Podcast #22: Zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit
Mit seiner Studie „Zukunftsbauer“ möchte Jens Lönneker veraltete Narrative über die Landwirtschaft aufbrechen. Branchenexpertin Melanie Wegener macht moderne Landwirtschaft transparent. Beide sind entschlossen, die Kluft zwischen Vorstellung und Realität zu schließen.
Eine aktuelle Umfrage des EU-Programms „Enjoy, it’s from Europe“ zeigt, dass der Klimawandel die größte Sorge der europäischen Verbraucher:innen ist. Dazu hält sich hartnäckig das Narrativ, dass daran unter anderem die Milchviehhaltung schuld sei. Denn obwohl fast alle Europäer:innen Milchprodukte konsumieren, zweifeln noch viele an deren Nachhaltigkeit. Das könnte daran liegen, dass nur 16 Prozent überhaupt bewusst ist, dass die Milchbranche aktiv daran arbeitet, ihre Emissionen zu reduzieren – wie aus der EU-Umfrage hervorgeht.
Dieses und weitere Narrative hat der Tiefenpsychologe Jens Lönneker in seiner Studie „Zukunftsbauer“ erforscht. Er geht wissenschaftlich der Frage nach: Wie kann die Wertschätzung gegenüber der Landwirtschaft gesteigert werden? Fest steht: Es wird Zeit, die veralteten Narrative aufzubrechen. Am neuen Bild der modernen Landwirtschaft zeichnet Melanie Wegener tatkräftig mit. Als Branchenexpertin arbeitet sie mit vielen engagierten Landwirt:innen zusammen, die alle dasselbe wollen: aufklären und zeigen, wie es wirklich ist.
Tarik diskutiert mit den beiden Expert:innen über überholte Vorstellungen und was es braucht, um das Vertrauen der Verbraucher:innen zu gewinnen. Denn klar ist: Nachhaltig wirtschaften und konsumieren geht nur gemeinsam. Erfahrt in dieser Folge, warum wir den Milchwirt:innen gegenüber mehr Wertschätzung aufbringen sollten und was emotionale Bilder wie unser Mr. Kuhl und dem Hallemuhja-Song bewirken können.
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[00:00] Thema: Intro und die größten Wahrnehmungsgaps
[Podcast-Musik]
Tarik: Was ich gar nicht wusste und jetzt aber über das EU-Programm Enjoy it from Europe erfahren habe, ist die Tatsache, dass der CO2-Fußabdruck von Milch in Europa niedriger ist als im weltweiten Durchschnitt.
Jens Lönneker: Also, wir haben viele solche Mythen und Projektionen und das hat eher was mit Bullerbü zu tun als mit landwirtschaftlicher Realität.
Melanie Wegener: Also, wir haben auf europäischer Ebene super viele Programme laufen. Also beispielsweise in Ländern wie Irland zu ihrer Landwirtschaft gibt's viele Programme, die den direkten Austausch zwischen Landwirten und Verbrauchern fördern. Der Bezug zur Landwirtschaft ist überhaupt nicht mehr gegeben oder ganz, ganz selten. Sind noch Berührungspunkte und da müssen wir eben Aufklärungsarbeit leisten. Also wir müssen gucken, dass wir die Brücke wiederschlagen zur Natur, zur Landwirtschaft und zu dem, was wir hier als Industrie eben auch leisten.
[Podcast-Musik]
Tarik: Hi und herzlich willkommen beim Podcast Let's Talk Milch von der Initiative Milch. Heute wieder mit einem Special, das wir für euch im Rahmen des EU-Programms Enjoy It from Europe kredenzen. Es geht um die Zukunft der Landwirtschaft. Laut einer Verbraucherinnenbefragung des EU-Programms gehört der Klimawandel zu den größten Sorgenthemen bei den europäischen Verbraucherinnen. Gleichzeitig wissen nur 16 %, dass die Milchbranche seit Jahren daran arbeitet, ihre Emissionen aktiv zu senken. Fast alle Europäerinnen, 96 %, konsumieren Milch und Milchprodukte. Zwei Drittel halten sie für wichtig oder essenziell in ihrer Ernährung, aber gleichzeitig zweifeln viele daran, ob sie Milchprodukte unter nachhaltigen Aspekten noch weiter konsumieren sollten. Da frage ich mich, wie kann das eigentlich sein und vor allem, was können wir dagegen tun? Darüber sprechen wir heute mit zwei blitzgescheiten Expertinnen. Mit von der Podcast-Partie ist heute Jens Lönneker. Jens, du bist Diplompsychologe und Geschäftsführer des Instituts Rheingold Salon in Köln. Ihr habt euch auf tiefenpsychologische Marktforschung spezialisiert und in deiner aktuellen Studie Zukunftsbauer untersuchst du, wie Landwirtinnen und Landwirtschaft in Deutschland in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Kleiner Spoiler, da gibt's einen kleinen Gap. Wie der genau ausschaut und welche Lösungen es gibt, das verrätst du uns gleich. Herzlich willkommen bei Let's Talk Milch.
Jens Lönneker: Hallo Tarik, ich freue mich, dass ich da bin.
Tarik: Ein herzliches Willkommen auch an dich, Melanie Wegener. Du kommst aus der Praxis. Du bist ganz nah dran an den Milchwirten und der nachhaltigen Joghurtproduktion, denn du arbeitest in der Öffentlichkeitsarbeit bei der größten deutschen Molkereigenossenschaft, der DMK. Du kennst dich bestens mit landwirtschaftlicher Transformation und Nachhaltigkeit aus und sorgst für einen offenen Austausch auf Augenhöhe. Ich bin sehr gespannt auf deinen Input. Willkommen auch an dich.
Melanie Wegener: Ja, herzlichen Dank, Tarik. Ja, viele Grüße aus Bremen. Ich freue mich dabei zu sein.
