schon Exzess, aber die Genussmomente erlebt man eigentlich durch das Besondere, und das Besondere entsteht eben nicht durch das Alltägliche und die Routine, sondern eben genau dieses, ja, sich dafür Zeit nehmen, die Vorfreude auch zu zelebrieren. Ja. Genau eigentlich das.
Tarik: Also Genuss etwas Besonderes, was man sich gönnt, was Gutes, was man sich tut und was sich vielleicht auch dann so ein bisschen vom Alltag oder vom Alltäglichen abhebt in dem Moment. Lass uns gerne über deine aktuelle Arbeit sprechen, denn du promovierst und bist fleißig am Schreiben, und zwar über Ernährung auf Social Media. Das klingt für mich so unfassbar groß. Ich konnte mir zu Beginn gar nicht so richtig vorstellen, was du da machst. Ernährung auf Social Media, worum geht's da genau?
Eva Maria: Also grundsätzlich sage ich fachfremden Leuten immer: Ich gucke mir an, wie Menschen auf sozialen Medien über das Thema Essen sprechen und kommunizieren, und das ist wahnsinnig vielfältig. Also, man kann sich natürlich spezifische Themenbereiche angucken. Das habe ich bei meiner letzten Buchveröffentlichung gemacht, wo ich geschaut habe, gibt es z. B. Unterschiede in der Healthy-Food-Community im Vergleich zu den Weightloss-Bloggern. Und jetzt letztes Jahr habe ich im Auftrag des Max-Rubner-Instituts – da sollte ich eine Forschungsarbeit erstellen – da ging es um die Frage: Können soziale Medien auch dafür genutzt werden, Ernährung positiv zu beeinflussen?
Tarik: Okay, super spannend. Darüber sprechen wir vielleicht auch noch genauer, also was du da auf Social Media auch beobachtet hast, was sich vielleicht auch verändert hat, wo vielleicht auch du denkst so: „Hoppala, das sind Momente, die vielleicht auch eher toxisch sind, gerade für junge User:innen.“ Das will ich alles noch wissen. Aber jetzt würde ich ganz gerne auch über Donuts sprechen, denn die sind ja auf jeden Fall auch ein Genussmoment. Enes, ähm, erzähl doch mal, warum du dir gedacht hast: „Hey, ich habe Lust, eine Donut-Company aufzumachen.“
[26:45] Thema: Die Erfolgsgeschichte von Royal Donuts und der Spagat zur Fitness
Enes: Das ist eigentlich ganz einfach. Und zwar war ich schon immer ein absoluter Donut-Junkie. Okay, ich habe schon immer diese, diese bunten Kringel geliebt, schon mit 14, 15, und ich kenne den Freund sogar heute noch. Da habe ich damals auf dem Pausenhof gesagt: „Ich möchte mal irgendwann meinen eigenen Donutladen haben.“ Und zu der Zeit war ich ein absoluter Freak, was Donuts angeht. Und weil wir in Aachen keine Donuts hatten, musste ich dann sogar nach Köln reisen, immer – immer so zum Wochenende, eine Stunde mit dem Zug hin, eine Stunde mit dem Zug zurück, einfach nur für so eine Sechserpackung bunter Donuts. Und dann hat es sich so zugetragen, dass später im Erwachsenenalter ich mir die Frage gestellt habe: „In welche Richtung bewegst du dich jetzt? Wo geht's jetzt hin? Wie orientierst du dich jetzt beruflich?“ Und da kam mir einfach dieser Wunschgedanke wieder auf: „Du wolltest doch immer mal was mit Donuts machen.“ Und dann habe ich mich in Richtung der Selbstständigkeit begeben mit den Donuts, weil auch bei mir persönlich waren Donuts stets – aufgrund dessen, dass ich immer auf meine Ernährung geachtet habe – das absolute Highlight für den allseits beliebten und bekannten Cheat Day. Den Rest der Woche achte ich sehr auf High-Carb-, High-Protein-Ernährung und sonst ist für mich der Donut ein absolutes Genussmittel. Also, ich habe montags schon darüber nachgedacht, was ich denn jetzt am Samstag esse. Habe dann Ideen gesammelt, rumgegoogelt, recherchiert, und – und mit der Zeit habe ich auch immer mehr meine eigenen Donuts, die ich gekauft habe, angefangen aufzupimpen. Habe ich mir überlegt: „Was schmiere ich noch rein? Da ist immer zu wenig Füllung drin. Komm.