Podcast #17
Passen Milch und Nachhaltigkeit zusammen? Müssen Kühe in Zukunft die Luft anhalten? Was ist mit ihrem CO2-Fußabdruck? Das diskutieren wir in unserer neuen Folge, die ganz im Zeichen von Let’s do Zukunft steht.
Passen Milch und Nachhaltigkeit zusammen? Oder halten Kühe in Zukunft die Luft an? Wir fragen nach. Unser Let´s do Zukunft Team hat Höfe besucht, die Teil umfangreicher Nachhaltigkeitsprogramme sind. Was sie auf ihren Höfen unternehmen und wie ihre Kühe diesen Sommer erlebt haben, besprechen wir in unserer neuen Folge.
Landwirt Florian, Teil von Let’s do Zukunft, gibt uns einen Einblick in die tägliche Praxis auf einer NetZero Farm. Was das ist und wie er versucht Emissionen zu reduzieren? Hört selbst! Als Einkäufer bei einem Futtermittelhersteller findet Julius Iseringhausen kreative Wege, Reste aus unserer Lebensmittelproduktion wieder in den Nährstoffkreislauf zu bringen. Der Wissenschaftsjournalist Jacob Vicari übersetzt für uns, basierend auf Daten aus Schrittmesser & Co., was die Kühe auf unseren Pilot-Höfen diesen Sommer erlebt haben.
Psst: Special Guest KIM stellt sich vor: Unsere KI steht stellvertretend für die vielen Menschen, die sich für nachhaltige Lebensmittel einsetzen.
Hört rein bei Let’s Talk Milch!
Alle Folgen findet ihr auf Apple Music, Spotify und Deezer.
Podcast: Nachhaltigkeit im Praxis-Check – jetzt reinhören!
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[00:00] Thema: Intro und Begrüßung
Jakob: Wir wollen mit Let's do Zukunft dir einen Einblick in den Stall geben und transparent zeigen, so sieht moderne Milchwirtschaft aus.
Florian: Im Endeffekt ist so der Anspruch, was die Nachhaltigkeit und die Emissionsreduktion angeht, dass ich ganz locker da stehen kann und sagen kann, wir haben das gut gemacht, wir haben das richtig gemacht, wir haben für euch Milch und daraus hervorgehende Lebensmittel produziert.
Julius: Nachhaltigkeit sollte so gedacht werden, dass wir möglichst regional unsere Ressourcen einfach optimal nutzen, ja, und auch wertschätzen, was wir vor Ort dann alles produzieren können.
[Podcast-Musik]
Tarik: Hi und herzlich willkommen bei Let's Talk Milch von der Initiative Milch. Mein Name ist Tarik und ich führe heute durch den Talk. Unsere Folge steht heute ganz im Sinne von Let's do Zukunft. Wir wollen diskutieren, was passiert denn heute schon auf den Höfen zum Thema Nachhaltigkeit? Wie geht es den Kühen dabei? Denn ich glaube, die wenigsten wissen, dass es da draußen schon Programme gibt, in denen über 11.000 Milchhöfe für eine nachhaltige Zukunft aktiv sind. Da geht es nicht nur um Emissionen, sondern auch um ökonomische und soziale Fragen und natürlich auch um das Thema Tierwohl. Wenn ihr mehr zum Projekt erfahren wollt, dann schaut doch gerne auf www.initiative-milch.de/letsdozukunft. Den Link dazu gibt's natürlich auch in den Shownotes. Und jetzt zum Praxischeck. Jakob, dich kennen ja schon viele von Let's Talk Milch. Du bist Wissenschaftsjournalist. Du hast schon gemeinsam mit Freni Frost und mir zum Thema Hightech im Kuhstall geplaudert. Die Folge könnt ihr euch gerne nochmal anhören und du bist eben auch jetzt Teil von Let's do Zukunft. Du weißt, wie man Daten nutzt, um mit Tieren zu kommunizieren. Schön, dass du wieder mit dabei bist.
Jakob: Vielen Dank für die Einladung, Tarik.
Tarik: Julius, du weißt, wie man – und das finde ich super spannend – wie man Futtermittel innovativ nutzen kann und was das Ganze auch mit Bier zu tun hat. Das verrätst du uns gleich. Schön, dass du mit dabei bist.
Julius: Ja, auch von mir. Vielen Dank für die Einladung.
Tarik: Florian, du bist Landwirt und du bist Teil von Let's do Zukunft. Wir haben deinen Hof auch schon besucht. Ich bin super gespannt und habe tausend Fragen an dich. Deswegen schön, Florian, dass du auch mit dabei bist heute.
Florian: Ja, gerne, gerne. Immer raus damit.
[01:45] Thema: Vorstellung der KI Kim
Tarik: So, und ihr drei, wir haben heute noch eine ganz besondere Sache, denn ich darf euch jemanden vorstellen und zwar Kim. Kim ist eine künstliche Intelligenz. In Sachen Nachhaltigkeit sind ja nicht nur die Höfe von Let's do Zukunft unterwegs, sondern es arbeiten ja ganz, ganz viele unterschiedliche Menschen im Hintergrund, wenn es um eine nachhaltige Zukunft geht. Und die Initiative Milch hatte eine richtig coole Idee, nämlich sie möchte gerne all diesen Akteurinnen ein Gesicht geben und das Ergebnis ist Kim. Und wie Kim ausschaut, das könnt ihr jetzt schon auf Social Media bewundern. Wir lernen jetzt Kim zum allerersten Mal gemeinsam kennen. Ich möchte sagen, ich bin latent aufgeregt. Ich habe noch nie mit Kim gesprochen. Jetzt ist der erste Moment und Kim, erzähl mir doch mal bitte, wer bist du genau und wie viele?