[03:45] Thema: Die absurdesten Mythen über die moderne Milchwirtschaft
Tarik: Toll, toll, toll. Leute, wir fangen an mit einer kleinen Warmup-Frage und zwar machen wir das ganz gerne bei unserem Podcast, dass wir so ein bisschen auf die Mythen eingehen, die vielleicht Verbraucherinnen immer noch über die Milchwirtschaft haben. So auch heute. Was ist denn eurer Meinung nach der absurdeste Mythos über die moderne Milchwirtschaft?
Jens Lönneker: Es ist so, dass wir in den Studien immer wieder darauf treffen, dass die Leute völlig falsche Vorstellung von der Haltung von Kühen dann auch haben und auch die Erwartung haben, dass es unbedingt wichtig ist, den Kühen im wahrsten Sinne des Wortes auf Augenhöhe zu begegnen. Also was sie nicht mögen, ist Bilddarstellung, wo die Landwirtin oder der Landwirt, die ja nun mal oft im Kopf größer sind, oberhalb sozusagen der [unverständlich], sondern die Bilder, die viel besser ankommen, ist, wenn die Landwirtin und der Landwirt sich so ein bisschen in die Knie begeben, damit Tier und Mensch sich auf Augenhöhe begegnen, weil man dann bildsprachlich das Gefühl hat, hier wird das Tier dann gut behandelt. Was das mit der Realität zu tun hat, hat sich mir eigentlich nie erschlossen.
Tarik: Okay, also Mythos wäre da, wenn man Bilderchen sieht, wo der Milchwirt, die Milchwirtin gleich groß sind wie die jeweiligen Kühe, dann ist das ein gutes Verhältnis zwischen denen. Das sollte man vielleicht mal hinterfragen. Das machen wir gleich natürlich auch noch. Melanie, aber erstmal auch zu dir. Welcher Mythos begegnet dir, der total absurd ist immer noch über die Milchwirtschaft?
Melanie Wegener: Oh Gott, ich habe zur Vorbereitung echt häufig drüber nachgedacht, was ich denn als Beispiel bringen könnte, weil es gibt so viele. Aber jetzt auch mal passend zu unserem Thema, dem Thema Nachhaltigkeit, ja, dass die Kuh, also wir bezeichnen das immer so in unserer Diskussion, dass die Kuh das Klimaschwein ist und das ist es definitiv nicht. Also die Kühe oder auch die Milchwirtschaft ist nicht der Hauptverursacher von Treibhausgasemissionen. Also ich habe jetzt noch mal nachgeguckt, es gibt da Studien, da ist natürlich auch immer, kommt drauf an, mit wem du sprichst. Aber so verlässliche Zahlen rechnen so mit 2 bis 3 %. Also 2 bis 3 % ungefähr ist die Kuh dafür verantwortlich, dass wir hier zu viel CO2 in der Atmosphäre haben.
[06:30] Thema: Psychologische Sicht auf Landwirtschaftsnarrative
Tarik: Ich frage mich ja, wie es zu solchen Mythen und Sichtweisen kommt. Jens, du als Fachmann betrachtest das Thema ja mit der psychologischen Brille. Erzähl uns doch mal kurz was über dich und woran du gerade so forschst.
Jens Lönneker: Ich habe erstmal Bankkaufmann gelernt und habe dann festgestellt, dass das, was die Menschen in der Bank machen, viel mit Psychologie zu tun hat. Und dann habe ich beschlossen, Psychologie zu studieren. Habe das nie bereut und habe dann angefangen alltagspsychologische Forschung zu betreiben. Und dann hat es die Verrücktheiten, das Leben so geführt, dass ich in der letzten Zeit sehr viel Forschung rund um die Landwirtschaft betrieben habe. Ich habe aber die Landwirtinnen und die Landwirte sehr schätzen gelernt und wir haben eine Studie gemacht, die sich damit beschäftigt hat, wie kann die Wertschätzung gegenüber der Landwirtschaft erhöht werden, die den Titel Zukunftsbauer trägt. Da haben wir uns mit diesen negativen Geschichten, den negativen Mythen rund um die Landwirtschaft beschäftigt
Tarik: und welche Ideen, Mythen Verbraucherinnen noch haben zum Thema moderne Milchwirtschaft. Darüber sprechen wir jetzt natürlich im Laufe unseres Gesprächs. Jens, du hast ja eine aktuelle Studie gerade. Zukunftsbauer heißt die und da gibt es ein Kapitel was sehr dramatisch klingt und zwar "Zwischen Weltuntergang und Paradies". In diesem Kapitel zeigst du vier große Narrative auf, die immer noch das öffentliche Bild über die Milchwirtschaft dominieren. Kannst du diese mal kurz zusammenfassen?
