Podcast #10
Mahlzeit ohne Meckern. Ein nachhaltiges Familienessen mit Kids und ihren ganz unterschiedlichen Bedürfnissen kann gelingen. Wir sprechen drüber mit einer prominenten Mutter, einer Kinderärztin und Deutschlands jüngster Kochbuchautorin.
Der Weg zu mehr Klimaschutz führt auch über unsere Teller, findet Lea Elci, Schülerin und Klimaschutz-Aktivistin aus Hamburg. Sie hat mir ihrem Vater ein Kochbuch für nachhaltige Ernährung geschrieben. So wie Lea möchten sich viele junge Menschen heute nachhaltiger ernähren. Wird das zum Problem am Familientisch? Nina Bott muss es wissen, die Moderatorin und Schauspielerin ist Mutter von vier Kindern zwischen vier und 19 Jahren. Wie bringt sie die unterschiedlichen Bedürfnisse ihrer Kids auf einen Nenner? Und wie können Eltern ihre Kids für eine vielfältige Ernährung begeistern? Kinderärztin Snježi-Maria Schütt weiß um die Unsicherheiten bei Eltern und gibt Tipps, was bei der Ernährung für Kinder und Heranwachsende wirklich wichtig ist.
Alle Folgen findet ihr ab sofort auf Apple Music, Spotify und Deezer.
Podcast: Kinder, kommt nörgeln, Essen ist fertig! – Jetzt anhören!
Um diese diese Inhalte zu laden benötigen wir die Zustimmung zu funktionalen cookies. Entsprechende Datenschutzbestimmungen finden sie hier: https://www.initiative-milch.de/wir-brauchen-dein-einverständnis/
[00:00] Thema: Intro und Vorstellung der Gäste
Tarik: [Podcast-Musik] Willkommen bei Let's Talk Milch, dem Podcast der Initiative Milch. Wisst ihr, was Sterneköche, Celebrities, Jungbäuerinnen, Food-Start-ups und Latte-Art-Künstlerinnen vereint? Ich bin Tarik und verrate es euch. Hier bei Let's Talk Milch. Wenn wir das mit dem Klimaschutz wirklich ernst nehmen, dann müssen wir auch darauf achten, was auf unseren Tellern landet. Das findet Lea Elçi. Sie ist Schülerin und Klimaaktivistin aus Hamburg und hat gemeinsam mit ihrem Papa ein Kochbuch für nachhaltige Ernährung geschrieben. So wie Lea möchten sich viele junge Menschen nachhaltiger ernähren. Und ich frage mich, wird das nun zum Problem am Familientisch? Nina Bott muss es wissen. Die Moderatorin und Schauspielerin ist Mutter von vier Kindern im Alter von 1 bis 18 Jahren. Wie bringt sie die unterschiedlichen Bedürfnisse ihrer Kids auf einen Nenner, aka Teller? Kinderärztin Snjezana Maria Schütt kennt die Unsicherheiten bei Eltern und gibt Tipps, was bei der Ernährung für Kinder und Heranwachsende wirklich wichtig ist. Hi und herzlich willkommen bei Let's Talk Milch.
Lea Elçi: Hallo.
Nina Bott: Hallo.
Snjezana Maria Schütt: Hallo.
Tarik: Schön, dass ihr alle mit dabei seid. Ich habe euch ja schon gerade ein bisschen vorgestellt, würde euch aber noch ein bisschen mehr vorstellen. Lea, ich fange mit dir an. Du hast ein Kochbuch geschrieben, das wissen wir, was wir aber nicht wissen: Du hast das Ganze mit 15 Jahren gemacht. Ich würde mal sagen, wow. Und zwar mit deinem Papa zusammen. Koral Elçi, der war auch schon mal hier bei uns bei Let's Talk Milch und er ist Eventkoch und Gründer der Kitchen Guerilla. Dein Buch heißt "Umessen" und was wir da genau lernen, das verrätst du uns gleich. Hi, schön, dass du da bist.
Lea Elçi: Hallo, vielen Dank.
Tarik: Nina Bott. Nina, du bist Moderatorin, viele kennen dich bestimmt aus den Serien "Verbotene Liebe" und "GZSZ". Du bist vierfache Mutter, also wenn jemand weiß, was auf den Teller gehört, dann bist das ja wohl du. Schön, dass du heute da bist.
Nina Bott: Ja, danke.
Tarik: Snjezana Maria Schütt, du bist Kinderärztin und mit Herz und Seele für Kinder und Eltern da. Auf deinem Blog "Die Kinderärztin" gibst du Koch- und Bastel- und auch noch Reisetipps. Und du hast mal gesagt, das meiste über Kinder hast du von deinen zwei Söhnen gelernt.
Snjezana Maria Schütt: Das stimmt. Hallo, schön, dass auch du heute da bist.