“ Hab dann aus der Apotheke diese Plastikspritzen geholt, habe Nutella damit aufgezogen, hab da so Nutella reingepumpt, Erdnussbutter reingeballert. Dann habe ich die noch schön in so Marmelade getunkt. Richtig dieser Peanut-Butter-Jelly-Style, da wäre ich verrückt danach. Dann noch gesalzene Erdnüsse drauf, dunkle Schokolade erwärmt, dann noch so drüber gekippt und dann ist das so hart geworden. Ich habe mir quasi so meine richtigen Cheatday-Monster selbst kreiert und aufgebaut, und das habe ich dann einfach in meiner Selbstständigkeit umgesetzt mit Royal Donuts. Und warum dann jetzt vor meinen Läden so viele Leute in die Schlange gegangen sind, die eigentlich totale Fitness-Freaks sind, beantwortet quasi die Frage, wenn man einfach anschaut, wie ich damit begonnen habe. Weil jeder, der fitnessorientiert lebt, auf seinen Körper achtet, der sich bewusst ernährt, weiß ganz genau: Dieses Lebensmittel ein No-Go, dieses Gericht ein No-Go. Deswegen entwickelt man einfach dieses Faible für diese Lebensmittel, und Royal Donuts, das ist für mich einfach ein Ergebnis dessen, wie ich vorher gelebt habe, und deswegen ist einfach Royal Donuts entstanden als absolute Genussmarke, wo Leute hinkommen, die einfach mal Bock haben, richtig reinzuhauen, um keineswegs Kalorien zu sparen. Man kriegt deftige Füllung, egal wo du reinbeißt, das läuft dir überall am Mund hinab. Oben werden Toppings und Soßen aufgetürmt, dass das wie so eine kleine Torte ist, die du in der Hand hältst. Und das spiegelt einfach das wider, was ich quasi immer einfach damals geliebt habe, wenn ich mich zum Wochenende hin belohnt habe.
Tarik: Also Enes, man merkt, du bist Donut-Lover, wenn man dir zuhört da.
Enes: Ich bin Lebensmittel-Lover, weil in meine Donuts kommt ja alles Mögliche rein und drauf. Ich liebe einfach Lebensmittel.
Tarik: Du bist ja nicht mit dieser Liebe für Donuts alleine. Nach drei Jahren habt ihr mittlerweile rund 300 Filialen in mehreren Ländern eröffnet. Warum glaubst du, hat denn der Donut so einen Hype auch gerade?
Enes: Ich spiegle anscheinend sehr gut den durchschnittlichen Menschen wider. Das, was ich anscheinend so sehr liebe, das lieben halt so viele mehr. Und was einfach glücklicherweise zusammengetroffen hat: meine Leidenschaft für Donuts und die Leidenschaft der Gesellschaft, mittlerweile einfach sehr bewusst sich zu ernähren. Das gab es früher gar nicht. Also heutzutage die größten Instagram-Kanäle sind Fitnesskanäle. Jeder versucht irgendwie auf Ernährung zu achten, und selbst die nicht drauf achten, versuchen, wenn sie essen, irgendwie daraus einen Genuss zu gewinnen. Die Leute lieben es einfach zu essen, und diese Essenssache ist einfach für jeden. Sportwagen ist nicht für jeden. Dafür brauchst du bestimmte Einnahmen, dafür brauchst du ein bestimmtes Alter, du brauchst einen Führerschein und, und, und. Aber essen kann einfach jeder machen. Da – da fühlt sich jeder angesprochen. Jeder isst gerne. Der eine isst lieber das, der andere isst lieber das. Geschmäcker sind unterschiedlich. Trotzdem haben beide im Endeffekt dann dasselbe Interesse: Lebensmittel, Nahrungsmittel. Und das ist einfach etwas, was jeden Menschen anspricht, und auch egal, was für Krisen wir aktuell erleben. Wir sind gerade in einer Inflation, wir sind gerade in