Jens Lönneker: Dadurch, dass es sehr wenig Kontakte in der Realität zwischen der Landwirtschaft, den Menschen in der Landwirtschaft und der restlichen Bevölkerung gibt, bedingt dadurch, dass die Landwirtinnen da auch immer viel natürlich auf dem Hof sind, gefordert sind und aber auch zum Teil eben auch eigene Welten sind, und der restlichen Bevölkerung, dann leben die im Grunde ein Stück weit nebeneinander her. Und das ist sozialforscherisch betrachtet der beste Humus, um Vorurteile zu bilden. Und wir haben festgestellt, dass es eigentlich so vier Bilder gibt, die so kursieren bei der, in Anführungszeichen, städtischen Bevölkerung. Das eine ist so die Landwirte, die so die Natur eigentlich [unverständlich], ruinieren. Dann ist das mythologische Bild, um das mit dem Mythos jetzt aufzugreifen, der Mythos des Alltags, da gibt's ein tolles Buch von Roland Barthes, wo jetzt der Trecker mit dem Güllefass hinten dran, da haben die Leute für was und da wird das Grundwasser [unverständlich] und so etwas ein Mythos. Das andere der Landwirt als Tierquäler, da kommen immer die Bilder von der Massentierhaltung. Und dann gibt's ein weiteres Bild, das ist der dumme Bauer. Das sind oft so Leute, wie man sie bei "Bauer sucht Frau" findet, wo man manchmal den Eindruck hat, woher haben die die eigentlich? Die haben auch nicht unbedingt was mit der landwirtschaftlichen Realität zu tun. Und dann gibt es ein positiv besetztes Bild, das sind in der Regel die Ökobauern, der Ökolandbau. Und da ist die Fantasie, dass da immer Bauer, Bauers Frau, vielleicht auch Großeltern auf einer Bank davor, ganz viele Tiere, die aber unterschiedliche Tiere, nicht Massentierhaltung, sondern immer jeweils nur ein oder zwei. Und wir können uns mit den Leuten zwei Stunden unterhalten und länger, aber es wird auf einem solchen Hof nie geschlachtet, sondern das sind eigentlich übersetzte Bilder, wenn man so will, aus einer psychologischen Perspektive von Wellness. Ja, die Leute wollen gerne ein schönes angenehmes Leben haben, träumen manchmal und viele träumen ja auch davon, mal einen alten Bauernhof zu kaufen, den sich herzurichten und das ist so eine Vorstellung von Leben in der Natur in so einer Idylle und das wird auf den Ökolandbau projiziert. Und den Ökolandbauern ist das oft auch selber peinlich, weil die sagen, so ist das ja gar nicht in unserer Realität. Also, wir haben viele solche Mythen und Projektionen und das hat eher was mit Bullerbü zu tun als mit landwirtschaftlicher Realität.
[11:15] Thema: Entfremdung von der Realität und der Ruf nach Aufklärung
Tarik: Also, man merkt auf jeden Fall jetzt schon wie sich Narrative und Mythen, die innerhalb der Gesellschaft über die Landwirtschaft, über die Milchwirtschaft, all diese Mythen und Ideen und Narrative, die existieren, bedingen sich auf jeden Fall auch selber. Du, Melanie, aus deiner Arbeit in der Öffentlichkeitsarbeit bei der DMK, wie bewertest du diese Narrative und wie eng hängen eben Mythen und Narrative dann zusammen?
Melanie Wegener: Ja, also wie du es ja schon gesagt hast, ich bin bei DMK, also wir sind ja auch die größte deutsche Molkereigenossenschaft. Ich finde das Thema Genossenschaft ist ja auch noch mal ein ganz wichtiger Aspekt, wenn es um das Thema Landwirtschaft geht, weil wir halt für unsere Landwirte eben arbeiten und die eben ja tagtäglich mit Mythen und diesen Narrativen, die der Jens ja gerade auch aufgezählt hat, begegnen oder konfrontiert werden. Das reale Bild der modernen Landwirtschaft ist ein ganz anderes. Ich würde das jetzt mal mit Technik pur beschreiben wollen, weil das hat nicht mehr im Entferntesten etwas damit zu tun, wie Verbraucher sich vielleicht die Idylle einer Heidi Alm irgendwie vorstellen, sondern das ist hochtechnologisch, das ist super effizient und ich glaube das ist eben die größte Herausforderung, die wir als Industrie auch mit haben, dass wir die Brücke schlagen müssen oder die Kommunikation eben hinbekommen müssen zwischen der Realität, wie sie wirklich ist und der Vorstellung des Verbrauchers. Und viele Kinder wissen wirklich gar nicht mehr heutzutage, wo kommt die Milch her? Das ist leider kein Märchen, sondern das ist die bittere Realität. Ich glaube, dreiviertel der Menschen leben in Städten. Der Bezug zur Landwirtschaft ist überhaupt nicht mehr gegeben oder ganz, ganz selten sind noch Berührungspunkte. Genau. Und da müssen wir eben Aufklärungsarbeit leisten. Also, wir müssen gucken, dass wir die Brücke wiederschlagen zur Natur, zur Landwirtschaft und zu dem, was wir hier als Industrie eben auch leisten.
[13:50] Thema: Technisierung vs. Tierwohl und der Mind-Behavior-Gap
Tarik: Melanie, du hast jetzt schon ein paar Punkte aufgezählt, wie eben dieser Gap quasi geschlossen werden kann. Jens, noch mal die Frage zurück auch an dich. Woher kommt denn überhaupt dieser Gap? Also, wie kann es sein, dass bei den Konsumentinnen diese Narrative vorherrschen, wenn doch die Realität der Landwirtschaft und auch der Milchwirtschaft ganz anders ausschaut?
Jens Lönneker: Früher haben viele, sagen wir auch zumindest im ländlichen Umfeld, noch geholfen. Das ist aber genau wie Melanie sagt, alles komplett technisiert und auch die Milchhöfe sind ganz anders ausgestattet. Und jetzt haben die Leute aber eine große Sorge, also wenn sie das hören technologisch effizient, dann haben die die Sorge, dass mit den Tieren schlecht umgegangen wird. Und wir müssen eben gucken, wenn wir Öffentlichkeitsarbeit machen, auch die jetzt aufklärt darüber, wie Milchwirtschaft wirklich funktioniert. Dann geht oft dann unter, dass da ja ganz auch tolle Möglichkeiten heute bestehen, also dass die Kühe heute oft selber entscheiden können, wann sie gemolken werden, dass es automatisierte Melkkarussells gibt. Das wissen viele Leute gar nicht, wenn sie schon gar nicht wissen, dass die Milch aus der Kuh kommt, wie sollen sie das denn auch wissen? Aber das ist eine schöne Botschaft. Da schauen die Leute, wenn man mit denen drüber redet, dass es auch in moderneren Höfen auch die Möglichkeit gibt, dass die sich selber an bestimmten Stellen auch scheuern können, reiben können und so weiter, dass die Art und Weise wie Stroh dort verteilt wird, das ist alles irgendwie nicht nur einfach lieblos und zu Lasten der Tiere technologisch effizient gestaltet, sondern das hat auch tatsächlich viele positive Aspekte für die Kühe, die eigentlich in der öffentlichen Diskussion dann einfach hinten runterfallen. Und es wäre schön, wenn da die Landwirtschaft und auch DMK als große Genossenschaft und noch mehr Öffentlichkeitsarbeit... und das ist so eine Kritik vielleicht, die ich über Jahre hinweg habe: Die Öffentlichkeitsarbeit kommt da oft zu kurz.
