Mit den Kühen unterwegs

Was haben die Kühe 2024 erlebt?

Bei Let's do Zukunft begleiten wir Höfe auf ihrem nachhaltigen Weg und zeigen, wie sie Emissionen reduzieren. Wie es den Kühen dabei geht, vermitteln unsere Kuhwochenbücher.

Die Kuhwochenbücher erklärt

Unsere Kuhwochenbücher geben Einblick in den Alltag einer Kuh. Dafür haben Wissenschaftsjournalist Dr. Jakob Vicari und sein Team des Innovationslabor tactile.news Daten gesammelt, die „significant six“: Fressen, Wiederkäuen, Trinken, Gehen, Stehen und Liegen.

Die Kennzahlen geben Aufschluss über das typische Verhalten der Tiere. Unsere Kuhwochenbücher übersetzen sie und machen den Kuhalltag auf den Höfen, die wir im Rahmen von Let’s do Zukunft begleiten, für Laien verständlich. Den Frühling und den ersten Grasschnitt erleben wir mit Kuh Banane.

Frühling

Zu Gast bei Tjarks und Kuh Banane

Das ist Banane

Sie ist noch jung und neues Mitglied von Tjarks Herde. Das Red Holstein mit der namensgebenden Banane auf der Stirn muss ihre Rolle innerhalb der Herde erst noch finden.

Das ist Annabell

Ganz im Gegenteil zur erfahrenen Annabell, die souverän ihr Kuhleben meistert. Sie dient uns als Vergleichskuh, um die Daten von Banane besser einordnen zu können.

Hier lebt Banane

Banane lebt auf einem mittelgroßen Milchviehbetrieb in Schleswig-Holstein, der in siebter Generation familiengeführt wird. Aktuell leben dort drei Generationen sowie rund 250 Milchkühe. Dazu zählen auch noch Berner Sennenhund Jack, der die Gang zusammenhält, und Schneefuß – ein Pferd, das dauernd ausbüchst, aber stets den Weg nach Hause findet.

Wie Tjark und seine Familie ihren Hof in die Zukunft führen, erfahrt ihr hier!

Jede Kuh ist individuell

Das Datenteam von Dr. Jakob Vicari hat Grafiken erstellt, die den Tagesverlauf einer Kuh visualisieren. Jede Kuh hat komplett eigene Verhaltensmuster, die sich wiederholen. Dabei verfügen die Tiere über keinen Schlafrhythmus wie wir Menschen. Stattdessen sind sie fast ununterbrochen mit Kauen beschäftigt. Dabei wechseln sich Phasen ab, in denen sie neues Futter frisst – in der Grafik Grün hinterlegt – und in denen sie wiederkäut (dunkelgrün).

Was schon ein erster Blick verrät: Gut zwei Drittel des Tages verbringt Banane damit, zu fressen und wiederzukäuen. Doch was die Daten auch zeigen: Jede Kuh ist individuell! Denn während Banane recht häufig zum Futtertisch geht und dafür nur kurz bleibt, lässt Annabell sich so gar nicht aus der Ruhe bringen.

Gegensätze ziehen sich an

Ein möglicher Grund, warum sich das Fressverhalten so stark unterscheidet: Die beiden Kühe nehmen verschiedene Ränge innerhalb der Herde ein. Als junge Kuh muss Banane ihren Platz noch finden. Annabell ist da schon viel weiter. Sie ist gar die „Chefkuh“ schlechthin. Dazu Henrik, der Vater von Tjark: „Wenn Annabell durch den Stall geht, machen alle anderen Platz.“ Doch wie heißt es so schön: Gegensätze ziehen sich an! Die beiden ungleichen Freundinnen gehen häufig gemeinsam zum Melkstand.