Wirtschaftskrisen, globale Krise, Krieg überall, aber trotzdem ist einfach Essen das, was alle wieder zusammenführt. Und es geht darum: je abwechslungsreicher, je innovativer, umso besser und umso ansprechender. Und das haben wir ja einfach mit Royal Donuts gemacht. Wir – wir sind innovativ gewesen und wir sprechen die Leute an. Wir haben den Nerv getroffen, weil die Leute mal endlich wieder Bock hatten auf was anderes. Ich selber hatte ja auch keinen Bock mehr auf die normalen Donuts. Wäre ich da mit den normalen Standarddonuts um die Ecke gekommen, hätten die Leute ja gesagt: „Gibt's halt überall. An jeder Tankstelle, an jeder Raststätte, in jedem Supermarkt, an jedem Automaten kann ich mir einen Donut ziehen.“ Ja, du musst halt etwas bringen, was die Leute bereits kennen, damit es nicht allzu fremd ist und abgewiesen wird. Aber quasi, ohne das Rad neu zu erfinden, musst du da quasi eine neue Felge dranklatschen, und dann sagen die Leute: „Boah krass, so kannte ich es jetzt aber noch nicht.“ Und dann passiert halt das, was aktuell passiert ist, dass wir in über 15 Ländern, auf über drei Kontinenten mit über 300 Läden mit Royal Donuts am Start sind.
[33:10] Thema: Diskrepanz zwischen Social-Media-Ideal und Realität
Tarik: Enes, wie genau und wie speziell deine oder eure Donuts ausschauen, darüber will ich gleich mit dir sprechen, aber ich würde jetzt gerne auch noch mal Eva Maria fragen. Du bist ja quasi auf Social Media unterwegs und schaust dir da an, wie dort über Essen äh gesprochen oder wie auch Essen inszeniert wird. Wie erklärst du dir denn diesen Moment vom Donut-Hype und diese Lust auf das Süße als etwas, was man sich gönnt und wo man halt auch dann diesen Genussmoment hat, aber natürlich auch mit der schon auch nicht wegzuredenden Social-Media-Schlankheits-Diät-Körperoptimierungs-Welle, sage ich mal?
Eva Maria: Mhm. Na, Enes hat es ja gerade eigentlich schon ganz schön beschrieben. Wir können eben irgendwie nicht dauerhaft ohne Genuss, ne, sondern wir müssen dann auch aus diesen doch starren Essensvorschriften, die in diesen Fitness-Communities ja oft vorherrschen, ähm, auch mal wieder ausbrechen, ne? Und grundsätzlich sind wir natürlich auch immer ambivalent. Also es ist nicht so, dass wir einen bestimmten Lebensstil toll finden und dann sagen: „Das mache ich jetzt für den Rest meines Lebens“, ne? Sondern ähm das ist oft so bei Ernährungsthemen. Also, wir fragen z. B. die Leute: „Was halten Sie von Massentierhaltung?“ Und die sagen: „Finde ich ganz furchtbar.“ Wenn man dann in die Einkaufstasche schaut, dann liegt da das Hackfleisch für 1,35 drin, und dann sagt man: „Ja, aber das kommt doch aus Massentierhaltung.“ „Ja, das war halt jetzt gerade im Angebot. Das habe ich halt jetzt so“, ne? Also das Ideal, das wir von uns haben, ähm, und auch das, was wir auf sozialen Medien gezeigt bekommen, ein schlanker, durchtrainierter Körper, das hat nicht unbedingt immer was mit dem zu tun, was wir dann tatsächlich tun, ne? Es gibt da so ein italienisches Sprichwort, das sagt, äh: „Zwischen dem Wissen und dem Handeln liegt das Meer.“ Und das heißt, unsere Überzeugungen entsprechen nicht immer unbedingt dem, was wir dann letzten Endes tun. Und ähm so suchen wir natürlich auch immer wieder einen Ausgleich, ne? Auf der einen Seite sehen wir halt diese tolle Welt mit schlanken Frauen, durchtrainierten männlichen Körpern. Auf der anderen Seite haben wir natürlich aber auch Bedürfnisse, auch wichtige und ernstzunehmende Bedürfnisse, denen wir dann eben auch nachkommen müssen und auch dürfen.