[01:45] Thema: Kindheitserinnerungen an Lieblingsessen
Tarik: Wir fangen an mit einer Einstiegsfrage und zwar möchte ich von euch gerne wissen: Was habt ihr als Kinder am allerliebsten gegessen und welche Rolle haben dabei Milchprodukte gespielt? Lea, ich würde sagen, du fängst an, weil deine Kindheit ist, glaube ich, die, die am nächsten noch dran ist.
Lea Elçi: Ja, also ich habe tatsächlich nie ganz so typisch Kinderessen gegessen, Nudeln ohne alles oder Pfannkuchen waren nie meine Lieblingsessen. Aber was schon so ein Gericht war, ist Porridge oder Brei als Frühstück.
Tarik: Warst du so ein kleiner Gourmet früher als Kind?
Lea Elçi: Also auf jeden Fall kein typisches Kind, was Ernährung angeht, glaube ich, auch durch meine beiden Eltern. Meine Mutter hat mir mal erzählt, dass ich mit zwei schon irgendwelche Wasabi-Nüsse gegessen habe.
Tarik: [lacht hörbar] Oh wow. Okay. Nina, wie ist es bei deinen Kindern? Sind die kleine Gourmets oder gerne auch mal einfach Nudeln und Pommes?
Nina Bott: Ja, gerne auch mal Nudeln und Pommes mag ich aber auch. Also, es hat eigentlich nichts dann mit meinen Kindern alleine zu tun. Ich glaube, jeder freut sich auch mal über sowas. Aber die sind auch schon Gourmets. Die haben alle ihren eigenen Kopf. Der eine isst kein Fleisch, der andere könnte sich am liebsten nur von Fleisch ernähren. Was ich auf jeden Fall festgestellt habe, ist, dass wenn man die Kinder mit einbezieht beim Kochen, das war bei mir auch so in der Kindheit früher, dann essen die auch mal was, was sie eigentlich sonst nicht so essen wollen würden, wie Brokkoli zum Beispiel. Wenn sie den selber geschnippelt haben, dann essen sie den eigentlich auch ganz gerne. Und weil du vorhin gefragt hast, so ein klassisches Gericht mit Milch: Also bei mir in der Kindheit gab es halt immer mal, gerade wenn es einem nicht so gut ging, wenn man krank war oder im Winter, wenn es kalt war und man vom Spaziergang heimkam, Zwieback mit Milch. Sehr, sehr lecker.
Tarik: Snjezana, wie ist es bei dir als Kind gewesen?
Snjezana Maria Schütt: Ja, Pfannkuchen standen bei mir schon ganz oben. Die mochte ich sehr gerne. Meine Jungs mögen das aktuell auch sehr gerne. Ich mochte aber auch so einen relativ flüssigen Pudding, den meine Oma immer gekocht hat, und da gab es dann immer so kleine Eiweißwölkchen drin. Das fand ich auch sehr lecker.
Tarik: Ich liebe zum Beispiel auch so gefüllte Pfannkuchen mit irgendwie Spinat und Zeug noch drin. Also dann mag ich es tatsächlich auch sehr gern.
[03:50] Thema: Lea Elçis Kochbuch "Umessen"
Tarik: Lea, dein Papa ist Koch, deine Mutter ist Autorin. Sagt mal, dreht sich bei euch zu Hause alles nur ums Essen?
Lea Elçi: Nicht alles, aber Essen ist auf jeden Fall immer ein sehr großes Thema und der Esstisch ist auf jeden Fall der Ort, wo wir alle zusammenkommen. Und ja, ich wurde da schon sehr durch gutes Essen geprägt von meinen beiden Eltern.
Tarik: Also würdest du sagen, dein heutiger Ernährungsstil ist auch maßgeblich durch deine Eltern beeinflusst?
Lea Elçi: Ja, auf jeden Fall. Also, ich meine, ich lebe ja noch bei meinen Eltern und die beeinflussen mich da auf jeden Fall und haben mich auch in der Entwicklung mit dem Kochbuch beeinflusst. Allerdings habe ich die auf der anderen Seite auch beeinflusst, also mit meiner vegetarischen Ernährung habe ich, glaube ich, die ganze Familie auch ein bisschen angestachelt, weniger Fleisch zu essen. Am Anfang waren die auch teilweise noch, oder mein Papa auf jeden Fall, weiß ich noch, sehr kritisch, was das angeht, und mittlerweile sagt er auch, ja, es ist super, und die essen alle viel weniger Fleisch mittlerweile. Also auf jeden Fall so ein gegenseitiges Beeinflussen.
Tarik: Ich bin auf jeden Fall immer noch fix und foxy, weil du ja mit 15 Jahren ein Kochbuch geschrieben hast. Ich bin ja schon mit einer Seite auf Word komplett überfordert und freue mich dann, wenn ich es dann irgendwie geschafft habe, dass da irgendetwas steht. Wie kamst denn du auf die Idee zu sagen: "Hey, ich mache jetzt dieses Kochbuch"?