Kim: Ich repräsentiere die zukunftsweisende Generation dieser Branche. Unsere Branche umfasst nicht nur die Bauern und ihre Höfe, sondern auch engagierte Fachleute in Bereichen wie Nachhaltigkeit und Produktentwicklung. Die Herausforderungen, vor allem in Bezug auf das Klima, sind enorm. Deshalb ist Zusammenarbeit und das Teilen von Wissen essenziell. Wir setzen uns dafür ein, dass praxisnahe Lösungen gefunden werden, die sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich sinnvoll sind.
Tarik: Vielen Dank an Kim. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich habe noch nie in diesem Sinne mit künstlicher Intelligenz kommuniziert und muss sagen, also Kim hat eine sehr angenehme und tolle Stimme. Erzähl mir doch nochmal, Kim, wenn ich dir gleich eine Frage stelle, wie kommst denn du dann auf deine Antworten?
Kim: Wenn du mir eine Frage stellst, nutze ich das umfangreiche Wissen, das mir aus verschiedenen Quellen zur Verfügung steht, um eine Antwort zu formulieren. Dabei greife ich auf die Gedanken, Meinungen und Informationen aus der Milchwirtschaft zurück. Meine Antworten versuchen, die vielfältigen Perspektiven der Branche zu berücksichtigen. Manchmal, wenn mein Quellmaterial keine eindeutige Meinung zulässt, kann es vorkommen, dass ich mir selbst widerspreche oder verschiedene Meinungen vertrete. In solchen Fällen spreche ich offen und transparent darüber, dass es keine einheitliche Meinung gibt.
[03:20] Thema: Net Zero und moderne Milchwirtschaft
Tarik: Ja, vielen Dank für deine Ehrlichkeit, Kim, auch zum Thema transparent sein, sich selber widersprechen, das kenne ich auch von mir selber. Das heißt, habe ich auf jeden Fall schon mal was mit Kim gemeinsam. Florian, ich habe es vorhin schon kurz gesagt, du bist Landwirt. Bei dir auf dem Hof spielt das Thema Emissionsreduktion eine große Rolle und auch ein Thema, von dem ich noch nie was gehört habe, und zwar Net Zero. Jetzt erzähl doch erstmal, wie kann ich mir euren Hof vorstellen, wenn ihr da schon so super zukunftsmäßig unterwegs seid? Habt ihr da alle Kittel an? Sind da nur noch Wissenschaftler:innen unterwegs?
Florian: Ja, also das ist etwas weniger aufregend, als man sich das jetzt vielleicht vorstellt, dass du dir das vorstellst. Ich glaube, man könnte im Vorbeifahren unseren Hof mit Kühen nicht von anderen unterscheiden. Dafür müssen wir schon in Austausch gehen, um das genauer zu erklären, weil die offensichtlichen Unterschiede gibt es eigentlich im täglichen Geschehen gar nicht. Unser Herangehen ist eigentlich so, dass unser Hof, wir haben ungefähr 150 Milchkühe am Betrieb, arbeiten mit zwei Melkrobotern zusammen, da wo wir quasi selber gar nicht mehr das Melken an sich machen, sondern fast ausschließlich in der Überwachung und in der Datenanalyse unterwegs sind. Da ist also relativ viel Sensortechnik unterwegs, wo wir eben uns anschauen, wie es den Kühen geht, was die Milch so macht, wie die Inhaltsstoffe sind, auch wie die Fütterung funktioniert, was da reinkommt und was rauskommt. Bisschen ist auch immer ausprobieren, aber überwiegend die tägliche Arbeit besteht eben darin, zu überwachen und zu steuern. Und im Endeffekt ist so der Anspruch, was die Nachhaltigkeit und die Emissionsreduktion angeht, eigentlich eher dahingehend, dass ich zufrieden damit pennen kann, wenn wir den ganzen Tag gearbeitet und geguckt und gemacht und getan haben und ich ganz locker da stehen kann und sagen kann, wir haben das gut gemacht, wir haben das richtig gemacht, wir haben für euch Milch und daraus hervorgehende Lebensmittel produziert, da brauche ich kein schlechtes Gewissen bei haben. Und ich kann meine Familie und meine Freunde damit irgendwie zufriedenstellen, die wissen alle, wie es geht. Das ist, glaube ich, so der Grundgedanke und da ist eben die Diskrepanz ziemlich groß, wie die Vorstellungen sind, vielleicht auch wie deine Vorstellungen sind, und wie das wirklich gemacht wird. Und deswegen bin ich ganz froh, dass ich da heute was zu sagen kann, dass wir uns da einig werden, wie Milchwirtschaft in Zukunft und auch heute schon laufen soll.
Tarik: Und was ist bitteschön dieses Net Zero?
Florian: Da geht's darum, quasi eine Netto-Null-Emission zu produzieren. Wir rechnen ja in der Emissionswirtschaft immer mit CO2-Äquivalenten und es ist quasi im Futteranbau und auch bei der Tierhaltung nicht möglich, die Emission auf null runterzufahren in jedem Teilbereich. Sondern wir haben die Möglichkeit in der Landwirtschaft, die Emissionen, die nicht vermeidbar sind, die auch zu biogenen Kreisläufen gehören, an anderer Stelle, z. B. im Ackerbau und in der Pflanzenwirtschaft, wieder auszugleichen durch Kohlenstoffspeicherung. Und deswegen sprechen wir von Netto-Null-Emissionen. Und das Projekt, was dahinter steckt, ist eben von unserer Molkerei gestartet worden, wo ich Pilotbetrieb bin, und wir versuchen unsere Milchwirtschaft und die Milchviehherde so zu steuern, dass wir über den gesamten Betriebskreislauf hinweg diese Netto-Null erreichen wollen. Das ist so erstmal die Zukunftsidee und wir versuchen uns dem möglichst schnell anzunähern und auszuprobieren, wie man das in der Wirklichkeit, also nicht in der Literatur, sondern wirklich auf dem Betrieb mit den Menschen und den Tieren, die da sind, wie man dieses Netto-Null irgendwie hinkriegen kann, um die Erkenntnisse auch später auszurollen für z. B. alle Mitglieder unserer Molkereigenossenschaft. Also wir wollen das Wissen ansammeln und dann eben nachher für alle verfügbar machen.