Tarik: Marie, du bist ja auch als Konsumentin auf Social Media unterwegs. Fühlst du manchmal einen Druck auch durch die Inszenierung von Essen, von Ernährung, und auch gerade, wenn es dann darum geht, den Körper äh zu optimieren und einem bestimmten äh Körperideal zu entsprechen?
Marie: Ähm, ja, klar. Also, da würde ich jetzt lügen, wenn ich sag, das hat mich nie irgendwie berührt oder so. Ähm, ich folge natürlich auch vielen Kollegen oder auch vielen Sportlern und sehe dann immer, was die alles Tolles machen und wie sportlich alle aussehen. Also diesen Druck habe auch ich, auch wenn sich das manche Menschen gar nicht vorstellen können. Ich verkörpere ja eine bestimmte Rolle. Ich verkörpere ja diese sportliche Persönlichkeit, die irgendwie ähm Stuntfrau ist, aber dann irgendwie auch viele Kampagnen hier und da macht als Sportmodel oder dann immer irgendwie die Sprünge aus dem Nichts können muss und muss man mal vorzeigen muss. Und da hat man ja auch ein gewisses Bild vor Augen, wie man auszusehen hat, und das ist auch ein gewisser Druck. Man muss sich diesem Bild auch irgendwie treu bleiben und gerecht bleiben. Aber es ist nicht so, dass ich das nur außenbetrieben mache, sondern ich war mein Leben lang eine Sportlerin. Also ich könnte jetzt gar nicht einen Monat abdriften und nur mich schlecht ernähren und keinen Sport, das geht innerlich für mich gar nicht. Alle, die mich kennen, alle meine Freunde und so, die – die staunen immer und sagen: „Wie kann das sein, dass du so viel dir gönnst?“ Weil wenn ich was essen will, dann esse ich das, und das fasst immer. Ich habe eine gewisse Disziplin. Ich habe z. B. so eine andere Beziehung zum Essen, dass ich sag: „Okay, ich esse jetzt vielleicht nicht fünf Donuts, aber manchmal esse ich vielleicht dann nur einen halben Donut.“ Also, oder ich esse nicht das – die gesamte Pizza, sondern nur ein Stück oder so. Aber ich habe sie trotzdem gegessen. Ich habe mich trotzdem in dem Moment befriedigt. Ähm, was ich gecraved habe und was ich mir gönnen wollte, habe ich mir gegönnt, aber jetzt halt nicht im Ausmaß, sondern alles in Portionen.
[39:20] Thema: Milchprodukte, Soul Food und emotionale Genussmomente
Tarik: Und sag mal, wenn du dich für dich persönlich gesund ernährst, ähm, welche Rolle spielen da Milchprodukte?
Marie: Ich trinke keine Milch, aber das schon seitdem ich ein Kind bin. Ich esse Käse. Ja, ich – und ich liebe Butter. Also es ist schon so, dass ich Käseprodukte, Milchprodukte schon hier und da zu mir nehme. Aber wie gesagt, spiele ich noch eine Rolle, wo ich auch die sportliche ähm Kampfsporttrainerin spiele und verkörpere, und da weiß ich auch: „Okay, Marie, du hast jetzt einen Monat Zeit, dich darauf vorzubereiten“, da lasse ich das dann auch weg. Wenn die Filmarbeiten abgeschlossen sind, dann kann ich das wieder machen. Also, es gehört auch ein bisschen Disziplin immer dazu, aber wenn ich weiß, gerade steht nichts an und ich habe einfach meinen normalen Job, wo ich genauso richtig bin, wie ich bin, dann esse ich das auf jeden Fall. Also, ich liebe es auch Käse zu essen.