Lea Elçi: Also, das Buch ist tatsächlich durch ein Schulprojekt entstanden. Das ist so bisschen der kleinere Vorreiter von "Umessen" und das kam dann so gut an, dass ich mit meinem Papa zusammen gesagt habe, okay, wir machen das Ganze jetzt noch mal größer. Und er hat eben die kulinarische Erfahrung damit reingebracht. Er ist der Koch dahinter im Prinzip und ich eben die Gedanken.
Tarik: Und warum "Umessen"?
Lea Elçi: "Umessen" kam von Umdenken und dann halt eben im Bezug aufs Essen, auf die Ernährung, und setzt sich mit klimafreundlicher oder nachhaltiger Ernährung auseinander. Ja, es ist ein Thema, was mich schon länger sehr bewegt und wo ich irgendwie was tun wollte.
[05:50] Thema: Familienalltag und Kinderernährung
Tarik: Wie genau das geht mit diesem klimafreundlichen und nachhaltigen Essen, das will ich gleich noch von dir wissen vorher. Aber Nina, ich habe es gerade schon gesagt, im Alter von 1 bis 18 Jahren hast du Kinder, also ganz kleine und auch schon echt große. Wie schaffst du das, die ganzen Ernährungswünsche deiner Kinder unter einen Hut zu bringen?
Nina Bott: Ja, das ist eigentlich gar nicht so kompliziert. Also, ich versuche jetzt auch nicht wirklich für jeden sein Lieblingsessen zu kochen jeden Tag, denn ich kann gerne Wünsche berücksichtigen, wie die Soße bitte erstmal extra bei Pasta oder man lässt erstmal den Fisch raus aus einer Pastasoße, aber ich kann jetzt auch nicht auf alles eingehen. Aber ich finde, so ein Trick ist zum Beispiel auch, wenn man will, dass die Kinder erstmal was Gesundes gegessen haben, dass man halt zum Beispiel sowas wie Rohkost schon mal vorm Essen auf den Tisch stellt. Dann weiß man, wenn die so richtig hungrig sind, dann essen sie das auch und dann gibt's danach halt irgendwas, was einfach noch satt macht. Gibt halt manchmal so Dinge, die Kinder eigentlich nicht essen. Kürbis beispielsweise hat mein Sohn bei mir zu Hause nie essen wollen und irgendwann habe ich aber mitbekommen, dass er Kürbissuppe gegessen hat in der Kita und das würde er nie zu Hause machen. Also mittlerweile ist er 18 und isst alles, aber da habe ich auch zu ihm gesagt: Was ist denn los? Also wieso isst du das denn da? Und da hat er halt auch gesagt, na ja, da haben wir eine richtige Küche und richtigen Koch und irgendwie habe ich dann schon gemerkt, so, okay, das ist so viel Kopfsache auch bei Kindern oder eben nichts Grünes essen oder so. Ist eigentlich so absurd, aber Kinder haben halt so Sonderwünsche und ich versuche das ein bisschen zu berücksichtigen, aber mir auch nicht komplett auf der Nase rumtanzen zu lassen.
Tarik: Aber gibt's dann auch mal Zoff bei euch am Familientisch?
Nina Bott: Nee, also klar gibt's, glaube ich, in jeder Familie geht's mal ein bisschen heißer her, aber eigentlich nicht wegen des Essens. Also klar, wenn die hungrig sind oder müde, dann, gerade so Teenager haben dann meistens nicht so gute Laune oder auch kleine Kinder, wenn die dann irgendwann nölig werden, weil es nicht schnell genug geht, bis das Essen auf dem Tisch steht. Aber sowas bringt mich dann auch nicht aus der Ruhe.
[07:45] Thema: Die ärztliche Perspektive auf Ernährung
Tarik: Snjezana, du bist ja selber Mutter, aber blickst auch als Ärztin auf das Thema Ernährung. Welche Themen beschäftigen denn Eltern, wenn es um das große Thema Ernährung geht?