Tarik: Und sag mal Florian, ich habe es vorhin schon kurz erwähnt, du bist ja auch Teil von Let's do Zukunft. Warum ist es dir und deinem Hof so wichtig, dieses große Thema Nachhaltigkeit voranzubringen und auch jetzt schon vielleicht Dinge zu tun, um die Milchwirtschaft in der Zukunft anders, neu oder besser zu gestalten?
Florian: Ja, also ich bin mir ziemlich sicher, dass unsere Branche da nicht drum rumkommt und darum ist es mir halt wichtig, dass ich das gut nach außen vertreten kann, dass es authentisch ist. Und im gleichen Zuge habe ich natürlich auch den Anspruch, das eben für meine Kühe und für meine Kälber alles gut zu machen und für den Boden, den ich bewirtschafte, weil ohne den läuft's überhaupt nicht. Das ist ein ganz klarer Grundsatz, wenn ich das mit Boden und mit den Tieren nicht richtig mache, wenn es denen nicht gut geht, wenn die nicht ausreichend versorgt sind, wenn ich keine Mängel und keine Überschüsse da fahre, dann funktionieren diese Produktionszweige am besten und auch am langfristigsten. Es geht ja quasi darum, dass nicht nur ich, sondern vielleicht auch irgendwann meine Kinder den Betrieb weiterführen. Ich bin da jetzt in neunter Generation bei uns am Standort Landwirt und wenn die anderen das alle irgendwie so schlecht gemacht hätten, dann könnte ich es heute nicht machen. Und es ist vielleicht ein bisschen hochgegriffen, aber die nächsten drei, vier, fünf Generationen sollen das auch machen. Und darum muss ich mir schon Gedanken machen, wo das ganze System hinführt, dass eben die Produktfähigkeit in der Land- und Viehwirtschaft und eben bei uns auch in der Milchwirtschaft auch in 50 Jahren noch gegeben ist und nicht in fünf oder in vier Jahren oder wie auch immer wir heute gefühlt sehr kurzfristig denken in anderen Branchen.
[07:10] Thema: Biogene Kreisläufe und Kuh-Emissionen
Tarik: Florian, ich weiß nicht, ob du es weißt, aber wir haben eine Voicebox, wo Verbraucher:innen uns Fragen stellen. Und eine Frage, die scheinbar viele Verbraucher:innen herumtreibt, ist die Tatsache, ob denn pupsende und auch rülpsende Kühe ein Problem für unsere Umwelt sind, Stichwort CO2-Fußabdruck. Und ich glaube, es ist ein guter Moment, um vielleicht mal bei Kim nachzufragen, was es denn mit diesen pupsenden und rülpsenden Kühen auf sich hat. Kim, was sagst du dazu?
Kim: Wenn wir über die Kuh sprechen, müssen wir viel weiter denken als nur an ihren CO2-Fußabdruck. Wiederkäuer und Grasland sind ein Team, das seit Tausenden von Jahren perfekt zusammenarbeitet.
Tarik: Vielen Dank, Kim. Florian, was sagst du zum Thema pupsende und rülpsende Kühe und CO2-Fußabdruck? Ihr seid ja im Team Nachhaltigkeit. Da frage ich mich, müssen die Kühe bei euch die Luft anhalten?
Florian: Nein, auf keinen Fall. Das müssen die Kühe nicht und das müssen wir auch nicht. Die ganz normalen Verdauungsprozesse der Rinder und Kühe sind ja schon seit über 1000 Jahren und noch länger genauso wie sie das heute sind. Und das Gras ist auch vielleicht ein bisschen grüner, aber im Endeffekt hat sich da im Stoffwechsel nichts getan. Und deswegen, ich habe ja eben schon mal von diesen biogenen Kreisläufen gesprochen. Es geht eben darum, die mehr oder weniger Einflüsse bei der Tierhaltung zu betrachten und die normale Verdauung, die die Kuh hat, die zählt im Endeffekt nicht da rein. Das ist eben das, was man als nicht vermeidbare Emission sehen muss. Die Kuh muss ganz normal Futter aufnehmen, die muss ganz normal trinken jeden Tag. Ich glaube nicht, dass man da irgendwie mit Gasmaske sich Kühe vorstellen muss oder so tolle Sachen, die es da irgendwie schon mal gibt für Untersuchungen. Sondern wir sind hier eigentlich mehr darauf bedacht, wenn es um die CO2-Fußabdruckberechnung geht: Was machen wir in der Bewirtschaftung mit den Tieren an mehr Emission und was können wir da tun? Weil im Endeffekt greifen wir ja in den Kreislauf insofern ein, als dass wir Futter durch die Gegend fahren, lagern, für den Winter sorgen und auch die Herstellung nachher für weitergehende Milchprodukte ist ja ein Thema. Da sehe ich die Fußabdruckberechnung ganz eindeutig in ihrer Pflicht. Aber was das reine Atmen und Fressen der Kühe angeht, auf keinen Fall.
Tarik: Florian, was ist denn ein biogener Kreislauf?