Tarik: Melanie, jetzt musst natürlich du wieder ins Spiel kommen, denn Öffentlichkeitsarbeit, der Ball wurde ja schon rüber geworfen an dich. Noch einmal kurz für den Rahmen unseres Podcasts. Es geht ja eben um das EU-Programm Enjoy It from Europe. Das ist ein Gemeinschaftsprojekt, in dem Landwirtinnen, Molkereien, Wissenschaft und Gesellschaft aus mehreren Ländern gemeinsam an mehr Aufklärung arbeiten. Melanie, du arbeitest eben in der Öffentlichkeitsarbeit, da geht es auch viel um Aufklärung. Was ist denn schon alles passiert, was hat die Branche schon geleistet, um eben diese Zerrbilder, diese Narrative, diese Mythen zu entkräften?
Melanie Wegener: Also, ich glaube, mit eines der wichtigsten Punkte ist jetzt hier die Initiative Milch. Also, wir können als Einzelunternehmen diese Kommunikationsarbeiten... Also, da braucht es schon eine übergreifende Plattform und deshalb bin ich total happy, dass es die Initiative Milch eben auch gibt, die für uns als Branche mit in dieser großen Aufgabe unterstützt. Oh, ich weiß gar nicht, wie viele Kommunikationsplattformen wir haben, um über das Thema Milch, über "Wie sieht's auf unseren Höfen aus?" zu sprechen. Also, da gibt es alle möglichen Social Media Kanäle, wir haben Tag der offenen Türen. Wir können echt, also lade auch wirklich jeden ein, der diesen Podcast hört: Kommt gerne auf uns zu, wenn ihr Interesse habt, mal auf so einen Hof mit reinzugucken. Unsere Türen stehen da, bzw. die Türen unserer Mitglieder stehen da auch immer jederzeit offen. Und das ist, glaube ich, auch super wichtig, also dass man sich als Branche diesen, ich will nicht sagen kritischen Blicken, aber doch diesen zweifelnden oder diesen mit sehr viel Vorurteilen behafteten Blicken auch öffnet. Also wir gehen da super gerne mit offenen Armen in den Dialog. Wir haben nichts zu verstecken.
Tarik: Also die Branche tut viel. Es darf aber gerne auch noch mehr getan werden, damit eben dieser Gap zwischen "Was denken die Verbraucherinnen, wie es in der Milchwirtschaft ausschaut" und "Wie schaut es wirklich aus", damit der immer mehr geschlossen wird. Ein Moment aus der EU-Umfrage, der zeigt: "Hui, da ist aber der Gap noch recht groß." Das sind die zwei folgenden Zahlen, die ich euch gerne präsentieren möchte. Und zwar laut der EU-Umfrage wünschen sich fast 80 % der Deutschen Nachhaltigkeit bei der Herstellung von Joghurt. Ist ja schon mal eine feine Sache, könnte man sagen, aber weniger als die Hälfte glaubt, dass die Branche die Anforderungen erfüllen kann. Jens, woran glaubst du liegt dieser Gap? Zwischen "Wir wollen das", aber "Wir glauben irgendwie nicht, dass das die Produzentinnen, die Macherinnen hinbekommen".
Jens Lönneker: Weil es einmal hängt das natürlich mit den eben diskutierten Missverständnissen und Mythen zusammen, aber ich glaube, dass es auch ein Spiegelbild des Verbraucherverhaltens selber ist. Denn wir haben das sehr häufig, dass die Menschen von der Landwirtschaft etwas einfordern, wie z.B. Tierwohl, wie z.B. Nachhaltigkeit und wenn sie dann im Supermarkt einkaufen gehen, sich aber nicht daran halten. Das ist in der Marktforschung bekannt unter Mind-Behavior-Gap. Also man hat irgendwie was im Kopf und wünscht sich das, stellt das als Forderung auf, aber wenn es dann ums Einkaufen geht, also das konkrete Verhalten, dann sagt man: "Nee, das bezahle ich aber nicht." Und natürlich kostet Nachhaltigkeit und kostet auch ein bisschen Geld. Und von daher glaube ich, dass in dieser Umfrage auch die Verbraucher selber spiegeln, dass sie genau wissen, dass sie das zwar gerne sich wünschen, dass sie aber im Zweifel – und das kann man ja vielleicht auch zumindest bei dem einen oder anderen auch gut verstehen – sagen, ja, das kann oder will ich mir dann auch nicht leisten. Und dann sind wir an einem crucial point. Also am Ende muss Nachhaltigkeit auch erschwinglich sein und darauf müssen wir dann schon auch achten.
[19:20] Thema: Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeitsmaßnahmen
Tarik: Also wir merken, es gibt eine Menge Aufklärungsarbeit und eben wahrscheinlich auch bei den Konsumentinnen und bei den Verbraucherinnen, was eigentlich Nachhaltigkeit ist. Denn die Konsumentinnen wollen Nachhaltigkeit. Wissen denn wir als Verbraucherinnen überhaupt, was das alles bedeutet? Was fällt überhaupt alles in Nachhaltigkeit? Und auch da hat das EU-Programm ein paar Zahlen gesammelt und zwar laut der Verbraucherinnen-Umfrage wird Nachhaltigkeit vor allem mit Umweltfreundlichkeit verbunden, weniger mit Biodiversität oder Kreislaufwirtschaft. Liebe Melanie, magst du mal in ein paar Sätzen erklären, was genau ist eigentlich diese Kreislaufwirtschaft und warum ist das ein wichtiges Tool, wenn es eben auch um Nachhaltigkeit geht?