Snjezana Maria Schütt: Ja, tatsächlich ist Ernährung ein Thema, das immer wieder zu vielen Fragen, Verunsicherung, Sorgen bei Eltern führt. Dabei könnte es theoretisch eigentlich so einfach sein, denn jeder von uns ist auf die Zufuhr von Nahrung angewiesen. Unser Körper kann viele Nährstoffe nicht selber herstellen. Wir brauchen Nahrung für die Funktion unserer Körperzellen. Wir brauchen Energieträger, wir brauchen Flüssigkeit. All das gilt für uns alle. Und dennoch ist es dann in der praktischen Umsetzung nicht immer so einfach wie es scheint, insbesondere dann, wenn wir Eltern die Verantwortung für das gesunde Aufwachsen oder das Wachstum unserer Kinder haben. Spätestens dann merken wir, dass Ernährung einfach auch vielen verschiedenen Faktoren unterliegt. Wir haben gesellschaftliche Einflüsse, wir haben kulturelle, religiöse Unterschiede, wir haben auch natürlich einen anderen Zugriff auf Nahrung. Es gibt weltweit, merken wir jetzt natürlich, große Unterschiede und entsprechend natürlich auch ganz unterschiedliche Sorgen, aber natürlich machen sich Eltern viele Sorgen um das Wachstum ihrer Kinder. Und ich denke, dass es da ganz wichtig ist, dass wir Eltern unterstützen und eben beratend zur Seite stehen und dabei auch immer wieder berücksichtigen, dass es altersspezifische Bedürfnisse gibt, dass es einen anderen Stoffwechsel und Nährstoffbedarf bei Säuglingen gibt, zum Beispiel als bei Schulkindern oder Jugendlichen. All das müssen wir im Kontext Ernährung sehen und natürlich ist das Ziel immer, möglichst eine gesunde Ernährung mit allen Bestandteilen anzubieten, damit eben Kinder dann auch entsprechend gesund aufwachsen können.
Tarik: Merkst du einen Unterschied zwischen dem, was Kinder und Jugendliche heute essen und was früher gegessen wurde?
Snjezana Maria Schütt: Ja, das denke ich ist auf jeden Fall spürbar. Ich bin ja Anfang der 70er Jahre geboren und da lief Ernährung anders ab, man hatte andere Lebensmittel auf dem Tisch. Und glücklicherweise sind wir eben jetzt zunehmend in einer Situation, wo wir uns Gedanken um das Thema Ernährung machen. Wo kommt unsere Nahrung her? Lea hat es ja so schön verdeutlicht, dass wir umdenken müssen aufgrund verschiedener Aspekte und insbesondere auch beim Thema Ernährung an sich. Und ja, Kinder und Jugendliche ernähren sich anders. Es gibt auch da altersspezifische Unterschiede, aber wir können sagen, dass das Thema Ernährung sich in alle Richtungen entwickelt. Und wir, was den kinderärztlichen Bereich anbelangt, leider auch sehen, dass das Thema Übergewicht zunehmend eine Rolle spielt. Jedes sechste Kind in Deutschland ist übergewichtig und wir haben eben auch da viele Einflüsse, die da eine Rolle spielen.
[10:00] Thema: Nachhaltigkeit in der jungen Generation
Tarik: Lea, wie schaut's bei deinen Freundinnen aus? Ich meine, du hast jetzt ein Kochbuch geschrieben, das heißt, du beschäftigst dich auf jeden Fall mit dem Thema Nachhaltigkeit, Klimafreundlichkeit. Wie ist es in deinem Freundinnenkreis?
Lea Elçi: Also, das ist auf jeden Fall was, was immer mehr zum Trend wird beziehungsweise zum Thema einfach und was, glaube ich, vor allem die junge Generation irgendwie mehr beschäftigt. Weil man wirklich merkt, also erstmal ist Essen was, ein Teil von dem Leben von uns allen ist, was wir alle brauchen und was einen Rieseneinfluss auf den Klimawandel und andersrum hat. Und ich sehe das auf jeden Fall bei meinen Freundesgruppen, dass da auch sehr viel passiert. Also, dass ich viele Freunde habe, die sich auch vegan ernähren, die sich mindestens vegetarisch ernähren, die da sich auf jeden Fall Gedanken machen. Aber das ist natürlich auch wieder sowas, wo ich sehr in der Bubble stecke und bisschen das Gefühl habe, vielleicht ist mein Bild auch bisschen verzerrt. Ich weiß nicht, wie das wirklich insgesamt ist. Ich habe das Gefühl, es ist immer noch zu wenig Thema und am Ende passiert was. Aber ich habe trotzdem das Gefühl, es muss viel mehr passieren.
Tarik: Und sag mal, warum hast du irgendwann gesagt: "Hey, ich möchte gerne Veggi leben"?
Lea Elçi: Ich glaube, ich bin jetzt seit fünf Jahren Vegetarierin und ich habe ungefähr mit 11 oder so mich immer mehr mit dem Thema Massentierhaltung und auch Klimawandel irgendwie auseinandergesetzt. Aber es war am Anfang schon noch mehr diese Tierhaltung, wo ich Bücher gelesen habe, Dokumentationen geguckt habe und Bilder gesehen habe, wo ich irgendwie gesagt habe, dass ich das nicht unterstützen kann. Dann habe ich irgendwann gesagt, okay, ich bin jetzt Vegetarierin, bin aber eigentlich auch immer noch Flexitarierin. Und zwar, weil ich einmal im Jahr Fleisch esse an meinem Geburtstag. Es gibt Wildschwein aus der Region, wo ich irgendwie wirklich sagen kann, so, das ist gut, ich weiß, das ist die beste Form, Fleisch zu essen. Und ich glaube, so ein Umgang damit ist sehr wichtig, dass man es irgendwie mehr zelebriert und dass es weniger diese Masse ist.