Florian: Ja, biogene Kreisläufe sind im Endeffekt Kreisläufe, die in der Natur natürlicherweise vorkommen und die wir auch nicht wirklich beeinflussen können. Ein kleines Beispiel ist da der Methanausstoß bei Kühen, was du gesagt hast, wo es ums Rülpsen und Pupsen geht. Das Methan entsteht einfach bei dem natürlichen Verdauungsprozess von z. B. Gras oder Heu im Pansen und in den Mägen der Kuh, wird ausgestoßen vorne und hinten, völlig egal. Das geht in die Luft, in die Atmosphäre. Das Methan wird nach einem nicht so langen Zeitraum in CO2 abgebaut und das CO2 wird dann natürlicherweise wieder über die Pflanzen aufgenommen, wenn es um die Fotosynthese geht oder auch eben um Biomasse, die im Boden gespeichert wird, um Kohlenstoffspeicherung, wenn es um Humus geht. Und daraus wachsen dann wieder neue Pflanzen oder die Pflanzen, die über die Fotosynthese neue Masse generieren, werden wieder von den Kühen gefressen, wieder verdaut und dann fängt es wieder von vorne an. Das ist ein recht einfacher Kreislauf, aber der ist halt so, den können wir nicht beeinflussen in dem Sinne, dass man z. B. den Methanausstoß abstellt oder so. Das ist nicht möglich und deswegen ist es ein biogener Kreislauf, der kommt natürlich vor und der sieht auch vor, dass das Methan in der Atmosphäre verweilt für einen bestimmten Zeitraum in einer verträglichen normalen Menge für die Umwelt. Das meint dieser biogene Kreislauf.
[10:30] Thema: Kreislaufwirtschaft und Biertreber als Futter
Tarik: Julius, das Thema Kreislauf ist eine gute Überleitung zu dir auch. Hol uns doch mal gerne ab, was du genau machst.
Julius: Gerne Tarik, da will ich ein bisschen darauf eingehen, aber zuerst würde ich ganz gerne mal sagen, Florian, ich kann dir in allen Punkten voll zustimmen und finde das ganz toll, wie du es ausgeführt hast. Ja, ich selber bin auch mit einem Bein so ein bisschen in die Landwirtschaft, Milchwirtschaft eingebunden. Bin dann aber von der ja wirklich praktischen Seite mehr in die Theorie gegangen über mein Studium und ja, bin jetzt im Einkauf für die Firma Deini tätig.
Tarik: Welche Rolle spielen denn Kreisläufe bei euch? Und was hat das Ganze, ich habe es ja schon zu Beginn ganz kurz gesagt, mit dem Thema Bier zu tun?
Julius: Da hast du richtig erkannt, Tarik, da kommt das Thema Bier und Fütterung der Kühe zusammen. Und zwar gibt's bei der Bierherstellung ein Nebenprodukt, ein Koppelprodukt. Das ist der Biertreber. Das ist eine Delikatesse für Kühe. Ja, und das ist eben meine Aufgabe, mit den Brauereien einen guten Weg zu finden, dieses hochwertige Produkt, was ja aus der Lebensmittelindustrie kommt, in die Fütterung am Stall am Hof zu bringen. Genau. Und das machen wir.
Tarik: Das heißt, wer viel Bier trinkt, hilft Kühen, wenn es ums Thema Nachhaltigkeit geht.
Julius: Na ja, das kann man so sehen. Ich würde es jetzt ein bisschen anders formulieren, aber ja, viel Biertreber heißt, wir haben viel Biertreber und dieser Biertreber geht dann wie gesagt als Futter zu den Tieren.
Tarik: Das heißt dann auch, dass das Thema Regionalität bei euch eine große Rolle spielt, weil ich glaube, wenn viele Verbraucher:innen an das Thema Nachhaltigkeit denken, dann ploppt als allererstes auch so etwas auf wie regional einkaufen, regional wirtschaften. All das spielt bei euch auch eine Rolle.
Julius: Ja, ganz genau, weil es natürlich auch davon abhängt, wo wir mit dem Biertreber sozusagen am Markt sind. Also die Brauerei hat ja einen Standort und dort am Standort fällt ja das Produkt an und wir versuchen es möglichst nah um den Schornstein der Brauerei zu verteilen, damit wir da natürlich keine Emissionen erzeugen. Und ja, das ist Kreislaufwirtschaft. Wir bringen quasi das Produkt, was vorne in die Bierproduktion reingeht, dann wird es natürlich etwas verändert, aber was dann am Ende übrig bleibt, bringen wir wieder genau dahin, wo es im Grunde schon entstanden war.
[12:50] Thema: Grundsätze der Rinderfütterung
Tarik: Florian, damit wir die Zuhörer:innen ein bisschen mehr abholen, wenn es darum geht, was denn Landwirt:innen tun können oder alles auch schon tun, wenn sie eben Kühe haben und diese gerne versorgen möchten. Gibt es Punkte, auf die man da besonders achten muss als Landwirt?