Tarik: Eva Maria, was heißt es eigentlich, eine gesunde Ernährung für sich zu entwickeln? Welche Rolle spielen denn dann in diesem Kontext Milchprodukte, und wie wichtig sind sie?
Eva Maria: Also grundsätzlich kann man sagen, dass Milch natürlich auf jeden Fall Teil einer gesunden Ernährung sein kann, ne? Vor allen Dingen auch, weil sie so wandelbar ist. Das heißt, wenn ich jetzt ein Fitness-Typ bin und darauf achten muss, nicht zu viele Kohlenhydrate und Fette zu mir zu nehmen, dann esse ich eben Magerquark. Das ist ein super Eiweißlieferant, z. B. Gleichzeitig muss es aber natürlich auch jeder für sich entscheiden, ne? Und man kann sich auch gesund ernähren ohne Milchprodukte, aber mit ist natürlich auch nicht verkehrt.
Tarik: Wenn es um Milchprodukte geht und ähm Genuss, glaubst du, dass für viele Menschen ähm in Deutschland Milch auch ein Genussmittel ist, in der vielfältigen Form, in der man Milch zu sich nehmen kann?
Eva Maria: Ja, auf jeden Fall. Also, die Deutschen lieben Milchprodukte. Ich glaube, wir sind auch ein Land, das mit am meisten Milchprodukte ähm verzehrt. Also, wir lieben Milch in all ihrer Form. Also, man kann es zum einen physiologisch begründen, weil Milch einfach ein Lebensmittel ist, das eine sehr gute, ausgewogene Nährstoffbilanz hat, also es ist von allem irgendwie ein bisschen was drin. Dafür ist die Milch halt auch gemacht, ne, um so ein Allround-Nahrungsmittel zu sein, und deswegen, ja, erzeugt sie ein gutes Sättigungsgefühl einfach, ne? Also es ist jetzt nicht so, dass – dass man dann danach das Gefühl hat: „Oh, jetzt muss ich aber noch äh hier eine ordentliche Portion Fett mit dazu essen“ oder so, sondern es befriedigt uns einfach auf vielen Ebenen. Und gleichzeitig ist es aber so ein unglaublich wandelbares Produkt, ne? Man kann es süß und herzhaft essen, und es ist natürlich in unserer Kulturgeschichte wahnsinnig stark verankert. Je nachdem in welchen äh Regionen wir schauen, aber gerade so in südlichen Regionen gibt es sie in unglaublich vielen Varianten. Und das hat dann natürlich nicht nur was mit Geschmack und „es schmeckt lecker“ zu tun, sondern da sind dann Kindheitserinnerungen damit verbunden und Dinge, die man einfach so, ja, von der Gegend kennt, in der man aufgewachsen ist. Und äh das ist eben auch ganz wichtig, um Genussmomente zu erleben, also auch die psychologische Komponente sozusagen.
Tarik: Wenn dann auch positive Gefühle entstehen, weil man erinnert wird, und weil man vielleicht auch an Momente dann erinnert wird, und das ist dann auch wieder eine Form von Genuss, dass die Emotion einfach auch mit dabei ist, oder?
Eva Maria: Genau. Ja, man könnte das auch so ein bisschen als Soul Food bezeichnen, ne? Wenn es einem schlecht geht, ja, dann mache ich – mache ich mir genau das, was die Oma immer gekocht hat. So.
[44:00] Thema: Verrückte Donut-Kreationen und vegane Trends
Tarik: Enes, du hast vorhin ja schon von deinen Donut-Kreationen geschwärmt. Entwickelst du alles selber? Und erzähl doch auch mal vielleicht, was so die verrückteste Donut-Kreation bei euch ist.