[12:00] Thema: Die Rolle von Milchprodukten im Alltag
Tarik: Jetzt heißt ja unser Podcast Let's Talk Milch. Nina, wie schaut's bei euch aus? Welche Rolle spielen denn Milchprodukte bei deiner Familie?
Nina Bott: Auch eigentlich eine große. Also für mich auch tatsächlich. Also so, ich weiß nicht, so einen schönen Milchkaffee am Morgen mit ganz viel Milchschaum oder so. Das kann ich mir wirklich oder das mag ich mit Hafermilch beispielsweise gar nicht. Wobei wir auch immer Hafermilch hier haben. Also ich biete das schon alles an. Ich zeige die Alternativen, aber da tue ich mich selber manchmal auch schwer. Ist ja auch immer so ein bisschen eine Frage, wie man selber groß geworden ist. Und ich glaube, dass es für meine Kinder viel einfacher ist, weil die lernen so viele tolle Sachen kennen, so viele mögliche Alternativen und ich bin halt auch Ende der 70er geboren und bei uns wurde halt nicht so viel über Nachhaltigkeit nachgedacht. Wir hatten halt auch bei einem Picknick immer so Plastik und Strohhalme immer, wenn man irgendwo essen war. Und ich bin echt froh, dass da in so vielen Bereichen umgedacht wird und dass es da jetzt Alternativen gibt. Ich glaube, es ist auch wichtig für Kinder, dass sie eben Milchprodukte zu sich nehmen. Und auf Käse beispielsweise könnte ich zu allerletzt verzichten, glaube ich, wenn wir bei Milchprodukten sind, und auch Butter gehört für mich dazu. Trotzdem versuche ich das auch im Blick zu behalten und ja, dieser übermäßige Konsum von Fleisch und Milch und so weiter, wie es das früher gab, als ich klein war, das gibt's bei uns nicht.
Snjezana Maria Schütt: Also zu Hause im privaten Umfeld haben wir eine Mischkost. Das heißt, es gibt von allem etwas. Alles ist mit dabei. Jeder hat natürlich auch bei uns unterschiedliche Vorlieben und ja, bei mir ist es so wie bei Nina, der Milchschaum im Kaffee. Das ist sozusagen mein Beginn des Tages und ansonsten bin ich da eigentlich relativ offen. Aber genauso wie Lea es auch sagte, wir müssen einfach umdenken und zumindest die Lebensmittel einfach auch mehr schätzen lernen. Und allein dadurch kann sich vieles ändern und bewegen. Und auch im beruflichen Umfeld sehe ich, dass das Thema Milch, Milchprodukte, nachhaltige Ernährung auch bei Jugendlichen, jungen Erwachsenen eine zunehmend große Rolle spielen und ich denke, da können wir durchaus mitdenken und umdenken und ich finde das eigentlich einen ganz guten Trend, sich darüber Gedanken zu machen.
Tarik: Und sag mal Lea, bei dir im Kochbuch, welche Rolle spielen da Milchprodukte?
Lea Elçi: Milchprodukte spielen auf jeden Fall eine Rolle in dem Buch. Also, es ist ja nicht vegan, nicht mal vegetarisch, und ich ernähre mich leider auch noch nicht vegan. Aber es geht bei Produkten auf jeden Fall auch um einen bewussten Umgang damit und es gibt in dem Bereich auch viele Probleme. Und vor allem in der Masse, in der das gerade noch konsumiert wird, kann das nicht so weitergehen. Deswegen würde ich sagen, es ist super wichtig, dass man guckt, wo das herkommt und das in Maßen konsumiert wird. Und das mache ich auch irgendwie, dass ich es auf jeden Fall aus biologischer Haltung esse und trinke, aber dass man eben einen Umgang damit findet und nicht einfach nur konsumiert ohne Grenzen.
Tarik: Du meintest gerade, du ernährst dich noch nicht vegan. Heißt das, so ein bisschen vegan ist so für dich das, wo es vielleicht bald essensmäßig hingeht?
Lea Elçi: Ah, ich weiß es tatsächlich nicht. Vielleicht auch nicht, aber es ist auf jeden Fall auf eine Art irgendwie immer so mein Ziel, weil ich finde es super toll, wenn Leute das schaffen. Ich glaube aber auch, es muss nicht so sein und es muss sich nicht jeder vegan ernähren. Ich glaube auch, das wird nie passieren, aber ja, für mich ist es irgendwie bisschen so wie mein höchstes Ziel. Aber ich weiß nicht, ich will natürlich auch weiterhin Essen genießen und ich liebe Essen und ich liebe auch guten Käse. Und dazu gibt es auch noch keine guten Ersatzprodukte, deswegen kann ich das nicht so genau sagen, aber auf jeden Fall das in Maßen zu konsumieren, ist mir wichtig.