Florian: Ja, auf jeden Fall gibt's da ein paar wichtige Sachen, was die Grundsätze der Rinderfütterung angeht. Also, wir gucken vor allem darauf, dass wir eben eine angepasste Wiederkäuerfütterung einsetzen. Das bedeutet, dass die Kuh nicht mit einem Magen dadurch geht, sondern mit vier Mägen. Und da ist es eben entscheidend, dass die Kuh quasi Mitarbeiter in dem Magen im Pansen hat, die als Mikroorganismen das, was sie frisst, erst umwandeln und dann quasi von der Kuh verdaut werden. Also macht einen kleinen Zwischenschritt. Deswegen ist die Kuh in der Lage Gräser, Heu, Stroh und andere raufaserhaltige Futtermittel zu verdauen und das können wir selber eben nicht. Also, wenn wir uns mit dem Gras zufrieden geben würden, dann würden wir zwar was im Magen haben, das würde uns aber nirgendwo hinführen. Das ist eben der große Unterschied und da müssen wir eben drauf achten, dass wir bei der Fütterung mit ausreichend faserhaltigen, also Heu oder trockene Gräser kann man da einsetzen. Luzerne ist auch immer wieder ganz beliebt, die eben für die Pansenverdauung förderlich sind. Und dann dazu kommt eben dann noch, dass wir mit Energie- und Proteinversorgung, ich sag mal, auf dem richtigen Niveau unterwegs sind. Auf keinen Fall zu viel, das ist immer irgendwie auch anstrengend. Das weiß man ja selber auch, wenn man sich zu viel Zucker oder zu viel Protein oder andere Sachen in den Bauch haut. Das ist irgendwie schwer verdaulich. Weiß nicht, abends eine kalte Pizza oder so würde ich auch nicht machen. Der Käse ist doch ein bisschen wüst. Und so ist das bei Kühen auch. Also, wenn ich denen in der verkehrten Menge irgendwie Komponenten füttere, dann ist das für die schwierig, sich daran zu gewöhnen und das umzusetzen. Und dann sorgen wir eben dafür, dass die Fütterung angepasst ist an das Wiederkauen, was die Kühe ja tun. Und bei Kühen ist es ganz interessant, je langweiliger von Tag zu Tag die Fütterung ausfällt, desto besser kommen die damit zurecht. Also am liebsten würden die 365 Tage im Jahr die komplett gleich hergestellte Futtermischung oder Komponentenmischung fressen. Das ist nicht möglich, weil wir in der Menge nicht die gleiche Wertigkeit an Futter produzieren können. Aber je gleichmäßiger diese Futterqualität ist über das ganze Jahr, desto einfacher ist der Wechsel. Damit ist sie zufrieden und kann damit gut arbeiten.
Tarik: Florian und Julius, sagt mal, stimmt es eigentlich, dass je nachdem was die Kuh isst, das auch einen Effekt auf die CO2-Emission hat?
Julius: Ja, das kann man denke ich schon so sagen. Wenn man eben bedenkt, wenn wir ein Nebenprodukt beispielsweise füttern, dann können wir das aus der Region an den Stall bringen und haben weniger Transportwege als jetzt Zusatzfutter, die ja über andere Kanäle importiert werden. Und das hat natürlich einen Einfluss auf den CO2-Abdruck der Gesamtfütterung.
Florian: Ja, das würde ich also ganz genauso sehen. Es ist ja vor allem, was die Transporte und die Lagerfähigkeit von Futtermittel angeht, da sind ja auch immer noch Anteile, die ich z. B. auf unserem Hof selber gar nicht anbauen kann. Entweder, weil ich einfach die Betriebsgröße nicht habe, um entspannt alle Sachen selber anzubauen, oder weil die vielleicht auch einfach hier in unserer Gegend nicht so gut wachsen wie auf anderen Böden in Deutschland.
[16:15] Thema: Transparenz durch Kuh-Wochenbücher
Tarik: Jakob, erzähl uns doch mal, was du bei Let's do Zukunft machst. Ich weiß ja, dass es sich viel um sogenannte Wochenbücher handelt und was haben diese Wochenbücher mit dem Thema Nachhaltigkeit zu tun?
Jakob: Wir wollen mit Let's do Zukunft ja einen Einblick in den Stall geben und transparent zeigen, so sieht moderne Milchwirtschaft aus und wie leben eigentlich Milchkühe. Und diese Wochenbücher geben halt die Perspektive von drei Milchkühen auf drei Bauernhöfen wieder, die wir aus den Daten generieren.
Tarik: Und ihr seid ja auf Pilothöfen unterwegs. Wie unterscheiden sich denn die Höfe, die Teil von Let's do Zukunft sind, von vielleicht anderen Milchhöfen in Deutschland?
Jakob: Ich würde sagen eigentlich überhaupt nicht. Die Höfe, die wir ausgesucht haben, unterscheiden sich eigentlich nicht von anderen Höfen. Wir haben wirklich drei Höfe ausgewählt, die typisch sind für Milchviehhaltung in Deutschland. Sie unterscheiden sich durch den Mut der Landwirt:innen, die uns halt reinlassen und transparent sind und zeigen, was sie tun, das ist schon außergewöhnlich. Wir haben Florians Hof, das ist ja ein typischer Familienhof, den gibt's seit über 250 Jahren in neunter Generation, hat er ja gesagt. Wir haben den Hof von Martin und Eva, die gerade einen neuen Stall gebaut haben, und den Hof von Luisa, die gerade einen großen Wechsel erleben, nämlich vom Melkstand stellen sie um auf die Melkung mit einem Melkroboter. Und sie lassen uns dabei teilhaben und zeigen, wie die Kühe auf ihren Höfen leben.
Tarik: Du hast ja gerade schon gesagt, dass ihr über die Wochenbücher Daten sammelt. Gab es denn jetzt vielleicht schon Daten oder Ergebnisse, die dich total überrascht haben?
Jakob: Ganz viele. Das können die Hörer:innen sich ja auch anschauen im Web, aber mich überrascht immer wieder, wie deutlich man sieht, was auf dem Hof passiert. Also, wenn bei Florian ausgemistet wird, dann sieht man das in den Daten oder wenn es draußen heiß ist. Wenn der Landwirt einen Tag frei hat, sieht man das sofort, weil die Tiere sich anders verhalten, anders fressen. Und sogar wo wir beide beim Filmdreh im Stall standen, Tarik, hat man das danach in den Daten gesehen.
