Stoffwechsel-Expertin Daniela Kielkowski

„Hören Sie auf, zu wenig zu essen!“

Die Ernährungsmedizinerin Daniela Kielkowski hat es sich zur Aufgabe gemacht, dass jede:r seinen Stoffwechsel verstehen lernt. Im Stoffwechsel liegt der Schlüssel für einen gesunden Lebensstil, sagt sie. Im Interview erklärt die Bestseller-Autorin, was dahintersteckt.

Die Fakten im Überblick

  • Immer mehr Menschen in Europa wählen ihre Lebensmittel gezielt danach aus, wie sehr sie die eigene Fitness unterstützen.
  • Laut der Verbraucher:innenumfrage im Rahmen des EU-Programms „Enjoy, it’s from Europe” von 2025 sind Naturjoghurt und Co. bei 63 Prozent der Befragten in Deutschland besonders beliebt.
  • Mehr als zwei von drei Konsument:innen versprechen sich davon starke Knochen und eine gute Eiweißversorgung, also wichtige Baustoffe, die uns im Alltag leistungsfähig halten.
  • Ernährungsmedizinerin Daniela Kielkowski sagt: Milchprodukte wie Joghurt sind eine praktische Möglichkeit, den Körper regelmäßig mit hochwertigem Eiweiß, Energie und Mikronährstoffen zu versorgen – als Grundlage für einen aktiven Alltag.

Wer ist Daniela Kielkowski?

Die Ärztin und Ernährungsmedizinerin aus Berlin hat sich zur Aufgabe gemacht, den Menschen die Funktion des Stoffwechsels näherzubringen. Im Gegensatz zu den Aussagen populärer Low-Carb-Trends vertritt sie die Ansicht, dass Kohlenhydrate entscheidend für einen gesunden Stoffwechsel sind. Ihre Sichtweise hebt sich von kurzlebigen Hypes ab und ordnet die Milch als komplexes Lebensmittel (Nährstoff-Matrix) sachlich in die moderne Ernährung ein.

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Frau Kielkowski, wie funktioniert denn der Stoffwechsel (Metabolismus) im Körper und warum ist er so wichtig für unser Wohlbefinden?

Stoffwechsel bedeutet viel mehr als „Nahrung verbrennen“. Der Stoffwechsel umfasst alle Prozesse, mit denen der Körper Stoffe aufnimmt, umbaut, speichert, abbaut und wieder verfügbar macht. Er gewinnt Energie aus Kohlenhydraten, Fetten und Eiweiß – aber er kann auch körpereigene Reserven mobilisieren, zum Beispiel Fettdepots oder gespeicherte Kohlenhydrate. Gleichzeitig stellt der Stoffwechsel Baustoffe bereit, repariert Gewebe, bildet Hormone und steuert wichtige Signale für Immunsystem, Gehirn und Muskulatur.

Deshalb ist der Stoffwechsel so zentral: Er entscheidet nicht nur darüber, ob wir Gewicht verlieren oder zunehmen. Er sorgt dafür, dass unser Körper genug Energie hat, um zu denken, sich zu bewegen, sich zu regenerieren und stabil zu bleiben. Und genau hier wird es spannend: Der Stoffwechsel läuft nicht einfach „von allein“. Er wird vom Gehirn, von Hormonen, vom Stresssystem und von der verfügbaren Energie gesteuert. Wenn der Körper Sicherheit erlebt, kann er Energie freigeben. Wenn er Stress oder Mangel erlebt, schaltet er auf Sparen.

Deshalb sage ich: Ein gesunder Stoffwechsel entsteht nicht durch Verzicht, sondern durch verlässliche Versorgung.

"Ein gesunder Stoffwechsel entsteht nicht durch Verzicht, sondern durch verlässliche Versorgung."

Daniela Kielkowski

Man sagt, der Darm ist unser „zweites Gehirn“. Wie hängen unsere tägliche Portion Joghurt (Probiotika) und unser allgemeines Wohlbefinden im Alltag zusammen?

Der Darm steht über die Darm-Hirn-Achse in engem Austausch mit dem Gehirn und produziert Boten- und Transmitterstoffe selbst. Fermentierte Lebensmittel wie Joghurt enthalten lebende Kulturen und dienen gleichzeitig als eine Art „Nahrung“ für unser Mikrobiom. Das könnte dazu beitragen, dass Darmbakterien stabile Stoffwechselendprodukte bilden können – insbesondere kurzkettige Fettsäuren.

Diese Stoffwechselendprodukte wirken nicht nur lokal im Darm, sondern systemisch: Sie beeinflussen unser Gehirn, unseren Glukosestoffwechsel und auch entzündliche Prozesse im Körper. Das zeigt sehr schön, dass Ernährung nicht isoliert wirkt, sondern über solche Zwischenstufen. Aber nicht der Joghurt allein macht den Unterschied – sondern das stabile System, das wir damit zu unterstützen versuchen.

Warum ist das Motto ‚Einfach weniger essen‘ der falsche Weg, um den Stoffwechsel zu aktivieren, und welche Rolle spielen dabei Joghurt und Co.?