Melanie Wegener: Also, ich glaube, kein Landwirt kann ohne dieses Modell effizient und wirtschaftlich arbeiten. Also, es geht eigentlich darum, alle Ressourcen, die vorhanden sind eben zu nutzen und Abfälle auch wieder zu verwerten. So einmal ganz grob erklärt. Das heißt, im besten Fall baue ich mein Futtermittel auf der Wiese nebenan an und verbringe meine Gülle letztendlich dann in eine Biogasanlage oder nutze es eben wieder zur Düngung.
Tarik: Und sag mal welche Methoden gibt es da um im Punkto Kreislaufwirtschaft zu wirtschaften? Du hast ja schon gerade ein bisschen was über die Gülle erzählt, aber welche Methoden, welche Techniken werden denn dann wirklich genutzt, um eben eine Kreislaufwirtschaft zu haben, die wie du schon meintest effizient ist für die Landwirtschaft, aber eben dann auch bei der Nachhaltigkeit ganz vorne mitspielt.
Melanie Wegener: Ja, also wie gesagt, die wichtigsten Punkte sind eben, wo kriege ich mein Futtermittel her? Die Tiere können jetzt ja nicht ganzjährig hier bei uns mit auf die Weiden bzw. es hat ja regionale Unterschiede. Wir hier in Norddeutschland, ich sitze ja in Bremen, wir haben das Glück, dass unsere Landwirte hier in der Region viele Grünflächen haben, wo sie die Tiere eben auf die Weide schicken können. Kann ich eben beispielsweise Soja ist ja ein genutztes Futtermittel oder Mais, wo kaufe ich das ein? Wie sind die Transportwege? Muss es aus Südamerika sein oder kann ich es bei meinem [unverständlich] vielleicht um die Ecke aus dem Großhandel kaufen? Präzisionsspritzung oder Düngung ist auch ein ganz wichtiger Punkt. Da haben wir wieder den Technikaspekt dabei. Also wie ressourcenschonend und nachhaltig gehe ich dann auch mit den Düngemitteln um. Da hat sich technologisch wahnsinnig viel getan bis letztendlich zur Biogasanlage, die dann eben wieder die Gülle verwertet. Wir haben super hohe Tierwohlstandards, also wir haben einen auch in Sachsen-Anhalt, der bei uns mit in einem Net-Zero-Projekt beispielsweise ist. Also wir haben so Pilothöfe, auf denen wir CO2-Reduktions-Emissionsprogramme ausprobieren und der hat ein ganz, ganz tolles System zum Thema Tierwohl oder Tiergesundheit auch, was auch ein wichtiger Aspekt ist zum Thema Nachhaltigkeit. Also wie viel Medikamente müssen eingesetzt werden und der kann schon sehr weit im Voraus eben sehen am Rand von Bewegungsradien der Tiere, also bewegt sie sich viel oder ist sie eher ein bisschen träge, dann gucken die halt schon mal früher nach. Ist sie gesund, geht's ihr gut oder müssen wir da vielleicht schon frühzeitig intervenieren, sodass sich gar nicht irgendwie eine große, ja, Erkrankung da entwickeln kann?
Tarik: Melanie, was sind denn für Landwirtinnen die wichtigsten Schritte im nachhaltigen Wirtschaften und wie werden da die Erfolge gemessen?
Melanie Wegener: Ich denke, das Wichtigste ist dran bleiben und offen sein für Innovation und Veränderung. Ja, also nur dann, wenn du auch wirklich am Ball bleibst, kannst du eben Dinge optimieren und das fängt eben damit an, dass man auch seine Kennzahlen gut kennt. Und da haben wir uns jetzt als DMK auch mit zum Agrarklimacheck, würde ich sagen, angemeldet. Aber unsere Landwirte werden da ja, ich würde mal so sagen, so gratifiziert daran teilzunehmen. Das ist ein Fragebogen von 17 Punkten, wo man eben an ganz unterschiedlichen Kennzahlen auch mal durch seinen Betrieb gehen kann und ja, Vergleiche eben doch aufzustellen. Und das ist nichts, was man ein Jahr macht und dann ist gut, sondern das musst du halt kontinuierlich machen, um dann eben auch Veränderungen zu sehen. Also bei einem schlechten, weiß ich nicht, CO2-Wert bei dem Beispiel Futtermittel, ich hole das jetzt vielleicht doch noch aus Südamerika und nicht von meinem Nachbarn nebenan, muss ich das ja irgendwie in eine Wertetabelle eintragen. Und dann kann ich eben im nächsten Jahr auch sehen, ah okay, jetzt habe ich was verändert. Ergo hat sich auch meine CO2-Bilanz in dem Punkt eben verändert. Genau. Die Teilnahme bei uns ist aktuell noch freiwillig, aber bonusrelevant. Das heißt, man bekommt bei Teilnahme... und es geht auch nicht darum, da irgendjemanden jetzt auf so ein bestimmtes Level zu pushen, sondern einfach die Awareness dafür zu schaffen, sensibel zu sein, hinzugucken, sich selber mal zu hinterfragen, den Betrieb zu hinterfragen.
[24:00] Thema: Der europäische CO2-Fußabdruck der Milch
Tarik: Melanie, was ich gar nicht wusste und jetzt aber über das EU-Programm Enjoy It from Europe erfahren habe, ist die Tatsache, dass der CO2-Fußabdruck von Milch in Europa niedriger ist als im weltweiten Durchschnitt. Das ist doch etwas, wo man sagen kann: "Hey, super", das wäre doch auch mal was, was nach außen kommuniziert werden sollte an die Verbraucherinnen, weil das doch eine feine Sache ist, oder?