Tarik: Da war ja noch einiges los im Stall. Aber interessant, dass das dann quasi sofort sichtbar wird. Ich bin super gespannt über die Einblicke von diesen Wochenbüchern und die Zuhörer:innen wahrscheinlich auch.
[18:40] Thema: Weidehaltung vs. Stallhaltung und Technik
Tarik: Ich habe es ja schon zu Beginn kurz gesagt, wir haben ja eine Voicebox, wo Verbraucher:innen uns Fragen stellen, und da geht es nicht nur ums Rülpsen und Pupsen, sondern auch um ganz andere Fragen. [Verbraucherstimme einspielen] „Ich habe mich gefragt, ist nicht eigentlich Weidehaltung die einzig richtige Haltungsart für Kühe? Ja, also ich muss ganz ehrlich sagen, ich habe das Gefühl, dass die ganzen Landwirt:innen doch voll den Bezug zu ihren eigenen Kühen verlieren. Also bei der ganzen Technik, die mittlerweile eingesetzt wird und verfügbar ist.“
Tarik: Florian, was macht das mit dir, wenn du diese Verbraucherstimmen hörst, und woran merkst du denn, dass es deinen Kühen gut geht?
Florian: Ich werde auch von bekannten oder auch von unbekannten Leuten immer wieder das gefragt, wie ist das mit dem Stall? Und ja, ich bin mir sicher, dass wir ein gutes Konzept haben in unserem Freilaufsystem, weil die Kühe da im Stall quasi völlig offen die verschiedenen Bereiche aufsuchen können und auch müssen, alleine. Also ich will da möglichst wenig Einfluss nehmen, dass sie zum Melken gehen, dass sie zum Fressen gehen, dass sie zum Schlafen gehen, dass sie auch die Weide aufsuchen. Aber die Weide gehört zu unserem Konzept fest mit dazu. Ich sehe aber auch ganz eindeutig, Jakob hat das eben schon mal gesagt, wenn die Umstände im Wetter besonders hohe Luftfeuchtigkeit haben oder wenn wir bei Temperaturen größer 26 Grad sind, dann kommen die Kühe rein in Stall, legen sich da ins Stroh unter die laufenden Lüfter und harren der Dinge, die da kommen, weil denen das draußen zu anstrengend ist. Selbst wenn da unter Bäumen irgendwo Schatten oder so ist, aber wenn die Umweltbedingungen auf der Wiese zu anstrengend sind und Kühe sind nun mal eher die kühlen Temperaturen gewöhnt bzw. mögen das einfach lieber, wenn es 10 Grad ist und nicht, wenn es 30 ist. Dann kommen die zu uns in den Stall und verbringen den Tag da. Und das zeigt mir ganz eindeutig, dass die Umgebung im Stall gar nicht so schlecht sein kann, denn sie können sich ja frei zwischen Weide und Stall bewegen den ganzen Tag über. Und das kann ich nur so immer wieder erzählen und auch zeigen, da bedarf es keiner großen Erklärung, die Kühe entscheiden schon für sich, was macht mir heute jetzt zu dieser Stunde am meisten Sinn oder wo fühle ich mich am besten? Und dann sehe ich ja als Landwirt ganz klar, der Stall hat auch seine durchaus großen Vorteile für die Kühe. Zum Futter ist es natürlich auch so, wenn die Kühe auf der Weide sind und es gibt frisches Gras irgendwo, wo sie am Vortag noch nicht waren, dann sind viele draußen, die das mitkriegen und hauen sich dann erstmal den Bauch voll. Aber wenn dann abends der Futterwagen läuft, dann kommen sie auch wieder rein, weil da gibt's wieder das coole Zeug. Also auch da ist das eine Geschmacksfrage für jede Kuh, aber in Summe ist es die Mischung bei uns auf dem Hof, die da echt gut funktioniert, und dass die Kühe sich eben selbst aussuchen können, will ich das Futter aus dem Mischwagen haben oder da irgendwo im Stroh liegen in der Ecke, wo die anderen mich in Ruhe lassen. Das machen die schon. Darauf baue ich eigentlich. Die Kühe machen das schon.
Tarik: Und sag mal, Florian, was sagst du Verbraucher:innen, die der Meinung sind, dass zu viel Technik im Kuhstall dazu führt, dass die Landwirt:innen den Kontakt zu ihren Tieren verlieren?