[15:30] Thema: Vegetarische und vegane Phasen in der Familie
Tarik: Nina, was würdest du machen, wenn eins deiner Kinder sagt: "Hey, Mama, ich bin ab heute vegan"?
Nina Bott: Ist sogar schon vorgekommen. Finde ich völlig in Ordnung. Ist ein bisschen komplizierter natürlich auch für denjenigen, der kocht. Also gerade, wenn nicht alle dann vegan essen, dann fängt man tatsächlich an, für jeden hier ein Sonderwunsch sozusagen zu kochen. Ich versuche dann das umzusetzen, aber ich glaube, es lief dann meistens darauf hinaus, dass wir einfach alle vegan gegessen haben. Und es gibt so ein paar Gerichte, die ich auch von meinen Eltern halt noch gerne koche oder von meinen Großeltern und für mich hat es auch was mit Traditionen und so zu tun und das geht dann so ein bisschen verloren. Dann fängt man halt tatsächlich an, einfach nur noch neue Gerichte zu kochen, weil ich finde es schwierig, das zu ersetzen, wenn da eigentlich Butter drin ist. Das schmeckt halt anders mit einer pflanzlichen Margarine oder so. Also manchmal vermisse ich das dann halt, wenn ich halt hier zu lange vegan koche, dann fehlt mir so das, was ich selber aus meiner Kindheit gegessen habe. Aber ich versuche darauf einzugehen und ich würde das immer unterstützen. Mir selber fällt es schwer, auf Milchprodukte und auch Fleisch zu verzichten.
Tarik: Snjezana, du als Ärztin, was für Tipps hast du denn für Eltern, wenn es um gesunde, nachhaltige Ernährung geht?
Snjezana Maria Schütt: Wir Eltern sagen viel, aber viel wichtiger als das ist für Kinder, was tun wir eigentlich? Wenn wir uns selber gesund, nachhaltig ernähren, dann wird es automatisch auch in das Bewusstsein der Kinder übergehen. Kinder sind offen, sind empathisch, das heißt, es wird alles Einfluss nehmen, vielleicht nicht gleich morgen oder übermorgen, aber langfristig schon. Und Eltern müssen vielleicht auch so ein bisschen darüber sich klar machen, dass es einfach auch ganz spezielle Entwicklungsphasen bei Kindern gibt. Das heißt, in den ersten Jahren sind sie meistens sehr offen, sehr neugierig, wollen alles ausprobieren, mit allen Sinnen erkunden und dann gibt es eben so mit Beginn der Autonomiephase eigentlich eben auch ganz normalerweise eine Phase, wo Kinder dann plötzlich Lebensmittel ablehnen, nicht mehr mögen. Das führt natürlich zu einer Verunsicherung der Eltern, weil sie sagen, mein Kind hat doch gerade eben – gerade mochtest du das noch und jetzt plötzlich nicht. Je offener man hier ist und je entspannter, je weniger Druck man aufbaut, umso leichter ist es. Und wie Nina schon sagte, dass man einfach ein buntes Angebot hat, Kindern das anbietet und eben entsprechend sie ihre Erfahrung machen lässt. Das ist eigentlich meistens ein ganz guter Weg.
Tarik: Was rätst du Eltern, wenn sie Kinder zu Hause haben, die sagen: "Hey, ich möchte jetzt gerne vegan leben" oder "Hey, ich möchte jetzt gerne vegetarisch leben"?