Melanie Wegener: Grundsätzlich ist das eine super feine Sache. Wir sind in Europa, ich glaube mit, was ist das? 1,1 im Schnitt Kilogramm CO2. Ich will nicht sagen Spitzenreiter, aber sehr weit vorne. Also der weltweite Durchschnitt liegt, glaube ich, bei 2,4 kg. Wir in Deutschland haben gerade einen Schnitt von 1. Die Iren sind bei 0,7, roundabout 0,8. Also wir in Europa oder Europa ist ja grundsätzlich ein sehr großes Milchlieferland oder Region. Wir sind, was das angeht, sehr weit vorne. Und auch da, klar kann man es kommunizieren. Welchen Mehrwert hat es letztendlich? Wie sind auch, gibt's Vergleiche? Ich wüsste jetzt gerade aktuell keine Produktkategorie, die das aktuell schon kommuniziert. Also klärt mich gerne auf, falls da jemand schon aktiv geworden ist. Es hilft ja immer nur, solche Zahlen helfen ja nur im Vergleich. Also, man müsste halt auch immer wieder dann den Vergleichswert mitkommunizieren. Das ist eine sehr große Aufgabe und die Frage ist, in welcher Relation steht es dann letztendlich auch zu anderen Produkten? Aber ja, es sind große Erfolge, wo wir wirklich auch noch zu leise sind. Ja.
[26:15] Thema: Rationale Argumente vs. Emotionale Narrative
Tarik: Jens, in deiner Forschung hast du belegt, dass rationale Argumente nicht immer ausreichen, um Vorurteile abzubauen. Jetzt hat die Melanie schon erzählt, was alles gut läuft, wie viel Technik auch genutzt wird, um eben nachhaltig und aber auch im Sinne des Tierwohls zu handeln. Also alles tolle Errungenschaften, die jetzt gerade in der Landwirtschaft in Deutschland europaweit schon längst passieren. Und trotzdem haben wir immer noch diesen Moment, dass scheinbar ja, wie du herausgefunden hast, rationale Argumente oft nicht reichen. Was braucht es denn dann, wenn die Argumente nicht reichen, also rationale Argumente nicht reichen, um eben den Konsumentinnen, uns allen, mir auch klar zu machen, hey, da passiert schon super viel in puncto Nachhaltigkeit und Tierwohl auf deutschen Höfen.
Jens Lönneker: Also, wir haben wirklich in allen westlichen Gesellschaften wirklich in den letzten Jahrzehnten eine abnehmende Bedeutung von solchen rationalen Argumentationslinien. Also, man konnte vorher an der Universität ein Gutachten in Auftrag geben, wenn das zu bestimmten Ergebnissen gekommen ist, dann wurde das kommuniziert und dann waren das valide, rationale Daten, die dann das Geschehen bestimmt haben. Vor diesem Hintergrund haben wir eine Welt, in der es oft darum geht, was wollen wir glauben und weniger darum, was ist jetzt im Zweifel immer wichtig. Und wir haben auch natürlich entsprechende Angriffe gegen die Wissenschaften, gegen Studien. Es geht also darum, die Leute dort abzuholen, wo sie das Gefühl haben, da ist irgendwas jetzt uns wichtig und wir wollen lieber das glauben als das andere. Wieso ist das so? Das müssen wir bei der Nachhaltigkeitsdiskussion ein Stück weit berücksichtigen. Und wenn wir jetzt unsere Untersuchungsergebnisse nehmen, dann finden wir, wenn wir mit Landwirten reden, eine sehr hohe Technologieaffinität und eine Begeisterung darüber, vielleicht auch eine berechtigte Begeisterung darüber, was Technologie und Technik leisten kann. Und ich gebe mal so ein aus meiner Sicht plakatives Beispiel. Mir wurde mal ein wirklich tolles Hightech-Produkt im Drohnenbereich gezeigt, auch mit tollem Bildmaterial. Aus Sicht eines Konsumenten muss man die Sorge haben, der sieht die Drohne anders, der auch gerade vor dem Hintergrund dieser kriegerischen Auseinandersetzungen hat eine schwarze Drohne... In diesem Umfang hat ja eher so Darth-Vader-Assoziationen. Man muss die Drohne dann anders, nicht in dieser Ästhetik aus meiner Sicht darstellen, sondern muss darauf verweisen. Auch das haben wir deutlich gemacht, dass eine solche Drohne auch mit Kameraaufnahmen in der Lage ist, z. B. Rehkitze aufzuspüren, die eben da sind und bevor sozusagen das Gras da gemäht wird und die dann bei einem Mähdrescher zum Opfer fallen würden, können die über diese Drohne entdeckt werden. Und dann sind die Leute plötzlich ganz gerührt. Es ist also auch immer so eine Frage [unverständlich] die Drohne. Also es ist immer so eine Frage, wie erzähle ich das auch? Und die Landwirtschaft ist aus meiner Sicht, wenn ich das auch mal kritisch anmerken darf, auch vielleicht ein Stück weit zu sehr im Selbstbild unterwegs. Und von daher müssen wir einen Blick, mehr den Blick auf die Interessen der Konsumenten dann noch mal richten, wenn wir Öffentlichkeitsarbeit machen.
Tarik: Melanie, ist da noch Luft nach oben, wenn es darum geht, die Interessen der Konsumentinnen stärker in den Fokus zu setzen, wenn es auch um deine Öffentlichkeitsarbeit bei der DMK geht?