Enes: Also, Donuts kreieren ist bei uns immer noch absolute Chefsache. Die habe ich tatsächlich, obwohl wir jetzt gerade in der Zentrale über 15 Mitarbeiter beschäftigen, tatsächlich nicht abgegeben. Einfach klar, im Prinzip: Never change a running system. Ich habe gesehen, die Produkte, die Kreationen, die ich kreiere, die ich auf den Markt bringe, die stoßen immer auf reges Interesse. Und dazu habe ich eine Marketingküche bei mir auch direkt in Aachen. Also die Küche, die ist nur dafür da, um äh Kreationen zu produzieren, um sie dann ja dem Markt hinzugeben. Was so richtig verrückt ist und war und immer noch in den Shops angeboten wird, ist tatsächlich unser Sweet Burger, den ich kreiert habe zusammen mit meiner kleinen Schwester. Das ist tatsächlich ein Burger, wenn man sich den ansieht, der sieht wirklich aus wie ein originaler, ganz normaler, klassischer Hamburger. Und zwar ist da der Burger-Patty halt der Donutteig, aber ohne Loch in der Mitte. Dann kommt da drauf so eine braune Karamellglasur. Dann die Sesamkörner kommen drauf und das sieht dann halt auch wie so ein richtiger Burger-Patty. So, das Fleisch, das ist so ein Brownie. Das was da drin rot ist, was man denkt, was Ketchup ist, ist tatsächlich Erdbeermarmelade. Was Weißes, was aussieht wie Mayonnaise, ist weiße Schokolade. Also, wir haben das so kreiert, dass es wirklich auf den ersten Blick aussieht wie so ein ganz normaler Standard-Burger, aber das tatsächlich einfach eine komplett süße Kreation ist. Also da – da kann ich euch tausende Geschichten erzählen, was für verrückte Kreationen man mit Donuts machen kann.
Tarik: Also, ihr seid auf jeden Fall super kreativ unterwegs. Es gibt ja auch bei euch vegane Donuts. Was ist denn da drin in so einem veganen Donut, und wie gut kommen die denn bei den Leuten an?
Enes: Da ist ein Soja-Volleiersatzmittel drin, und das ist eigentlich der einzige Unterschied, weil ansonsten ist bei uns in den normalen Donuts auch nichts anderes drin außer Vollei. Das ist halt quasi als Ersatzprodukt in den veganen Donuts drin. Da sind wir auch mit den Donuts einfach sehr, sehr weit. Die schmecken einfach fast eins zu eins wie unsere normalen Donuts, außer dass vielleicht ein, zwei so Aromapunkte fehlen, aber sonst. Also haben wir noch nie gehört: „Boah, das ist aber vegan und das schmeckt nicht so wie ein normaler.“
Tarik: Enes, merkst du einen Trend, wenn es um vegane Donuts geht? Also sind die in den letzten Jahren populärer geworden bei euch?
Enes: Auf jeden Fall populärer geworden, ja, aber in der Masse und in der Anzahl immer noch so verschwindend gering, dass ich sagen kann, also absolut unsere Top 10 Bestseller-Donuts sind alle nicht vegan, auf gar keinen Fall. Aber wir wissen, dass es diese Sparte gibt, dass die auch immer beliebter wird und dass vegan sein schon lange kein Trend mehr ist, sondern absolut akzeptiert in der Gesellschaft und omnipräsent.
Tarik: Eva Maria, was merkst du dazu auf Social Media, wenn es um Ernährung geht? Ist da vegan das zentrale Thema?
Eva Maria: Also, es ist auf jeden Fall ein zentrales Thema. Definitiv. Ich denke gerade beim Thema Veganismus ist das äh eben im öffentlichen Diskurs sehr stark repräsentiert, ne? Also, es gibt ganz viele Leute, die gerne und laut darüber sprechen und dann eben möglicherweise auch ihre Meinung ähm intensiv verteidigen gegenüber anderen Menschen. Äh muss nicht immer so sein, aber es wird eben viel über das Thema gesprochen. Nur ähm, wenn man sich dann tatsächlich die letzten, also die Zahlen anschaut, dann ist es tatsächlich verschwindend gering, ne? Also selbst Vegetarier sind ja noch im einstelligen Prozentbereich und Veganer dann noch weniger. Was man aber schon sieht, ist, dass – und das hat Enes auch gerade gesagt –, dass die Akzeptanz dafür größer wird, ne? Also in der letzten Umfrage vom Bundesministerium haben sich über 50 % der Deutschen als Flexitarier bezeichnet. Das wäre vor zehn Jahren undenkbar gewesen, ne? Also, da hätten die meisten nicht mal gewusst, was ein Flexitarier ist. Aber heute sind Leute zumindest bereit, auch mal andere Dinge auszuprobieren, offener dafür, und das sieht man schon. Aber die Zahlen sind definitiv noch so, dass die meisten Menschen sich nicht vegan ernähren.