Florian: Ich bin eigentlich ganz froh, dass wir diese ganze Unterstützung durch technische Sensoren und auch die Auswertung, vor allem die Auswertungen machen es ja vor allem aus, haben. Sonst, ich sag mal jetzt ganz klar, der Roboter ist so ein Hilfsmittel. Das ist eine hochtechnische Maschine. Die arbeitet 24 Stunden am Tag rund um die Uhr, reinigt die Euter, sorgt dafür, dass alles keimfrei und Lebensmittelhygiene eingehalten wird, dass die Milch aus den Kühen kommt, dass aber das Euter gesund bleibt, dass die mechanische Belastung am Tier durch das Melken an sich immer möglichst angenehm und gering ist. Das macht alles der Roboter. Ich habe ein Aktivitätsprofil für die Kühe. Wie bewegen die sich? Ich kann Brunsten sehen, ich kann, wie Jakob gesagt hat, die ersten aufregenden Tage im Frühjahr auf der Weide sehen. Dann ist da richtig Ausschlag in der Aktivität. Ich sehe die Wiederkäuausschläge. Also fressen sie gut, verdauen sie gut, ist das Futter wiederkäuergerecht, so wie ich das eben schon mal gesagt habe, das kann ich alles am PC sehen oder auf dem, meistens auf dem Telefon. Ich habe ja keine Zeit, einen ganzen Tag im Büro zu sitzen, aber das ist für mich eine große Unterstützung, die ich mit in der Tasche führen kann, wo ich auch in Echtzeit mal eben reingucken kann. Und im Endeffekt muss ich aber trotzdem jeden Tag zweimal, morgens und abends, durch die Herde gehen und dann gucken. Die Tiere, die auf den Listen irgendwie auffällig sind, weil sie nicht gefressen haben oder schlecht, dann gehe ich ja mit meiner Liste in Stall durch die Herde und such mir die Kühe raus, wo die Auffälligkeiten sind. Und dabei sehe ich ja auch alle anderen, die mir dann da entgegenkommen. Dann ist bei uns noch die Besonderheit der Strohstall. Die ganzen Kühe laufen ja im Freilaufsystem auf Stroh. Da gibt's keine Liegeboxen, keine Spaltenböden oder solche Sachen. Und da muss ich auch mit Maschine jeden Tag eben das einstreuen, die Strohoberfläche einmal völlig erneuern. Auch da kann ich die Herde beobachten und gucken, was da los ist. Also, das durch die Kühe Gehen und die Auffälligkeiten beobachten, aber auch die normale Arbeit, die ich dann mit Saubermachen, mit Ausmisten und wieder Einstreuen habe. Ich bin schon viel zwischen den Tieren, muss da rumlaufen und da glaube ich nicht, dass der Kontakt verloren geht.
Tarik: Florian, danke für deine Transparenz. Und Jakob, du musst mir jetzt mal eben helfen, weil ich glaube, viele Verbraucher:innen, wenn sie an die perfekte Kuhwirtschaft denken, dann denken viele an Kühe, die den ganzen Tag draußen sind. Grüne Wiesen, grüne Weiden. Die Kühe sind auch autonom und machen ihr Ding. Jetzt gibt's aber gerade eine Studie, die in der Medienwelt heiß diskutiert wird, und zwar die eben besagt, dass Kühe eigentlich ganz gerne im Stall sind. Jakob, wie passt das alles zusammen?
Jakob: Genau, das bestätigt eigentlich, was die Wissenschaft schon länger vermutet. Und die Wissenschaftler der Landesforschungsanstalt aus Mecklenburg-Vorpommern für Landwirtschaft und Fischerei, die sich wirklich mit dem Thema auskennen, haben Daten angeguckt und gesehen, dass Kühe am liebsten rausgehen, wenn es kühl ist. Z. B. morgens oder nachts gehen die raus und kühl ist es halt auf der Weide dann und sonst in den modernen Ställen. Und das ist ja das Tolle, wenn das so organisiert ist, wie bei Florian, dass die Kuh jederzeit raus kann, wenn sie eigentlich möchte und das das Wetter draußen zulässt. Dann können die Kühe rausgehen, wenn sie das mögen. Und das stellt man sich ja so vor unter glücklichen Kühen, dass sie eigentlich nicht da rausgetrieben werden, sondern dass sie sich so verhalten können, wie sie sich selbst am wohlsten fühlen. Und genau das ermöglicht ja die Technologie, wenn man so Weidetore hat, die durch die Hals-Transponder gesteuert werden, dann kann die Kuh mit ihrem eigenen Schlüssel jederzeit rausgehen und wieder reingehen, wenn sie vielleicht gemolken werden möchte.
[23:00] Thema: Hidden Champions und Fazit
Tarik: Wir haben jetzt viel darüber gelernt, was Verbraucher:innen denken, wenn es um Nachhaltigkeit geht, was tatsächlich Landwirt:innen schon machen, um die Höfe nachhaltig und auch zukunftsfähig zu gestalten. Julius, wir fangen gerne mit dir an. Erzähl doch mal, was sind denn noch so deine Hidden Champions, wenn es um das Thema Nachhaltigkeit geht? Was müssen wir als Verbraucher:innen alles so auf dem Schirm haben?
Julius: Na ja, also wie wir jetzt hier auch schon besprochen haben, wenn wir die Kreislaufwirtschaft einfach im Blick behalten und einfach dafür sorgen, dass alles das, was wir tun, zusammenpasst. Nachhaltigkeit sollte so gedacht werden, dass wir möglichst regional unsere Ressourcen einfach optimal nutzen, ja, und auch wertschätzen, was wir vor Ort dann alles produzieren können, die Transportwege zu minimieren, das, was am Hof tatsächlich passiert, wertzuschätzen und dem in der Gesellschaft auch zu kommunizieren, ja, dass wir einfach hochwertige Lebensmittel produzieren. Und wenn wir das auch noch alles vor Ort machen können und nicht von sonst wo importieren müssen, hat es einfach einen riesigen Wert und leider ist das in der Gesellschaft immer weiter zurückgerückt und ich hoffe, dass wir dieses Bewusstsein wiedererschaffen können.
Tarik: Jakob, was ist dein oder was sind deine Hidden Champions?
Jakob: Informiert euch. Es gibt so viele Daten. Sie sollen sich damit beschäftigen, wie Kühe leben, wie Landwirte wirtschaften heute und nicht, wie es heute im Bilderbuch aussah. Und dann können die Verbraucher:innen informierte Entscheidungen treffen im Supermarkt und das ist, glaube ich, ganz wichtig dafür, dass sich was ändert.
Tarik: Florian, wie schaut's bei dir aus?