Snjezana Maria Schütt: Also grundsätzlich rate ich Eltern in so einer Situation natürlich immer zu einer Offenheit, zum Dialog, denn wir können sicherlich von allen Ernährungsformen viel lernen und auch von diesem nachhaltigen Aspekt uns natürlich, sage ich mal, für alle Ernährungsweisen etwas abschneiden und das im Fokus behalten. Natürlich ist es wichtig aus ärztlicher Sicht, dass wir beachten müssen, dass es altersspezifische Unterschiede gibt, dass eben Schulkinder einen anderen Nährstoffbedarf und Stoffwechsel haben als Jugendliche. Aber tatsächlich, gerade Jugendliche und junge Erwachsene haben eben schon den Trend aufgenommen und sind dabei umzudenken und umzuessen. Und umso wichtiger ist es dann natürlich, dass wir entsprechend fachlich beraten, uns vielleicht auch selber besser noch informieren, die Trends und die Veränderungen sind schneller als die medizinischen Empfehlungen dazu. Das heißt, ich würde auf jeden Fall sagen, dass es wichtig ist, dass man, so wie Nina sagt, man muss selber sich erstmal in das Thema einarbeiten, man muss sich informieren, man muss schauen: Wie koche ich das jetzt? Wie setze ich das im Alltag um? Was muss ich beachten? Und sich dann gerne eben auch fachlichen Rat holen, kinderärztlich oder eben auch in spezieller Ernährungsberatung, damit man die Nährstoffe, die tatsächlich essenziell sind, im Auge behält. Übrigens in jeder Ernährungsform, wir haben natürlich einige Risiken, wenn man spezielle Nahrungsmittel weglässt, ist vielleicht das Risiko eines Nährstoffmangels höher. Aber man kann auch nicht voraussetzen, dass jemand, der sich fleischhaltig ernährt, optimal versorgt ist; die können genauso auch einen Eisenmangel haben. Und deswegen ist es wichtig, dass wir überall eben diese ganz besonderen Lebensphasen im Visier haben beziehungsweise im Fokus betrachten und dass wir dann entsprechend auch kontrollieren, gibt es einen Mangel und wie kann ich ihn bestmöglich ausgleichen und Druck rausnehmen. Das ist sozusagen auch bei jeder Form der Ernährung wichtig im Umgang mit Familie, Familienessen. Essen soll Spaß machen, Essen soll Genuss sein, und je weniger Druck wir aufbauen, je weniger starr vielleicht auch wir Eltern oder Ärzte an bestimmten Formen festhalten, umso leichter wird es eben, in den Dialog zu kommen und eben auch zukünftig umzudenken, denn das müssen wir auf jeden Fall machen.
[19:30] Thema: Visionen für die Ernährung der Zukunft
Tarik: Zukunft ist ein tolles Stichwort. Lasst uns doch gemeinsam in die Zukunft blicken und uns gemeinsam überlegen, wie schaut denn die Ernährung der Zukunft aus? Was sollten, dürfen, müssen wir oder müssen wir nicht mehr essen, wenn es um eine klimafreundliche und nachhaltige Ernährung geht, denn die ist uns ja, da sind wir uns eigentlich allen wichtig. Lea, da du die Zukunft bist, darfst du anfangen.
Lea Elçi: Also, ich glaube, erstmal ist es wichtig, dass das Wort "dürfen" da nicht so richtig vorkommt beziehungsweise das so bisschen aus dieser Motivation auch passiert, dass wir was tun sollten, weil das einfach sonst nicht weiter funktioniert und weil die Zukunft wirklich auf dem Spiel steht. Und dass da so ein Umdenken stattfindet, einfach gesamtgesellschaftlich, aber das passiert ja auch. Tierhaltung ist einfach auf einem Level und in solchen Massen, dass es nicht funktioniert und dass man da irgendwie wieder ein Schritt zurückgeht. Und ich glaube, es funktioniert auch gar nicht, wenn wir sagen, wir müssen auf alles verzichten, was uns irgendwie wichtig ist und was wir gerne essen, sondern dass man mehr Spaß daran kriegt. Das versuche ich mit dem Buch auch irgendwie darzustellen, dass man Spaß an nachhaltiger Ernährung kriegt und dass es super tolle Dinge gibt, die wir ohne Fleisch und tierische Produkte und auch saisonal und regional zubereiten können. Das sind auch zwei Stichpunkte, die irgendwie da wichtig sind, dass wir das so bisschen mit mehr Freude gestalten können. Ja, das wären so bisschen meine Visionen und ich hoffe, wir kriegen das hin. Und ich bin mir aber sicher, dass man daran glaubt. Also irgendwie muss man daran glauben, dass es auch wirklich passiert.
Tarik: Nina, wie schauen deine Visionen aus?
Nina Bott: Ja, also sehe ich alles ganz genauso, aber so im Kleinen, auch in der Familie gibt's ja auch Dinge, nicht nur gesellschaftlich, sondern ich find es auch ganz wichtig, seinen Kindern irgendwie sowas vorzuleben, wie dass man auch Reste aufisst. Also es geht ja auch um das Haushalten mit Ressourcen und so und das ist auch zu Hause so. Wenn man halt irgendwie vom Vortag noch eine Menge übrig hat, dann wird's halt am nächsten Tag gegessen. Also das lebt man seinen Kindern vor und ich bin auch echt davon überzeugt, dass es immer besser ist, denen das so automatisch zu vermitteln und vorzuleben, anstatt es zu predigen. Wir haben auch bei uns im Garten für die Kinder so ein Gemüsebeet. Klar, davon werden wir jetzt nicht wochenlang satt, aber ich finde es auch toll, den Kindern zu vermitteln, wo das alles herkommt. Und wir haben so eine Gemüsekiste, die hier nach Hause geliefert wird und da sind dann halt auch irgendwie saisonale Produkte drin, dann lernen die halt auch unterschiedliche Arten von Gemüse kennen und finden das mega interessant und wollen das probieren. So innerhalb der Familie muss man halt einfach gucken, wie man so seinen Weg findet und keiner muss perfekt sein.