[49:15] Thema: Gesundes Essen mit Genussfaktor und Kampfsport für Kids
Tarik: Enes, du hast ja schon zu Beginn gesagt, dass du jetzt nicht jeden Tag einen Donut isst. Magst du mal den Zuhörer:innen sagen, wie du die Balance zwischen Fitness und Genuss schaffst?
Enes: Für mich bedeutet äh gesund nicht, dass ich auf Genuss verzichte. Und wenn man sich heutzutage ein bisschen mit Ernährung beschäftigt, dann stellt man fest, dass Produkte wie beispielsweise ein leckerer Frischkäse, danach als Nachtisch noch ein schöner Quark, und vorher isst du dann diesen Frischkäse beispielsweise mit so einem Biofleisch und dazu noch ein schöner Reis oder so ein Quinoa-Erbsen-Gemisch. Das sind alles super leckere Sachen. Also da habe ich 100 % Genuss. Ich habe mittlerweile einfach mein Leben so getaktet und umgestellt ernährungstechnisch, dass auch die Dinge, die zu 100 % gesund sind, mir hundertprozentigen Genuss geben. Natürlich werden sie mir nicht den Genuss geben, wie wenn ich in etwas richtig Fettiges, Saftiges reinbeiße, weil so ist auch einfach unser Gaumen mittlerweile getrimmt. Wir lieben einfach dieses Fettige, diese fettigen Soßen, die dann so runterlaufen. Schön richtig hochkalorische Lebensmittel, aber am besten so schön komprimiert und dann in einem rein. Das tut dem Körper einfach in diesem Moment gut, aber leider auch nur für diesen Moment. Und ich versuche einfach so nah wie möglich an diesen Genuss zu kommen, indem ich viele Zutaten miteinander kombiniere. Also für mich ist Genuss und gesund in keiner Weise ein Widerspruch. Das geht vollkommen klar miteinander. Wenn ich mir da tolle Kartoffeln mache, dann noch in Quark noch Dill und ein bisschen Knoblauch reinmache und das dann so reintunke und esse, das schmeckt bombe. Und das ist aber auch sehr wichtig, dass man versteht, dass das der Körper braucht. Und bei mir fahre ich halt so in dem Sinne gut, dass ich einfach in der Woche möglichst genussvoll mich gesund ernähre und am Wochenende dann einfach reinknalle, und so fahre ich bis jetzt am besten. Bin sportlich, bin sehr muskulös und ja, so macht's Spaß.
Tarik: Eva Maria, wo würdest du die Grenze ziehen zwischen Genuss und Exzess?
Eva Maria: Also, ich würde sagen, Exzess haben wir dann, wenn es Zwang – also wenn wir vielleicht denken, wir müssen das tun, wir können es nicht mehr sein lassen, auch wenn die negativen Konsequenzen äh das kurze positive Erlebnis übersteigen, auf lange Sicht gesehen. Das sind so Faktoren, wo ich sagen würde, ja, da hört der Genuss dann irgendwann auf. Wenn wir uns jetzt vorstellen, ähm Donuts sind super lecker und sprechen natürlich viele Geschmacksknospen an, aber äh wenn wir jetzt morgens zum Frühstück einen Donut und zum Mittagessen einen Donut und zum Abendessen einen Donut und das Ganze dann eine ganze Woche lang, dann schmecken die irgendwann auch nicht mehr toll, ne? Das heißt, es muss schon ein bisschen auch was Außergewöhnliches sein und die Belohnung mit dahinterstecken.
Tarik: Marie, du hast ja auch einen Kampfsportverein für Kinder in Berlin gegründet. Welche Rolle spielt denn da gesunde Ernährung, wenn es um das Trainieren der Kids geht?