Florian: Ja, also ich sehe einen ganz wesentlichen Punkt darin, dass eben wir, so wie Julius das auch schon gesagt hat, mehr auf unsere Scholle gucken müssen. Dass es mehr darum geht, die Milchwirtschaft und gerade die Futtermittelproduktion ganz regional zu halten, wenig Transportwege zu haben. Und damit meine ich nicht nur jetzt alles, was irgendwie über Zukauf beim LKW fährt, sondern auch was die Betriebsstrukturen angeht, ne? Also die Flächen nah am Hof halten, keine halbe, dreiviertel Stunde irgendwo hinfahren zu müssen, um da dann irgendwie Gras zu ernten und das wieder zurückzufahren. Klar, das hängt immer von der Struktur und vom Betrieb ab und auch von der Betriebsgröße, das macht alles Sinn, aber trotzdem sollte der Fokus darauf liegen, möglichst, ich sag mal, in Kreisläufen und auch in dem Kreis, was den Standort angeht, zu arbeiten, ne? Wenig fahren. Fahren ist was, was für einen CO2-Fußabdruck sehr schwierig ist, und da macht's eben Sinn, möglichst viel am Betrieb zu halten, auch was die Nährstoffe angehen, möglichst viel im Betrieb selber zu machen. Das ist auf jeden Fall was, wo man den Fußabdruck sehr, sehr positiv beeinflussen kann. Das haben wir auch in unseren Berechnungen zu dem Net-Zero-Farmprojekt gesehen, dass das Fahren auf der Straße, Verkehr ist einfach ein Problem. In der Fütterung fangen wir jetzt an, noch mehr verschiedene Komponenten in unserem eigenen Betrieb herzustellen, noch mehr Proteinquellen, ganz stark mit Klee zu arbeiten, da Eiweiß zu erhöhen und Düngemittel einzusparen. Mehr wieder in die Richtung zu gehen, wie man das vielleicht vor 100 Jahren auch schon mal gemacht hat mit Kleewirtschaft, dass ich quasi noch näher an meiner Hofstelle arbeite, was Futtermittel angeht, was auch Kooperationen mit Biogasanlagen und Dünger angeht, um einfach wenig zu fahren, wenig zu transportieren. Da glaube ich, da liegt eine riesen Chance. Und darum bin ich auch mit Jakob ziemlich einer Meinung, die Verbraucher:innen und Verbraucher sollen sich doch mal einen Kopf machen, was sie sich da auf den Tisch holen und dass das am liebsten auch von den deutschen Bauern ist, die sich echt ein Bein ausreißen, um das hinzukriegen.
Tarik: Vielen Dank an Jakob, vielen Dank an Florian, vielen Dank an Julius und natürlich auch vielen Dank an Kim. Das war eine neue Folge von Let's Talk Milch, und wenn ihr mehr über Let's do Zukunft erfahren wollt, wenn ihr wissen wollt, wie der Hof von Florian ausschaut, wie die Kuh-Wochenbücher von Jakob ausschauen und noch vieles mehr, dann geht doch gerne auf www.initiative-milch.de/letsdozukunft. Auf Wiedersehen. Ciao.
Jakob: Ciao.
Florian: Ja, tschüss.
Julius: Ciao.
Kim: Ciao.
[Podcast-Musik]
Dem Landwirt aus Leidenschaft liegt das Wohl seiner Kühe sehr am Herzen. Sein Credo lautet: Die beste Kuh ist die, die so viele eigene Entscheidungen wie möglich trifft. Seinen Tieren steht es beispielsweise frei, ob sie ihre Zeit lieber auf der Weide oder im Stall verbringen. Als Betreiber einer NetZero-Farm arbeitet Florian außerdem an diversen Stellschrauben, um Emissionen gezielt zu reduzieren. Dafür nimmt er an einem einzigartigen Pilotprojekt teil, in dem er mit Hilfe von Daten und im engen Austausch mit Expert:innen neue und perspektivisch auf andere Höfe übertragbare Konzepte erprobt.
Florian Stümmler auf Instagram
Man könnte ihn als einen Mix aus Daniel Düsentrieb und Michel Lönneberga beschreiben. Er ist ein großer Erfinder- und Forschergeist, mit einer schelmischen Freude an abenteuerlichen Experimenten. Er ist einer, der sich immer wieder in neue und fantastische Themenwelten reinfuchst. Themen wie Künstliche Intelligenz, das Internet der Dinge und moderne Landwirtschaft sind Themen, die ihn als Wissenschaftsjournalist brennend interessieren. Für unser Projekt Let's do Zukunft hat er für uns Daten von Kühen gessamelt, die Grundlage für unsere Kuhstories sind.
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Der Futtermittel- und Kreislaufwirtschaftsexperte arbeitet bei einem Futtermittellieferanten. Das Unternehmen kauft Reststoffe und Nebenprodukte wie z. B. Biertreber von Brauereien und verarbeitet sie zu Futtermittel. Iseringhausen kennt die Prozesse der Kreislaufwirtschaft in- und auswendig, wobei ihm seine fundierten Kenntnisse über den Nährstoffkreislauf als Ganzes helfen. Sein gesamtes Tun im Unternehmen richtet sich danach, Regionalität ganzheitlich zu denken.
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"Wiederkäuer und Grasland sind ein Team, das seit tausenden von Jahren perfekt zusammenarbeitet."
KIM – Unsere Künstliche Intelligenz der Milchwirtschaft
Der Moderator und Podcaster ist bekannt aus dem Online-Format „Jäger & Sammler“ im ZDF und der Talkshow „deep und deutlich“ im NDR. Im Podcast „Tratsch & Tacheles“ spricht er mit der Moderatorin Hadnet Tesfai offen und ehrlich über die latest news aus der Popkultur. Mit seinen glamourösen Fashion-Statements auf seinen Social-Media-Kanälen gilt Tarik als der deutsche Billy Porter.