Melanie Wegener: Also Realität und Wunsch klafft halt einfach so weit auseinander. Das, was ich als Verbraucher fordere, bin ich halt leider nicht bereit, letztendlich monetär zu vergüten. Also da müssen wir alle uns irgendwie an die eigene Nase fassen und sagen, jo, ich bin auch bereit dafür mehr Geld zu bezahlen. Wir haben jetzt bei uns beispielsweise über 80 % der Höfe auf HF3 umgestellt. Also, wo es auch darum geht, mehr Weidegang den Tieren zur Verfügung zu stellen. Das muss man alles finanzieren. Das müssen Landwirte im Vorfeld finanzieren. Wir unterstützen unsere Landwirte da eben auch monetär. Ja, also das ist nicht einseitig. Das ist auf beiden Seiten, braucht's da Engagement und auch den Willen zur Veränderung.
[31:10] Thema: Zusammenfassung und Lösungsansätze
Tarik: Also, ich fasse da mal zusammen. Wir haben auf jeden Fall einen Gap, wenn es darum geht, was leistet die Milchwirtschaft und wie kommen diese Leistungen bei den Konsumentinnen an. Wir haben viel Technik, viel Zukunft, wenn es darum geht, Milchprodukte zu produzieren. Wir haben auch gerade erfahren, dass besonders der CO2-Fußabdruck in der Milchwirtschaft total im weltweiten Vergleich europaweit sehr gering ist. Wir haben auch erfahren, dass die Initiative Milch diesen Podcast eben macht, um auch in den Austausch mit den Konsumentinnen zu kommen. Und trotzdem denken halt immer noch viele, den Joghurt, den ich esse, der ist vielleicht gesund, aber könnte eben ein Klimasünder sein. Also da auch wieder diese Diskrepanz zwischen Realität, wie das Produkt hergestellt wird und dem was die Konsumentinnen denken. Ich glaube, wir sind uns einig, wir brauchen neue Narrative, oder Melanie und Jens, wir brauchen neue Narrative. Sind wir uns da einig?
Jens Lönneker: Also, ich bin froh, dass wir hier sitzen, Tarik, und dass du dieses Gespräch hier moderierst. Wir haben eigentlich über die Forschung die Basis für solche Narrative, beispielsweise in diesem Zukunftsbauer-Ansatz. Und es geht jetzt darum, dass wir uns wie hier in einem solchen Umfeld darum bemühen, dass dieses Narrativ auch zum Fliegen gebracht wird
Tarik: und dann eben auch bei den Konsumentinnen sichtbar wird und auch ja, dass dort dann eben die Transparenz ankommt. Was glaubst du, was wären gute Tools?
Melanie Wegener: Also, wir sind sehr viel auf Messen, definitiv. Wir sind auch nächstes Jahr wieder auf der Grünen Woche. Wir sind auf dem Stand vom Deutschen Raiffeisenverband am 20. und 21. zur Seite, wer sich über das Thema Milchproduktion, aber auch Genossenschaften informieren möchte. Wir sind aber auch sonst, also was Messen angeht, ich glaube, es gibt keine internationale, nationale Messe, auf der wir nicht als Unternehmen unterwegs sind. Wir haben ganz viele verschiedene Kampagnen laufen, auch für jüngere Zielgruppen mit Influencerinnen. Und wir hatten letztes Jahr oder vorletztes Jahr auch versucht, mal an so Pop-up-Orten zu kommunizieren. Also, wir versuchen wirklich schon arg in den Austausch mit Konsumenten zu kommen. Wir haben auch ganz viele verschiedene Panels, wo wir eben im Vorfeld von Neuprodukt-Launches mit Konsumenten in den Dialog treten und sagen: Was braucht ihr, wie findet ihr die Produkte, was sollen wir verbessern, was sollen wir auch kommunikativ verändern, was möchtet ihr von uns, was wir noch zusätzlich auf die Verpackung aufbringen?
[33:45] Thema: Europaweite Initiativen und persönliche Wünsche
Tarik: Eine ganze Menge. Meine Güte, die Liste ist lang. Da bin ich doch dann auch guter Hoffnung, dass der Gap sich immer mehr schließen wird in der Zukunft. Melanie, du hast schon gesagt, dass ihr auch international unterwegs seid. Wir wollen ja eben mit unserem Podcast heute nicht nur schauen, was deutschlandweit schon alles Gutes läuft, wenn es um Transparenz, Informationen zwischen Produzentinnen, Macherinnen und Verbraucherinnen geht. Was ist denn gerade so auf dem europaweiten Parkett so los? Wenn es darum geht, eben die Narrative so zu kommunizieren, dass am Ende Realität und Mythos nicht mehr so ganz weit auseinanderklaffen.
Melanie Wegener: Also, wir haben auf europäischer Ebene super viele Programme laufen. Also beispielsweise in Ländern wie Irland, die auch noch mal eine ganz andere Wertschätzung haben zu ihrer Landwirtschaft, gibt's viele Programme, die den direkten Austausch zwischen Landwirten und Verbrauchern fördern. Die haben viele Transparenzinitiativen zu Biodiversität, auch [unverständlich] Reduktion, da öffnen viele Betriebe ihre Höfe. Es gibt Social Media Dialoge.