Ein „verlangsamter Stoffwechsel“ ist in den meisten Fällen kein Defekt – sondern eine Anpassung. Der Körper spart Energie, weil er sich nicht ausreichend versorgt fühlt. Und genau hier liegt ein großer Denkfehler: Viele Menschen versuchen, ihren Stoffwechsel durch weniger Essen zu „aktivieren“. In der Praxis passiert das Gegenteil. Der Stoffwechsel wird nicht durch Verzicht aktiviert, sondern durch Versorgung. Milchprodukte wie Joghurt enthalten gut verfügbares Eiweiß, Energie und wichtige Mikronährstoffe. Also Bausteine, die dem Körper möglicherweise fehlen, um aus dem Sparmodus wieder herauszukommen. 

3 Snack-Tipps von Daniela Kielkowski

1.     Natur pur genießen: Joghurt mit lebenden Kulturen und einer kurzen Zutatenliste wählen. 
2.     Zuckermengen checken: Produkte ohne zugesetzten Zucker bevorzugen. 
3.     Regelmäßig schlägt Perfektion: Ein gutes Produkt, das täglich auf den Teller kommt, hat mehr Effekt als das perfekte Produkt, das nur selten auf dem Speiseplan steht.

Immer mehr Menschen setzen auf eine pflanzenbetonte Ernährung. Warum sind fermentierte Lebensmittel wie Joghurt eine gute Ergänzung zu Bowls, Obst und Getreide, wenn es darum geht, alle wichtigen Nährstoffe abzuhaken?

Pflanzenbetonte Ernährung ist sinnvoll, aber sie ist nicht automatisch vollständig. Gerade in der Praxis sehe ich häufig: Zu wenig Eiweiß, zu wenig Energie, zu viele „leichte“ Mahlzeiten, die nicht wirklich sättigen. Fermentierte Milchprodukte wie Joghurt ergänzen das sehr gut, weil sie:

  • hochwertiges, gut verfügbares Eiweiß enthalten,
  • eine hohe Nährstoffdichte haben,
  • lebende Milchsäurebakterien enthalten.

Worauf sollten wir beim Einkaufen achten?

Die wichtigsten Kriterien sind überraschend einfach:

  • Produkte mit lebenden Kulturen
  • möglichst kurze Zutatenliste
  • wenig oder kein zugesetzter Zucker

Naturjoghurt ist oft die sinnvollste Wahl. Und noch wichtiger als jedes Detail: Regelmäßigkeit schlägt Perfektion. Ein gutes Produkt, das täglich gegessen wird, hat mehr Effekt als das perfekte Produkt, das selten auf dem Teller landet.

"Naturjoghurt ist oft die sinnvollste Wahl."

Daniela Kielkowski

Jeder Stoffwechsel tickt ein bisschen anders. Gibt es Anzeichen, an denen wir selbst merken, dass unser Mikrobiom aus dem Gleichgewicht geraten sein könnte?

Ja, typische Hinweise sind:

  • instabile Verdauung
  • Blähungen
  • unregelmäßiger Stuhlgang
  • Heißhunger oder Energieeinbrüche

Wenn sich nach dem Genuss fermentierter Lebensmittel die Verdauung, Sättigung oder Energie stabilisieren, ist das ein gutes Zeichen. Aber auch hier gilt:
Der Körper reagiert nie auf ein einzelnes Lebensmittel, sondern auf das Gesamtbild.

Welchen einfachen Ernährungs-Tipp haben Sie für uns?

Der wichtigste Tipp ist gleichzeitig der, den die wenigsten hören wollen: Hören Sie auf, zu wenig zu essen. Viele Menschen versuchen, Gesundheit über Kontrolle zu erreichen und bringen ihren Stoffwechsel genau dadurch in den Energiesparmodus. Drei regelmäßige Mahlzeiten, ausreichend Energie, echte Lebensmittel – das hilft dem Stoffwechsel oft mehr als jede Diät. Ein Joghurt mit Obst oder Getreide ist dabei ein sehr einfacher Einstieg.

Wie lautet Ihre Ernährungs-Grundformel für ein langes, vitales Leben?

Gesundheit entsteht nicht durch Extreme, sondern durch ein stabiles Zusammenspiel dieser Faktoren. Meine Grundformel ist bewusst ganzheitlich: Versorgung + Bewegung + Regeneration = stabiler Stoffwechsel. Das bedeutet konkret:

  • ausreichend und regelmäßig essen
  • echte, nährstoffreiche Lebensmittel
  • tägliche Bewegung, nicht nur Sport, sondern auch Alltagsaktivität
  • ausreichend Schlaf
  • gezielte Regeneration

Milchprodukte aus Europa: Qualität mit Verantwortung

Die europäische Milchwirtschaft steht für Qualität, Vielfalt und Verantwortung. Die Milchbäuerinnen und Milchbauern in der EU arbeiten gemeinsam mit den Molkereien täglich daran, beliebte Produkte wie Joghurt ressourcenschonend zu erzeugen und weiterzuentwickeln. Durch ihren klaren Fokus auf Ressourcenschonung, die Reduktion von Emissionen und einen hohen Anspruch an das Tierwohl übernehmen sie aktiv Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft. Das Ergebnis sind hochwertige, verlässliche Lebensmittel, die nicht einen bewussten Lebensstil unterstützen.

Disclaimer
Von der Europäischen Union finanziert. Die geäußerten Ansichten und Meinungen entsprechen jedoch ausschließlich denen des Autors bzw. der Autoren und spiegeln nicht zwingend die der Europäischen Union oder der Europäischen Exekutivagentur für die Forschung (REA) wider. Weder die Europäische Union noch die Bewilligungsbehörde können dafür verantwortlich gemacht werden. Weitere Informationen zu einer ausgewogenen und gesunden Ernährung finden Sie hier: Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)