Marie: Genau. Also, ich habe 2016 mit einer Freundin, mit der ich selber auch aufgewachsen bin im Kampfsport, haben wir einen Verein gegründet, wo es eigentlich in erster Linie darum ging – der Kampfsport hat mir so viel gegeben, auch im Sinne von Disziplin, Respekt vor mir selbst, vor meinem Körper, von meinen Mitmenschen, ähm Durchhaltevermögen, Kampfgeist. Also, es hat mir so viele positive Werte gegeben und ohne das Kampfsporttraining wäre ich nicht die Person, die ich bin und wäre auch nicht so erfolgreich, wie ich bin. Also, es hat – ich finde, Kampfsporttraining hat ähm einen riesigen Effekt auf die Psyche und auf das Aufwachsen der Kinder. Und deswegen haben wir gesagt, das hat mir so viel gegeben, ich will das auch anderen Kindern mitgeben.
[54:30] Thema: Verabschiedung und Outro
Tarik: Hey, vielen Dank an euch drei. Danke an Marie, danke an Enes und danke an Eva Maria. Schön, dass ihr heute mit dabei wart.
Marie: Tschüss.
Eva Maria: Vielen Dank.
Enes: Tschüss. Ciao. Ciao.
Tarik: Und falls ihr eine Folge von Let's Talk Milch verpasst habt, dann holt das doch jetzt einfach mal nach. Man lernt immer viel dabei. Viel Spaß dabei. Ciao. Ciao. Das war Let's Talk Milch. Schön, dass ihr zugehört habt, und jetzt seid ihr gefragt. Real Talk Milch. Sagt uns eure Meinung und werdet Teil des Podcasts. Wie das geht? Einfach per Sprachnachricht, und alle Infos dazu findet ihr auf www.initiative-milch.de/letstalkmilch. Ob unterhaltsam oder kontrovers, verratet uns, was ihr über das Thema Milch denkt und was ihr noch wissen möchtet. Eine Auswahl eurer Nachrichten und Fragen bauen wir dann in die nächste Folge ein, und den Link findet ihr in den Shownotes. Viel Spaß, euer Tarik.
Seine Donut-Kreationen stehen für Gönn-Dir, gleichzeitig stehen Fitness-Fanatiker:innen an ihrem Cheat-Day vor seinen Läden Schlange. Der Gründer von Royal Donuts ist mit seinen süßen Kreationen extrem erfolgreich. Wir wollen wissen: Wie schafft der deutsche Zuckerkönig persönlich den Spagat zwischen Genuss und gesunder Ernährung?
Enes Seker auf Instagram
Sie ist die erste deutsche schwarze Stuntfrau in Hollywood und war schon in Filmen wie Black Panther, Star Wars und James Bond zu sehen: Marie Mouroum ist eine Powerfrau im doppelten Sinne, pendelt für ihre Rollen zwischen Berlin und den USA und ist gefragter denn je. Als Stuntfrau ist ihr Körper ihr Kapital. Wieviel Genuss kann sie sich da erlauben?
Marie Mouroum auf Instagram
Die wissenschaftliche Genuss-Expertin hat Oecotrophologie und Public Health Nutrition studiert. Sie hat sogar ein Buch über die Geschichte des Genusses geschrieben. Aktuell promoviert sie über Ernährung auf Social Media. Wo sieht sie die Balance zwischen Genuss und Fitness?
Eva-Maria Endres auf Instagram
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"Ich habe mittlerweile einfach mein Leben so getaktet und umgestellt, ernährungtechnisch, dass auch die Dinge, die zu 100 Prozent gesund sind, mir hundertprozentigen Genuss geben."
Enes Seker, Gründer von Royal Donuts
Der Moderator und Podcaster ist bekannt aus dem Online-Format „Jäger & Sammler“ im ZDF und der Talkshow „deep und deutlich“ im NDR. Im Podcast „Tratsch & Tacheles“ spricht er mit der Moderatorin Hadnet Tesfai offen und ehrlich über die latest news aus der Popkultur. Mit seinen glamourösen Fashion-Statements auf seinen Social-Media-Kanälen gilt Tarik als der deutsche Billy Porter.