Tarik: Vielleicht, mir fällt gerade mal ein oder ich denke darüber nach, vielleicht müsste ich mal mit der Initiative Milch nach Irland. Das wäre doch mal was oder so eine kleine Reise. Ich war ja schon selber auf vielen Höfen in Deutschland unterwegs, habe auch schon selber in dem Güllefass gelegen und habe da als Bauer, ja, ich habe da wirklich harte Arbeit geleistet. Sah toll aus dabei natürlich, aber eben auch harte Arbeit und vielleicht müsste ich jetzt mal nach Irland. Das wird doch mal was. Drei Tage Irland mit Tarik und der Initiative Milch. Was passiert da und warum ist da vielleicht auch das Image besser und was können wir dann daraus lernen europaweit, aber eben auch in Deutschland? Also ich bin schon, ich habe schon Outfit-Ideen, sage ich ganz in grün, verschiedene Shades of Green. Also Leute, das wird toll. Ich bin mir sicher, dass wir jetzt schon ein paar Leuten dabei helfen konnten zu verstehen, was die Branche alles leistet. Und vielleicht haben wir jetzt auch schon bei ein paar Leuten den Gap schließen können, denn es waren ja zu Beginn, habe ich es ja erzählt, fast 84 % der Befragten glauben oder glaubten eben, dass die Branche, wenn es um Nachhaltigkeit geht, den Aufgaben nicht ganz gewachsen ist. Ihr habt uns jetzt aus der Praxis und auch aus der Theorie erzählt, dass da ganz, ganz viel passiert. Und trotzdem abschließend von euch noch ein letztes Statement und zwar zu der Frage, was ihr euch ganz persönlich wünschen würdet, damit sich das Nachhaltigkeitsimage und die gelebte Praxis in der Milchbranche besser annähern.
Melanie Wegener: Ich wünsche mir, dass wir ja einfach noch mehr Mut haben in diese Aufklärungsarbeit zu gehen, dass wir auch die Ausdauer haben, hier viel mehr auch Transparenz zu zeigen. Ich denke, wir haben schon sehr viel erreicht als Branche in der Industrie. Ich würde halt einfach gerne die Geschichte hinter unseren Höfen noch viel weiter kommunizieren und die Menschen nach vorne stellen, die das tagtäglich für uns leisten, weil das ist, das ist ein 24/7 Job. Also 365 Tage arbeiten diese Jungs und Mädels auf ihren Höfen seit Generationen, oftmals sind es ja auch Generationsbetriebe und die sorgen halt dafür, dass wir hier jeden Tag volle Lebensmittelregale haben. Das ist ein Wahnsinnsjob und die Wertschätzung kommt für mich da auch leider sehr zu kurz, anders als in anderen europäischen Ländern. Bei uns wird die Landwirtschaft halt so ein bisschen belächelt und dieses Image würde ich halt auch so gerne verändern. Und ja, ich denke, das geht halt einfach nur durch offene Türen, durch einen Dialog, durch vielleicht auch einen runden Tisch mit Verbraucherschützern, mit Politik, mit Wissenschaft, mit Wirtschaft, mit Handel, alle zusammen. Wie können wir dieses riesengroße Projekt gemeinsam stemmen?
Tarik: Danke, Melanie, für dieses tolle Schlussstatement. Jens, was wünscht du dir persönlich, wenn es um das Image und die Realität in der Milchwirtschaft geht?
Jens Lönneker: Ich stimme Melanie völlig zu, würde aber gerne die andere Seite des Bildes jetzt hier stärker in meinem Statement dann betonen, weil was Melanie ausstellt, ist auch ein stark das berechtigte Selbstbild, finde ich, auch der Milchwirtschaft. Und ich würde gerne dafür werben, dass wir aus der Landwirtschaft, aus der Milchwirtschaft heraus den Mut haben, attraktive Bilder für die Menschen jenseits dieser Landwirtschaft da draußen, die Städter zu finden, wo die sagen: Wow, geil.
Tarik: Ihr Lieben, vielen Dank, dass ihr heute da wart. Das war unser Let's Talk Milch-Special zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit. Wie nachhaltig ist die Milchwirtschaft in Europa? Ich weiß jetzt auf jeden Fall, wie wir verzerrte Narrative aufbrechen können und warum das so wichtig ist, denn nachhaltig Wirtschaften und Konsumieren geht nur gemeinsam. Da sind wir in der Milchwirtschaft in Europa schon auf einem sehr, sehr guten Weg. Wie der ausschaut und noch mehr Wissen und Fun Facts rund um Milch gibt's übrigens auf dem Insta-Kanal von Milch macht's. Schaut da gerne mal vorbei. Danke fürs Zuhören. Bleibt neugierig und kritisch. Bis zum nächsten Mal bei Let's Talk Milch. [Podcast-Musik]
"Auf europäischer Ebene laufen viele Programme, die den direkten Austausch zwischen Landwirten und Verbrauchern fördern."
Melanie Wegener
Der Tiefenpsychologe wirft als Narrativexperte einen scharfen Blick auf die Realität hinter gängigen Klischees der Milchwirtschaft. Er beleuchtet, warum das Bild von der Milch als Klimasünder veraltet und einseitig ist. In seiner Studie „Zukunftsbauer“ analysiert er die Motive und Stereotype, die diese Wahrnehmung prägen, und hat innovative Strategien, um neue Narrative zu schaffen. Sein moderner Ansatz hilft, komplexe Themen greifbar zu machen und eine differenzierte Sichtweise zu fördern.
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Rheingold Salon
Die Branchenkennerin gibt uns einen authentischen Einblick in die moderne Milchproduktion. Mit ihrem umfassenden Wissen über die Abläufe und Prozesse auf Milchhöfen und in Molkereien erklärt die Kommunikationsexpertin, was nachhaltige Praktiken in der Branche konkret bedeuten und wie hohe EU-Standards dabei eine Rolle spielen. Mit ihrer Expertise und dem Engagement der Branche gestaltet Melanie die Veränderungen aktiv mit, die bereits im Gange sind.
Melanie Wegener auf LinkedIn
Der Moderator und Podcaster ist bekannt aus dem Online-Format „Jäger & Sammler“ im ZDF und der Talkshow „deep und deutlich“ im NDR. Im Podcast „Tratsch & Tacheles“ spricht er mit der Moderatorin Hadnet Tesfai offen und ehrlich über die latest news aus der Popkultur. Mit seinen glamourösen Fashion-Statements auf seinen Social-Media-Kanälen gilt Tarik als der deutsche Billy Porter.
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