Freundlich gesinnt ist Banane aber nicht nur Annabell, sondern auch Anschieberoboter Hermann. Seine Aufgabe: Tagein, tagaus schiebt er das Futter ran – und zwar so, dass alle was davon haben. Damit ist er ein echter Harmoniestifter auf Tjarks Hof, da Rangkämpfe um das Futter zur Seltenheit werden.

Der Frühling ist da!

Anfang Mai dürfen die Kühe erstmals raus auf die Weide. Der erste Ausflug steht immer auch im Zeichen des Frühlings. Denn die Bedingungen müssen passen, damit die Kühe raus können. Regnet es viel und die Böden sind matschig, ist die Rutschgefahr einfach zu hoch.

Doch auch im Stall geht es den Kühen gut. Denn Tjark und seine Familie haben 2010 in einen offenen Boxenlaufstall mit Außenklima investiert. Außerdem ist der Stall für rund 270 Tiere ausgelegt, doch in der Regel leben hier nur um die 250 Tiere, sodass jede Kuh ausreichend Bewegungsfreiheit hat. Kuhkomfort at it's best!

Was die Daten von Jakob Vicari und seinem Team sichtbar machen: Banane nutzt das trockene Wetter, um sich die Beine zu vertreten! Ihre Schrittzahl geht deutlich nach oben. Das lässt sich an den dunkelvioletten Balken ablesen, die vor allem um die Zeit zwischen 12 und 15 Uhr nach oben gehen.

Tjark und seine Familie nennen das Grünland auch „Jogging-Weide“, weil die Kühe sich dort nicht unbedingt satt fressen, sondern herumtollen und ihren Spieltrieb freien Lauf lassen. Mit von der Partie: Berner Sennenhund Jack, der die Herde zusammenhält – so glaubt er jedenfalls.

Ein Schnitt, alles drin

Bis vor Kurzem hatte Banane sicherlich noch ein Stück Frühling vom vergangenen Jahr zwischen den Zähnen hängen. Denn der erste Grasschnitt im Jahr ist immer in den Monaten April und Mai und wird zum Jahreswechsel, in der Regel zwischen Oktober und Februar, als Silage an die Tiere verfüttert. Silage ist Grünfutter, das über mehrere Monate durch Gärung konserviert wird. Dafür wird das geschnittene Gras in einem Silo luftdicht verschlossen.

Dabei kommt es auch auf das richtige Timing an. In der Regel sollte der erste Schnitt spätestens Mitte Mai erfolgen, sonst wird das Gras zu alt und verliert an Qualität. Außerdem könnte die Grasnarbe verfilzen, wodurch das Wachstum über das gesamte Jahr hinweg beeinträchtigt wird.

Bitte lächeln!

Am silierten Gras hat Banane übrigens ganz schön zu knabbern. Am 02. Mai hat das Sensor-System 29 209 Kauschläge beim Fressen und 37 070 Kauschläge beim Wiederkäuen gemessen! Während der Zeit der Datenerfassung der absolute Höchststand. Für die Kühe ist das Normalbetrieb. Sie (wieder)kauen superschnell – zu Spitzenzeiten mehr als 60 Mal pro Minute!

Was auffällt, wenn man Banane bei der Arbeit zusieht: Ihr Kiefer bewegt sich kreisend, fast schon hypnotisierend für den Betrachtenden. Tut sie das besonders gründlich, ist es recht wahrscheinlich, dass wir ihr beim Wiederkauen zuschauen. Denn im ersten Anlauf schlingt sie das Futter erst einmal nur herunter, um die Zähne vor Staub und Erde zu schützen, die das Gras mitführt.

Das gründliche Kauen verschiebt Banane dann auf später – dann, wenn die Passage durch den Pansen das Futter von Verunreinigungen freigewaschen hat. Daher kommt übrigens auch das Sprichwort: „Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul“, denn Pferde und Esel haben die Fähigkeit, eine Extra-Runde mit ihrem Essen zu drehen, bekanntlich nicht. Geht es allein um die Zähne, sind Kühe also zeitlos schön.