Tarik: Aber sag mal, Stichwort saisonal: Was machst denn du, wenn dann in der Kiste Sachen drinne sind, auf die deine Kinder gar keine Lust haben, wie jetzt zum Beispiel Kürbis?
Nina Bott: Bei uns gibt's eigentlich auch so ein bisschen so eine Regel, dass man es zumindest probiert. Und wenn sie sich weigern, finden sie es natürlich auch super spannend, wenn sie einfach beim Kochen dabei sind. Also, da essen die wirklich manchmal so Dinge, wo ich nie erwartet hätte, dass sie das essen. Also, ich find es wichtig, sie mit einzubeziehen. Und es gibt ja auch nicht nur Kürbis, also gibt ja Kürbissuppe, man kann den rösten, man kann den auch verstecken in Tortellini oder so.
Tarik: Snjezana, wie schaut die Ernährung von morgen für dich aus?
Snjezana Maria Schütt: Für mich schaut sie immer noch bunt und abwechslungsreich aus und ich denke, dass wir grundsätzlich eben tatsächlich gesunde Ernährung, nachhaltige Ernährung nicht unbedingt als Verzicht betrachten sollten oder müssten, sondern tatsächlich auch als eine gute Chance, nicht nur aus Umwelt- und Tierschutzperspektive, sondern auch für unsere eigene Gesundheit. Und Ernährung ist somit weiterhin ein ganz wichtiger, eigentlich toller Bereich.
[22:30] Thema: Outro
Tarik: Hey, vielen Dank an euch drei, dass ihr heute mit dabei wart. Vielen Dank an euch fürs Zuhören. Das war mittlerweile schon die zehnte Folge von Let's Talk Milch und falls ihr eine verpasst habt, dann checkt doch sehr gerne die anderen Folgen aus. Viel Spaß dabei. Ciao, ciao.
Gäste: Tschüss. Vielen Dank. Tschüss.
Tarik: Das war Let's Talk Milch. Schön, dass ihr zugehört habt und jetzt seid ihr gefragt: Real Talk Milch. Sagt uns eure Meinung und werdet Teil des Podcasts. Wie das geht, einfach per Sprachnachricht und alle Infos dazu findet ihr auf www.initiative-milch.de/letsmilch. Ob unterhaltsam oder kontrovers, verratet uns, was ihr über das Thema Milch denkt und was ihr noch wissen möchtet. Eine Auswahl eurer Nachrichten und Fragen bauen wir dann in die nächste Folge ein und den Link findet ihr in den Shownotes. Viel Spaß, euer Tarik. [Podcast-Musik]
Die Schülerin hat mit gerade einmal 15 Jahren ein Kochbuch geschrieben. Mit Unterstützung von ihrem Vater Koral Elci, Event-Koch und Gründer der “Kitchen Guerilla”, wirft die 17-Jährige in ihrem Buch “Umessen” einen frischen Blick auf die Art und Weise, wie wir heute essen und was wir tun können, um uns klimaschonender zu ernähren.
Zum Buch "Umessen"
Die Schauspielerin und Sängerin ist bekannt als Moderatorin des VOX-Magazins “Prominent” und aus Serien wie “Verbotene Liebe” und “GZSZ”. Als vierfache Mutter mit zwei Söhnen und zwei Töchtern weiß sie, was es heißt, eine große Familie mit unterschiedlichen Bedürfnissen zu versorgen.
Nina Bott auf Instagram
Die Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin ist mit Herz und Seele für Familien und Kinder da. In ihrem Blog die-Kinderherztin informiert sie über gesundheitliche Themen aus dem kinderärztlichen Bereich und gibt Familien liebevolle Bastel-, Koch- und Reisetipps. Sie sagt, am meisten über Kinder lernt sie von ihren zwei Söhnen.
Snježana-Maria Schütt auf Instagram
"Ich bin auch echt davon überzeugt, dass es immer besser ist, den Kindern das automatisch so vermitteln und vorzuleben, anstatt es zu predigen."
Nina Bott, Schauspielerin und Moderatorin
Der Moderator und Podcaster ist bekannt aus dem Online-Format „Jäger & Sammler“ im ZDF und der Talkshow „deep und deutlich“ im NDR. Im Podcast „Tratsch & Tacheles“ spricht er mit der Moderatorin Hadnet Tesfai offen und ehrlich über die latest news aus der Popkultur. Mit seinen glamourösen Fashion-Statements auf seinen Social-Media-Kanälen gilt Tarik als der deutsche Billy Porter.
